Praxis

Die sogenannten „Hüftöffner“ sind im Yoga fast schon eine Art Dauerbrenner – bilden sie doch den Schlüssel zu einer ganzen Reihe von Positionen. In der Schwangerschaft wirst Du auf überraschende Weise davon profitieren…

Neue Leichtigkeit

Gerade wenn Du vor Deiner Schwangerschaft regelmäßig Yoga praktiziert und aufgrund einer weniger flexiblen Veranlagung eher eine Art Hassliebe zu den hüftöffnenden Übungen entwickelt hast, steht Dir nun eine angenehme Überraschung bevor. Denn Du wirst feststellen, dass es sich jetzt plötzlich ganz einfach und natürlich anfühlt, die Weite und Flexibilität der Hüfte zu fördern. Die Natur hat dies gut eingerichtet und die Entwicklung zu mehr Raum, der vor allem im späteren Stadium der Schwangerschaft benötigt wird, bereits mit eingeplant.

Doch woher kommt diese plötzliche Zunahme an Flexibilität? Die Erklärung ist so simpel wie genial: Durch die Umstellung der Hormone in der Schwangerschaft wird Dein Bindegewebe weicher und es entsteht auf diese Weise ganz natürlich mehr Flexibilität in der Hüfte.

Diese ist grundsätzlich durchaus förderlich und hilfreich, allerdings solltest Du nicht vergessen, dass Dein Bindegewebe auf diese Weise gleichzeitig einen Teil seiner stützenden Kraft verliert. Deshalb lautet – wie bei jeglicher Form der Yoga-Praxis während der Schwangerschaft – hier die Devise „Achtsamkeit“ in ganz besonderem Maße, um Verletzungen und Überlastungen zu vermeiden.

Emotionales Zentrum

Neben den anatomischen Aspekten steht die Hüfte auch in Verbindung mit emotionalem Erleben. Ganz traditionell begründen Yogis dies oft mit der Nähe des Hüftbereichs mit dem zweiten Chakra, dem Svādhiṣṭhāna Cakra. Wörtlich übersetzt heißt dieses Energiezentrum „der eigene Sitz“ von sva: Eigen; ā: Verstärkung; dhi: tragen; ṣṭhāna: Stand, Sitz. Es ist mit dem Element Wasser assoziiert und steht für Veränderung, Beziehungen, Kreativität, Spaß und Sinnlichkeit.

Mit den Worten eines Psychotherapeuten ausgedrückt sind in der Hüftregion eine Vielzahl von Körpererinnerungen gespeichert. Unterdrückte Emotionen führen nach dieser Vorstellung zu chronischen Verspannungen in der Hüft-Beckenregion. Wenn Du intensiv diese Region dehnst, kommen solche Gefühle oft wieder zum Vorschein. Sie können so erlebt werden. Das ist ein emotional sehr heilsamer Prozess.

Die Hüfte in der Schwangerschaft

Bezogen auf die Schwangerschaft spielen Hüfte und Becken gerade für die Geburt eine zentrale Rolle. Ist die Beckengregion weich und entspannt, gestaltet sich der gesamte Geburtsvorgang schon rein anatomisch um vieles angenehmer.

Doch auch auf die emotionale Seite der Geburt bereitet Dich die Arbeit mit der Hüftöffnung vor. Aus Dir heraus entsteht neues Leben und es tritt durch Dein Becken hindurch in diese Welt!

Übungsstrecke

Mit der nachfolgenden Bildstrecke wollen wir Dir einige Übungen vorstellen, mit denen Du Deine Yoga-Praxis ergänzen und einen achtsamen und liebevollen Umgang mit der Becken-Hüftregion kultivieren kannst. Es entsteht ein angenehmes und höchst wohltuendes Gefühl der Weite und Lockerheit. Genieße es!

Squat Pose

Stelle Deine Füße etwas weiter als hüftgelenksbreit auseinander, die Zehenspitzen zeigen leicht zur Seite. Beuge nun Deine Knie und setze Dich in einer tiefen Hocke ab. Achte dabei darauf, Deine Knie in die gleiche Richtung wie die Füße auszurichten.

Bringe nun die Hände vor dem Herzen zusammen und genieße die entstehende Weite in der Hüfte. Wenn es Dir angenehm ist, kannst du zusätzlich mit den Ellbogen von innen leichten Druck auf die Knie ausüben. Verweile genüsslich in der Haltung so lange es Dir angenehm ist.

Effekt: Diese Übung ist wohl der Klassiker schlechthin und fehlt deshalb vermutlich auch in keinem Geburtsvorbereitungskurs. Aus gutem Grund: Die Übung hilft, die für die Geburt nötige Weite zu entwickeln.

Gedrehte Hocke

Stütze direkt aus der vorherigen Haltung heraus Deine rechte Hand auf den Boden, die linke auf dem Knie ab. Rotiere aus der Brustwirbelsäule und blicke sanft nach oben. Atme tief in Deinen Brustraum und beobachte wie mit jedem Atemzug hier mehr Weite entsteht. Wiederhole anschließend die Übung auf der anderen Seite.

Effekt: Mit dieser Übung intensivierst Du die Dehnung im Hüft- und Beckenbereich und entwickelst zusätzlich Weite in Deinem Atemraum.

Happy Baby

Lege Dich auf dem Rücken ab und fasse mit beiden Händen die Fußaußenkanten. Beuge dabei die Beine an. Dein Oberkörper bleibt die ganze Zeit abgelegt, während Du die Füße zu Dir heranziehst und glücklich wippst oder rollst.

Effekt: Diese Übung entlastet unteren Rücken und Beckenboden und gibt Dir ein Gefühl der Lockerheit.

Nadelöhr

Lege direkt aus der vorherigen Übung heraus Deinen rechten Knöchel auf Deinen linken Oberschenkel, direkt oberhalb des Knies. Umfasse nun den linken Oberschenkel und ziehe das Bein zu Dir heran. Mit dem rechten Ellenbogen kannst Du sanft Deinen rechten Oberschenkel nach außen drücken. So intensivierst Du die Dehnung im sogenannten birnenförmigen Muskel (M. Piriformis) des rechten Beines. Verbleibe für einige Atemzüge in der Position bevor Du die Seiten wechselst.

Effekt: Diese Übung schafft einmal mehr Entspannung, Weite und Lockerheit. Zudem entlastet sie Deinen unteren Rücken.

Viel Freude beim Üben!

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