Yogatherapie

Der Sitting-Rising Test (SRT). Patrick Albus über ein einfaches Mittel für Senioren, um die eigene Fitness zu testen - zu Hause, ohne Geräte und großen Aufwand. Doch was sagt der Test konkret über unsere Gesundheit aus? Und welche Verbesserungsmaßnahmen können wir eventuell ergreifen?

Der Sitting-Rising Test – ein Gradmesser unserer Fitness?

Wenn es darum geht herauszufinden, wie gesund wir sind und wie lange wir noch zu leben haben, sind Belastungsuntersuchungen (Stresstests) wie etwa ein Belastungs-EKG beim Arzt oft das Mittel der Wahl. Wie wäre es jedoch, wenn wir unsere Lebenserwartung einfach und schnell testen könnten und das sogar noch von zu Hause aus?

Ganz so leicht ist das leider nicht. Dennoch gibt es einen simplen Test, der komplett ohne medizinisches Wissen und ohne ärztliche Betreuung zu Hause durchgeführt werden kann und der erste Aufschlüsse über die eigene Beweglichkeit und Kraft gibt. Besonders spannend ist dieser Test für die Zielgruppe zwischen 51 und 80 Jahren – aber auch für jüngere Yogis kann es eine kleine Herausforderung sein, die absolute Höchstpunktzahl zu erreichen.

Dieser einfache Test nennt sich Sitting-Rising Test (SRT). In einer Studie von Dr. Claudio Gil Araújo und Kollegen mit mehr als 2000 Patienten zeigte er sich als ein geeignetes Diagnosetool, um grundsätzliche Aufschlüsse über die körperliche Verfassung einer Person zu erhalten. Um hierbei ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen, wurden Patienten von der Studie ausgeschlossen, die Einschränkungen im Bewegungsapparat hatten und den SRT deshalb nicht ausführen konnten. Ebenso ausgeschlossen wurden Patienten, die regelmäßig an Sportwettkämpfen teilnahmen. Der Test an sich wird nicht zuletzt deshalb gerne herangezogen, weil er etwa gegenüber dem Belastungs-EKG nicht nur zeitliche Vorteile bietet, sondern dazu auch noch sehr kosteneffizient ist. Daher findet er schon seit einigen Jahren Anwendung in Arztpraxen, wie beispielsweise der von Dr. Claudio Gil Araújo.

So funktioniert der Test:

Die Patienten im Alter zwischen 51 und 80 Jahren wurden gebeten, sich aus dem aufrechten Stand auf den Boden abzusetzen und wieder aufzustehen. Dabei sollten sie sich so wenig wie möglich abstützen. Jede dieser zwei Bewegungen, also sowohl das Hinsetzen als auch das Aufstehen, kann mit einem Maximum von 5 Punkten absolviert werden. Daraus ergibt sich die im Idealfall zu erreichende Höchstpunktzahl von 10 Punkten. Diese zu erreichen hört sich zunächst einfach an, allerdings verliert man bei der Ausführung sehr schnell den ein oder anderen Punkt. So wird beispielsweise jeweils 1 Punkt für jede genutzte Unterstützung (z. B. Hand oder Knie) abgezogen. Wenn die Person bei der Bewegung insgesamt instabil wirkt, werden nochmals 0,5 Punkte abgezogen.

Ergebnisse – Was sagt mein Testresultat aus?

Über den Zeitraum der Studie sind 159 der rund 2000 Patienten verstorben, was eine Sterblichkeitsrate von 7,9 % ergibt. Der Großteil der Patienten, die verstorben sind, hatte auch ein niedriges Testergebnis zwischen 0 und 3 Punkten. Nur zwei der Verstorbenen erreichten die Maximalpunktzahl. Besonders interessant wird es, wenn man sich weniger auf die Einzelfälle konzentriert und stattdessen die Wahrscheinlichkeiten betrachtet: So haben Patienten, die im SRT weniger als 8 Punkte erreichen (also mehr als eine Hand zum Aufstehen und Absetzen brauchen), ein doppelt so hohes Risiko, in den nächsten 6 Jahren zu sterben, wie Patienten mit höheren Testergebnissen. Patienten, die insgesamt 3 Punkte oder weniger erreichen, haben sogar eine 5-6 Mal so hohe Wahrscheinlichkeit im gleichen Zeitraum zu sterben.

Das bedeutet konkret: Wenn ein Mann oder eine Frau in der untersuchten Altersgruppe in der Lage ist, sich auf den Boden zu setzen und dabei bestenfalls auf die Hilfe der Arme zu verzichten, kann man durchaus von einer überdurchschnittlichen Fitness des Haltungs- und Bewegungsapparats ausgehen. Zudem darf man rein statistisch betrachtet sogar von einer höheren Lebenserwartung im Vergleich zu Menschen, die dazu nicht fähig sind, sprechen.
 

