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Auf unserem Oster-Retreat in Sampurna haben wir uns die Frage gestellt, was die Bedeutung des christlichen Osterfestes und die Lehre der Upanishaden gemeinsam haben.

Am ersten Vollmond im Frühling feiern wir das Osterfest. Es ist ein altes heidnisches Fest, das die Tag-und- Nacht-Gleiche und zugleich das länger werden der Tage auf der nördlichen Hemisphäre markiert. Auf unserem Oster-Retreat im Sampurna Seminarhaus haben wir uns die Frage gestellt, was die Bedeutung des christlichen Osterfestes und die Lehre der Upaniṣaden gemeinsam haben.

Wonniges Gemüt im Frühling

Zur Zeit des Osterfestes beobachten und genießen Menschen aus unserem Kulturkreis, dass die Vögel frühmorgens wieder singen, die Pflanzen das erste Grün treiben und sich auch im eigenen Inneren „Frühlingsgefühle“ regen. Wir erleben das häufig als eine Zeit, in der das „Göttliche“ in uns erlebbar wird und wir uns beim ersten Waldspaziergang eins mit der Natur fühlen. Das kann natürlich auch beim Gang über den Wochenmarkt passieren, auf dem die Gärtner gerade Primeln, Vergiss-Mein- Nicht und Tulpen in den schönsten Farben anbieten.

Die Auflösung des Ich-Machers

Die Einheit vom eigenen Selbst mit Gott und des Selbst mit der Natur sind zwei Grundgedanken der Upaniṣaden, auch „Geheimlehren“ genannt. Die R̥ṣi (= Seher) dieser Zeit haben erkannt, dass eine innere Transformation bzw. das Erkennen des Göttlichen mit inneren Sterben verbunden sind. Wenn das Ego oder der Ich-Macher (Ahaṁkāra), wie er in den Upaniṣaden heißt, aufgelöst ist, bleibt eine pure Form der Sicht bzw. des Bewusstseins übrig. Es geht dann nicht mehr um „meine Sicht“ der Dinge, sondern um eine „Sicht“ auf die Welt. Das Bewusstsein, das frei von Ego (Ahaṁkāra) ist, kann die Welt so sehen wie sie ist.

Yoga als „Nah-Tod- Erlebnis“

Solche „Nah-Tod- Erlebnisse“ mit Auflösung unseres Ich-Machers können wir auch bei einer intensiven Yogapraxis erleben und so intuitiv die Essenz der Upaniṣaden begreifen. Auch das christliche Osterfest kann aus dieser Sichtweise eine neue Bedeutung bekommen. Symbolisch können wir Jesu Leiden, Sterben und sein Wiederauferstehung als das upaniṣadische Eins-Werden mit dem Göttlichen verstehen. So geht es letztendlich in den verschiedenen religiös-phiosophischen Schriften um eine Transformation des menschlichen Geistes und Herzens, die mit verschiedenen Bildern beschrieben wird.