Praxis

„Atem und Bewegung mit einem Ziel: seine wahre Essenz – Svātma – zu erfahren.“ So leitet Ronald sein neustes Inspirationsvideo ein. Erfahre hier alles über Entstehungsgeschichte und Hintergründe.

Sabine: Ronald, mit obigem Zitat beginnt Dein neustes Video. Warum ist für Dich die Kombination aus Atem und Bewegung einer der Schlüssel, wenn es darum geht, Dein wahres Selbst zu finden?

Ronald: Wir sehen den Grund eines Sees erst dann, wenn das Wasser klar ist. Ähnlich verhält es sich mit unserer wahren Natur. Diese können wir nur durch den Filter unseres Menschseins erkennen. Allerdings brauchen wir auch hier Klarheit. Das bedeutet für mich: Nur wenn wir in allen unseren Aspekten eine klare Balance kultivieren, können wir so tief in uns hineinblicken und wirkliche Erkenntnis gewinnen.

Dabei spielt der Atem für mich eine ganz zentrale Rolle, denn er durchdringt Körper und Geist. Besonders in der Verbindung mit Bewegung ist er es dann auch, der uns uns von innen heraus in eine ganzheitliche Harmonie bringt. Daraus entsteht eben die Klarheit, die eine Voraussetzung ist, unsere wahre Natur zu erfahren.

Sabine: Im Video hat man den Eindruck, dass nicht nur Deine Lungen, sondern förmlich Dein ganzer Körper mitatmet. Wie gelingt es Dir, so kraftvoll, gleichzeitig aber dennoch mit einer gewissen Leichtigkeit zu atmen?

Ronald: Es mag trivial klingen, doch die Atemtiefe und die Verformung unseres Körpers sind ein und dieselbe Sache. Mit einem zwinkernden Auge erkläre ich meinen Schülern dabei immer wieder gerne, wie sie ganz einfach ihre Lungengröße, oder genauer gesagt ihre Vitalkapazität, bestimmen können. Das geht so:

Lege Dich in die Badewanne. Atme vollständig aus. Halte dann die Luft an und lasse das Wasser bis zum Badewannenrand einlaufen. Atme nun wieder vollständig ein. Das Volumen des verdrängten Wassers ist Deine Vitalkapazität.

Das klingt wie gesagt sehr simpel, doch oft vergessen wir, dass sich bei jedem Atemzug unser Körper verformt. Je tiefer wir atmen, desto größer ist dieses Mitbewegen des Körpers. Der Trick, einen tiefen und gleichmäßigen Atem zu entwickeln, liegt darin, die Mitbewegung des Körpers bewusst zu erleben, diese zu erweitern und zu harmonisieren.

Ich genieße diese spannende und unendliche Reise seit vielen Jahren. Gefühlt befinde ich mich erst mitten in diesem Prozess. Es fängt gerade erst an, richtig interessant zu werden.

Sabine: In Deinen Kursen hältst Du Deine Teilnehmer immer wieder dazu an, tief und vollständig ein- und auszuatmen. Welchen Effekt hat diese Art der Atmung auf meinen Körper? Und warum lohnt es sich für mich, an der Tiefe und Länge der Atmung zu arbeiten?

Ronald: Die Tiefe des Atems hängt wie ich schon angedeutet habe unmittelbar von der Beweglichkeit unseres Körpers ab. Mobilisieren wir unseren Rumpf, so entsteht Raum, tiefer zu atmen. Das Ganze gilt allerdings auch umgekehrt: Lernen wir tief zu atmen, so entwickelt sich gleichzeitig die Flexibilität ganz mühelos. Es ist erstaunlich, wie leicht dieser Weg über die Atmung ist. Selbst Yoga-Praktizierende, die schon lange üben und mit der Beweglichkeit einfach nicht weiterkommen, erfahren durch den Fokus auf eine tiefen Atmung eine neue Dimension an Weichheit.

Doch damit nicht genug: Die Atemmuskulatur liegt tief im menschlichen Körper. Aktivieren wir sie, so richtet sie uns von innen heraus auf. Die einzelnen Knochen sind dann in einem myofaszialen Netz aufgespannt. Dieses neue Spannungsgleichgewicht geht weit über den Rumpf hinaus. Es breitet sich bis in die Finger und Zehen hinein aus. Der Druck in den Gelenken und auf die Bandscheiben reduziert sich. Wir können so Rückenschmerzen aber auch viele andere Beschwerden des Bewegungsapparates buchstäblich „wegatmen“.

Am wichtigsten für mich ist allerdings die Wirkung des Atems auf den Geist. Das gleichmäßige Rauschen einer tiefen und kraftvollen Atmung führt uns direkt in einen meditativen Zustand. Wir sind wach und ruhig zugleich. So kann bewegte Meditation entstehen.

Sabine: Das klingt wirklich beeindruckend – und nach einer ganzen Reihe von guten Gründen, diesen Fokus selbst auszuprobieren. Zum Schluss allerdings jetzt noch eine ganz andere Frage, auch auf die Gefahr hin, dass ich viele Leser ein bisschen neidisch mache: Verrätst Du uns, wo Du im Video beim Üben zu sehen bist?

Ronald: Das war bei einem Urlaub in Mallorca. Ich habe wirklich ganz zufällig Alessandro Sigismondi getroffen. Er ist professioneller Filmemacher und praktiziert selbst Ashtanga Yoga. Wir waren uns sofort sympathisch und haben beschlossen ein kleines Praxisfilmchen auf einer Klippe in der Nähe zu drehen.

Sabine: Vielen Dank für diese inspirierenden Eindrücke. Ich bin schon gespannt zu hören, wo es auf der „Atemreise“ als nächstes hingeht!

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