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Yoga Sutra

Das zweite Kapitel das Yoga Sutra nach Patanjali liefert Anweisungen für die Übungs-Praxis - Sadhana Pada.

Sadhana-Pada

Satz 5

anitya-ashuchi-duhkha-anatmasu nitya-shuchi-sukha-atmakhyatir-avidya ||5||

अनित्याअशुचिदुःखानात्मसु नित्यशुचिसुखाअत्मख्यातिरविद्या ॥५॥

anityā-aśuci-duḥkha-anātmasu nitya-śuci-sukha-ātmakhyātir-avidyā ॥5॥

Vergängliches mit Ewigem, Unreines mit Reinem, Leidbringendes mit Freudvollem, das Vergängliche des Menschen mit dem unveränderlichen Kern zu verwechseln, wird Mangel an Erkenntnisfähigkeit (Avidya) genannt. ||5||


anitya = Vergängliches, Unbeständiges
aśuci = Unreines, nicht Sauberes,
duḥkha = Schmerz, Leid, Elend
an = nicht
ātma = das wahre Selbst
anātma = das nicht wahre Selbst, also das wandelbare Chitta
nitya = Beständiges, Ewiges
śuci = Reines, Sauberes
sukha = Glück, Glück bringend
ātma = das wahre Selbst, Drashtu
khyāti = Erkennen, Wissen, Bewusstsein
avidyā = Unwissen, Verwechslung, Mangel an Erkenntnisfähigkeit

Das Unwichtige vom Wichtigen zu unterscheiden ist für uns Menschen oft schwierig. Wir wollen so viel und denken dabei oft nicht darüber nach, was gut für uns ist und wo es uns hinführt.

Ich erinnere mich an eine Zeit, in der ich für gewöhnlich nach der Schule eine Comedy- Serie im Fernsehen verfolgte. Ich nahm an, ich könnte so am besten entspannen und mich auf meine Arbeiten am Nachmittag vorbereiten. Es dauerte eine Weile bis ich begriff, dass Fernsehen das Gehirn mit Reizen überflutet und ich Lerninhalte schneller vergesse. Das Fernsehen entzog mir Energie anstatt mir bei der Entspannung zu helfen. – Ich erkannte meine Verwechslung und beschloss, meine Zeit mit den Dingen zu verbringen, die mir wirklich Freude bereiteten. Nach der Schule half mir eine kleine Yoga-Praxis besser, mich zu entspannen. Meine Hausaufgaben gingen anschließend mit mehr Konzentration und Freude von der Hand.

Immer wieder ist es mir wichtig, Prioritäten zu setzen. Was will ich wirklich und wohin bringt es mich? Wir können in unserem Leben nicht alles haben. Entscheidungen gehören daher zu unserem Leben. Was ist nebensächlich, was ist wesentlich? Durch Achtsamkeit und Selbststudium können wir hier die Schleier von lüften und erkennen, was uns wirklich gut tut. Pauschale Antworten sind hier nicht möglich, denn was für den einen stimmig ist, kann für den anderen falsch sein.

Auch im Umgang mit anderen Menschen fallen wir oft der Täuschung von Avidyā zum Opfer. Wir ziehen voreilige Schlüsse anderen Menschen gegenüber, nur weil wir deren Beweggründe nicht kennen und es uns an Erkenntnisfähigkeit mangelt. „Du kannst jemanden erst verstehen, wenn du in seinen Mokassins gelaufen bist“, sagt ein Indianersprichwort.

Wann immer ich mich über einen anderen Menschen ärgere, so besinne ich mich auf mein Avidyā. Ich versuche zu verstehen, anstatt zu urteilen. Dann kann ich mich im Anderen wiedererkennen. Ich glaube, dass alles was uns am anderen Menschen stört, uns nur deshalb auffällt, weil wir in Resonanz dazu gehen. Das bedeutet, dass wir den gleichen oder einen ähnlichen „Fehler“, den wir beim anderen erkennen, selbst auch in uns tragen. Darum ärgern wir uns nicht so sehr über den anderen Menschen, sondern vielmehr über uns selbst. So hält uns jeder Mensch einen Spiegel vor, mit dem wir viel über uns selbst lernen können. Seit ich die Interaktionen mit meinen Mitmenschen unter diesem Gesichtspunkt beobachte, kann ich mein Gegenüber besser verstehen. Ich muss nicht erst in die „Mokassins“ des anderen schlüpfen, sondern ich laufe bereits mit ihnen.