Yoga als „lebensverlängernde Maßnahme“?

Wenn wir regelmäßig Yoga üben, dann trainieren wir neben unserer Balance, Muskelkraft und Flexibilität auch unseren Haltungs- und Bewegungsapparat. Diesen stärken wir bereits zu Beginn unserer Praxis. Schon in den Fundamentals kommen dafür wichtige Asanas vor, wie beispielsweise Padangusthasana oder Padahastasana. Dabei dehnen wir dabei sowohl die Bein-, als auch die untere Rückenmuskulatur. Üben wir Utthita Parshvakonasana, so kräftigen wir unsere Oberschenkel, Knie- und Fußgelenke.

Unser Haltungs- und Bewegungsapparat hilft uns im Alltag auch bei kleinen Aufgaben, wie beispielsweise dem Binden unserer Schuhe oder dem Bücken, um die heruntergefallene Fernbedienung unter dem Couchtisch aufzuheben. Genau darin zeigt sich, was der Tests letztendlich misst, nämlich die Kombination von Flexibilität und Muskelkraft. Keine bzw. wenig Aufschlüsse liefert der Test dagegen über die Belastbarkeit des Herz-Kreislauf-Systems. So waren beispielsweise einige der Patienten mit niedrigen Testergebnissen laut Dr. Claudio Gil Araújo durchaus in der Lage, beispielsweise mit dem Fahrrad zu Arbeit zu fahren und machten grundsätzlich einen fitten Eindruck.

Leben wir also länger, wenn wir täglich Yoga praktizieren und ein höheres Testergebnis erreichen? Diesen Schluss lässt die Studie leider nicht zu, da hier noch eine Vielzahl weiterer Faktoren eine Rolle spielt. Dennoch lohnt es sich mit Sicherheit, daran zu arbeiten, auch im Alter unsere Kraft und Flexibilität aufrecht zu erhalten und damit beispielsweise auch unser Risiko, uns durch einen Sturz zu verletzen, zu verringern. Welche schönere „Präventions-Maßnahme“ gäbe es da als die bewegte Meditation, die nicht nur unseren Körper kräftigt, sondern auch unseren Geist in Balance bringt?

Die Originalstudie findest du hier:

Der Sitting-Rising Test in der Praxis

Du bist neugierig geworden? Dann probiere den Sitting-Rising Test doch einfach einmal selbst aus. Es empfiehlt sich, den Test zu zweit durchzuführen und ausreichend Platz zu haben, falls man doch das Gleichgewicht verlieren sollte.

Sich von den Verbesserungen motivieren lassen.

Letztendlich stellt der SRT wie bereits erwähnt natürlich keine vollständige Diagnose über den individuellen Fitnesszustand einer Person dar und ist lediglich ein Indikator unter vielen. Ebenso ist ein niedriges Testergebnis nicht automatisch gleichzusetzen mit einem akuten Sterberisiko. Dennoch können wir das Ergebnis durch gezieltes Üben selbst beeinflussen und durch Verbesserungen einen positiven Effekt auf unsere Haltung, Flexibilität und Balance erzielen. Um zu dieser Regelmäßigkeit des Übens zu gelangen, kann der SRT durchaus einen Impuls zu geben, uns selbst und unsere Gesundheit in Zukunft ernster zu nehmen.

Du hast den Test für Dich ausprobiert, danach vielleicht angefangen, intensiver zu üben und spürst jetzt die ersten Veränderungen? In diesem Fall würden wir uns sehr über eine Rückmeldung freuen!
Melde Dich auf AshtangaYoga.info an und schreibe eine Nachricht, oder schicke Deine Erfahrungen gerne an redaktion@ayi.info – wir sind gespannt auf Deinen Erfahrungsbericht!

 

1 Nachricht

  • elke luedert

    am 09.07.2017

    Ich habe den sitting rising test gerade ausprobiert- auf glattem Parkettboden keine Chance, aber auf Teppich geht es gut – nehme einfach im Sitzen dann einen Schneidersitz ein und rolle beim Aufstehen [...] Ich habe den sitting rising test gerade ausprobiert- auf glattem Parkettboden keine Chance, aber auf Teppich geht es gut – nehme einfach im Sitzen dann einen Schneidersitz ein und rolle beim Aufstehen von Fußaußenkanten nach Fußinnenkanten und stehe auf
    Bin 57 Jahre alt, praktiziere Yoga seit langem. Gruß, Elke

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