Praxis

In Tokyo gibt es mittlerweile die aktivste und internationalste Yogaszene im ganzen ostasiatischen Raum – die sowohl aus passionierten einheimischen Yogis als auch internationalen Praktizierenden besteht. Die Stadt bietet ein breitgefächertes Angebot, bei dem für jeden Geschmack und jede bevorzugte Stilrichtung etwas dabei ist.

Yoga in Japan – Nischen-Phänomen oder weit verbreitete Aktivität?

Aktuell ist Yoga in Japan sehr beliebt. Viele Leute fangen an Yoga zu praktizieren um abzunehmen oder mehr Ruhe und Entspannung zu finden. Bei meinem eigenen Unterricht ist es mir als Lehrerin allerdings immer wieder aufgefallen, dass sich dieser Fokus mit der Zeit manchmal verschiebt. Das geschieht mitunter schon nach einigen Monaten, manchmal aber auch erst nach einigen Jahren einer (zumindest halbwegs) regelmäßigen Praxis von etwa ein bis zwei Mal pro Woche. Natürlich trifft das nicht auf alle Yogis zu, aber manche fangen nach einer gewissen Zeit an zu spüren, dass sich durch Yoga ein weitaus größerer Nutzen erzielen lässt als „nur“ eine Steigerung der physischen Fitness oder ein Gefühl der körperlichen Entspannung. Das ist meistens der Punkt, an dem sie anfangen, sich wirklich mit Yoga auseinanderzusetzen und regelmäßig zu üben.

Gerne bin ich mit so verallgemeinernden Aussagen ein wenig vorsichtig. Und letztendlich gibt es auch so viele unterschiedliche Wege und Motivationen zu praktizieren, wie es aktive Yogis gibt: So üben viele Frauen, die nicht arbeiten gehen und tagsüber zu Hause sind, Yoga als ein Hobby aus und nutzen es gleichzeitig als Gelegenheit Nachbarn und Freunde zu treffen. Im Gegensatz dazu suchen Praktizierende mit einem sehr hektischen und anstrengenden Arbeitstag, der gegen 08:00 früh beginnt und häufig nicht vor 19:00 oder 20:00 endet, eher einen Ausgleich zum Alltagsstress. Für sie ist Yoga eine Möglichkeit sich zu entspannen und Stress abzubauen.

Die beliebtesten Yoga-Stile

Gerade unter Frauen, die sich vor allem auf den ästhetischen Nutzen konzentrieren, ist aktuell Hot Yoga – auch unter dem Namen Bikram Yoga bekannt – die beliebteste Yoga-Form. Bei diesem Stil wird bei vergleichsweise hohen Temperaturen in einer Sauna praktiziert. Viele der Anhänger dieser Richtung halten dies für einen guten Weg, Gewicht zu verlieren und gleichzeitig den Stoffwechsel anzuregen.

Diejenigen, deren Augenmerk eher auf der physischen Fitness liegt, bevorzugen in der Regel Power Yoga oder Vinyasa, wohingegen Yogis, die auf der Suche nach Entspannung sind, meist Hatha Yoga oder Yin Yoga wählen. Was Asthanga Yoga betrifft, lässt sich die spannende Beobachtung machen, dass viele Leute es für eine sehr authentische, gleichzeitig aber auch sehr schwer zu praktizierende Form des Yoga halten. Dennoch ist Ashtanga Yoga in den letzten Jahren zunehmend populär geworden und erlebt aktuell einen regelrechten Boom. Alle Ashtangis, die planen, in der nächsten Zeit nach Japan zu reisen oder dort ihre Praxis weiterführen möchten, sollten also überhaupt kein Problem haben, eine geeignete Shala zu finden. Das Angebot ist breit gefächert und reicht von Mysore Stunden bis hin zu geführten Klassen auf unterschiedlichen Leveln, die von einer zunehmenden Zahl qualifizierter Lehrer unterrichtet werden.

Yoga-Philosophie

Die Beschäftigung mit der Yoga-Philosophie ist in Japan dagegen nicht sehr weit verbreitet. Diejenigen, die bereits unterrichten oder vorhaben, sich in Zukunft als Lehrer ausbilden zu lassen, verfügen meistens über ein gewisses Basiswissen über die Vedanta Philosophie, aber in den normalen Studios wird man in der Regel keine Philosophie-Klassen finden. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass bei den Schülern schlichtweg das Interesse nicht sehr ausgeprägt ist. Sehr beliebt sind dagegen Veranstaltungen wie tibetische Klangschalen-Meditationen oder Aroma Yoga. Das Singen von Mantras wiederum wird häufig als „zu traditionell“ betrachtet. Darüber hinaus hat es einen eher schlechten Ruf, weil es nach wie vor viele Menschen an die Aum Sekte und die Anschläge auf die Tokyoter U-Bahn in den 1990ern erinnert.

