Praxis

Nach der Geburt eines Babys hat sich nicht nur körperlich viel verändert. Auch auf emotionaler Ebene darf sich eine Balance erst wiedereinstellen. Wir lassen Dich an unseren Erfahrungen als junge Eltern und Yogis teilhaben.

Unser Baby als wahrer Guru des kleinen Glücks

Seit fünf Monaten sind wir Eltern des kleinen Kiran. Er hat wahrlich Sonne in unser Leben gebracht und uns gezeigt, wie Yoga wirklich geht. Schnell wurde klar, dass das Sadhana, also unser Übungsweg, nicht mehr hauptsächlich um sechs Uhr am Morgen auf der Matte stattfindet. Mit Baby wird das plötzlich viel schwerer und ist für mich als Mama die ersten Monate gefühlt unerreichbar. Fast wehmütig dachte ich an meine „daily practice“, sprich mindestens fünf Mal die Woche für eineinhalb Stunden zurück. Dafür wird jetzt mit dem „kleinen Schatz“ Yoga im eigentlichen Sinn umso leichter. Babys sind nämlich wahre Gurus für viele Momente des kleinen Glücks.

Eine Yogapraxis

So ist es zum Beispiel heute Morgen passiert. Nach einer Nacht, die ich halb im Beistellbettchen verbracht und in der ich mir lieber den Hals verrenkt habe, als den „kleinen Guru “ zum Stillen zu wecken, gehe ich für die letzten fünfzehn Minuten der morgendlichen Mysore-Praxis ins AYI Ulm. Die meisten Praktizierenden sind schon am Ende ihrer Serie angelangt und so kann ich Ronald unseren Sohn übergeben. Er trägt ihn, während er weiter unterrichtet. So hat er den doppelten Überblick über die Klasse und unser Sonnenschein Kiran gleicht aus, dass es für die Übenden für heute erst mal keine hands-on-Adjustments mehr gibt.
Ich stehe am vorderen Ende meiner Matte und atme tief und gleichmäßig. Für eine solche Präsenz habe ich sonst häufig eine ganze Serie gebraucht. Jetzt ist sie sofort da – ich habe ja nur diese Viertelstunde.

Mini-Mama-Praxis mit krönendem Abschluss

Es ist herrlich, den ganzen Rücken zu beatmen, meine Nackenmuskeln entspannen sich. Ich mache jede Bewegung achtsam und genieße meinen eigenen Raum. Gleichzeitig bin ich glücklich über die Präsenz unseres Sohnes im Raum und seine Lebendigkeit. Er genießt die Zeit auf Papas Armen und die tolle Aussicht auf die Yogaübenden.

Um meine Mini-Mama-Praxis abzuschließen, gehe ich in Urdhva Dhanurasana – und halt, plötzlich liegt etwas angenehm Weiches auf meinem Bauch und gibt mir genau den richtigen Widerstand, um den Brustkorb weiter zu öffnen. Ronald hat mir den Kleinen auf den Bauch gelegt und mir ein Kiran-Urdhva-Dhanurasana geschenkt. In der kurzen Endentspannung bade ich in der schönen Erinnerung an die Zeit, als er noch als Embryo unter meiner Bauchdecke lag.

Tipps für Yoga-Mamas

  • Geh auf Deine Matte, auch wenn Du nur 10 Minuten Zeit hast. Als Mutter baust Du Schritt für Schritt Deine Praxis auf, während sich das Baby jeden Tag ein Stückchen sicherer auf seiner Krabbeldecke fühlen darf oder seinen Mittagsschlaf ein bisschen länger macht.
  • Übe „Familien-Yoga“ mit Deinem Partner, Deinen Freunden oder anderen Müttern. So wird die Yogastunde gleich zur Krabbelgruppe. Das scheint erst mal nicht so intensiv zu sein, aber Du kannst viele heitere Momente erleben. Dein Baby wird viel ausgeglichener sein, wenn es so viel zu beobachten gibt (ab ca. 4-5 Monaten).
  •  Lebe den Yoga der Verbundenheit. Auch die stärksten Eltern brauchen mal ihre Auszeit. Hier ist es schön, wenn die Großeltern vor Ort sind oder Du sonst einen lieben Menschen mit dem kleinen Menschen vertraut werden lassen kannst. So kannst Du auch als Mama mal wieder eine Praxis für Dich genießen und danach freudestrahlend Deinen „kleinen Schatz“ in die Arme schließen.

Es bleibt spannend

Mit diesen kleinen Tipps war es schon ein bisschen leichter, wieder eine Praxis auf der Matte zu entwickeln. Doch zum Glück gibt es mit einem Baby im Leben immer Bewegung. Alles bleibt im Fluss und abzuwarten, welche Yoga-Einheiten uns Kiran in seinem zweiten Lebenshalbjahr lehren wird. Wir freuen uns sehr, dass er unser kleiner Entwicklungs-Motor geworden ist.

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