Yoga-Praxis in Japan und Deutschland – Gibt es Unterschiede?

Wenn ich mir die Praxis in Japan und Deutschland anschaue, besteht für mich der Hauptunterschied in den physischen Voraussetzungen der Praktizierenden. In Japan gibt es sehr viele Leute, die eher klein und oft auch recht dünn sind. Außerdem haben viele von uns eher kurze Arme und Beine, wodurch es für uns leichter wird, bestimmte Positionen zu meistern. Umgekehrt kämpfen wir dagegen oft mit Positionen, die den Europäern tendenziell eher leichtfallen.

Als ich selbst nach Deutschland gekommen bin, ist mir zudem ein Unterschied aufgefallen, was die Einstellung zur persönlichen Praxis betrifft. In Deutschland genießen es die Leute, ihre eigene Praxis zu haben, die ganz individuell auf ihre Bedürfnisse und körperlichen Voraussetzungen zugeschnitten ist. Das ist in Japan nicht der Fall. Möglicherweise ist das ein Stück weit kulturabhängig, aber dort bevorzugen es die Leute, genau das gleiche zu üben, wie alle anderen im Raum, also möglichst ohne persönliche Modifikationen und Variationen.

Als Europäer in Tokyo: “Lost in Translation“?

Wie wäre es für jemanden, der ohne Japanisch-Kenntnisse nach Tokyo kommt und dort praktizieren möchte? Grundsätzlich sehe ich darin kein wirkliches Problem. Tokyo ist eine derart große Metropole, dass es immer möglich sein wird, einen internationalen Lehrer zu finden. Denjenigen, die kein Japanisch sprechen, empfehle ich allerdings eine Stunde bei einem englischsprachigen Lehrer. Hier muss ich zugeben, dass viele Japaner, was die Sprachkenntnisse betrifft, bei weitem nicht so international ausgerichtet sind wie beispielsweise die Menschen in Deutschland. Wer nach Japan reist, wird auf eine ganze Reihe von Einheimischen treffen, die gar kein oder nur sehr wenig Englisch sprechen. Die Sprachbarriere kann daher in der Tat ein gewisses Problem darstellen. Davon abgesehen gibt es aber aus meiner Sicht keine weiteren Fallstricke oder Dinge, die besonders beachtet werden müssten. Meine Empfehlung: Sei einfach so authentisch und offen wie möglich! Dennoch ist es in der Tat so, dass manche Praxis-Regeln in Japan etwas anders sind als in Deutschland. Es lohnt sich deshalb, sich im Vorfeld kurz mit diesen zu beschäftigen. Gerade die regulären Praktizierenden werden es wertschätzen, wenn auch die neuen „ausländischen“ Yogis von Beginn an die in einer japanischen Shala üblichen Regeln einhalten.

Gängige Praxisregeln in Japan

Die japanische Kultur ist dem Buddhismus stark verhaftet. Nicht zuletzt deshalb ist der Respekt gegenüber anderen sowie dem Lehrer gegenüber von sehr großer Bedeutung. Wenn Du den Raum betrittst, solltest Du daher die Hände vor Deinem Herzen zusammenlegen und so Deinen Respekt und Deine Dankbarkeit dem Lehrer gegenüber zum Ausdruck bringen. Versuche außerdem dazu beizutragen, dass eine gute und harmonische Atmosphäre für alle im Raum Anwesenden entsteht

In den meisten Shalas gibt es einen kleinen Tempel oder zumindest ein Bild unseres Gurujis. Bevor Du Dich in Savasana begibst, solltest Du Dich daran orientieren, in welche Richtung sich die anderen Teilnehmer legen und die gleiche Position einnehmen. Das ist insofern wichtig, als es viele Lehrer nicht mögen, wenn die Füße der Schüler in Richtung des Tempels oder des Bilds zeigen.

Dress Code: Verwende vor der Praxis kein Parfüm oder Deo. Manche Praktizierende reagieren sehr sensibel auf Gerüche und könnten sich in ihrer Praxis gestört fühlen. Davon abgesehen gibt es jedoch keinen spezifischen Dress Code, das Einzige, das Du vermeiden solltest, sind allzu knappe Outfits. Generell wird es jedoch als akzeptabel empfunden, wenn Männer ohne Oberteil praktizieren.

Die richtige Shala in Tokyo finden - Kumikos Geheimtipps:

Hier sind zwei Shalas, die ich empfehlen würde, wenn Du während Deines Aufenthalts in Tokyo praktizieren möchtest:

Ashtanga Schulen

Under the Light (UTL) Yoga School

151-0053, Japan

Ashtanga Schulen

Mysore Tokyo, Tokyo

Shibuya, Präfektur Tokio, Japan

0 Nachrichten

Keine Nachrichten.
    ×