Yoga Sutra

Das zweite Kapitel das Yoga Sutra nach Patanjali liefert Anweisungen für die Übungs-Praxis - Sadhana Pada.

Sadhana-Pada

Satz 30

ahinsa-satya-asteya brahmacharya-aparigrahah yamah ||30||

अहिंसासत्यास्तेय ब्रह्मचर्यापरिग्रहाः यमाः ॥३०॥

ahiṁsā-satya-asteya brahmacarya-aparigrahāḥ yamāḥ ॥30॥

Nicht verletzen (Ahimsa), Wahrhaftigkeit (Satya), nicht stehlen (Asteya), handeln im Bewusstsein eines höheren Ideals (Brahma-Charya) und Unbestechlichkeit (Aparigraha), begründet die Achtung gegenüber den Mitmenschen (Yama). ||30||


ahiṁsā = nicht verletzen, Gewaltlosigkeit
satya = Wahrhaftigkeit, die Wahrheit sagen, nicht lügen
asteya = nicht stehlen
brahma = Gott, ein höheres Ideal
carya = wandeln in
brahmacarya = Wandeln im Bewusstsein eines höheren Ideals, im Bewusstsein Gottes handeln, Mönch-Sein, das Zölibat leben, Enthaltsamkeit
aparigrahāḥ = (nom. von aparigrahā) Unbestechlichkeit, nicht Horten, Anspruchslosigkeit
yamāḥ = (nom. von yamā) Regeln im Umgang mit anderen

Yama

Die erste Stufe auf dem Pfad zum Yoga beginnt mit Yama. Yama kann als „Achtung deinen Mitmenschen gegenüber“ oder „Regeln im Umgang mit anderen“ übersetzt werden. Ein achtsamer Umgang mit den Mitmenschen ist die Grundlage für jeden spirituellen Weg. Solange man damit nicht im Reinen ist, wird man durch zwischenmenschliche Schwierigkeiten den nötigen Fokus für eine spirituelle Praxis nicht finden können. Ständig wird die Aufmerksamkeit auf diese Probleme, Sorgen und Ängste gezogen werden. Zusätzlich ist Yama auch ein wichtiger Selbstschutz. Durch die Yoga-Praxis entstehen sehr bald übernatürliche Kräfte, Siddhiḥ genannt, beginnend bei einfachen körperlichen Siddhiḥ. Der Praktizierende kann mit seiner Physis scheinbar Unmögliches erreichen. Schreitest du mit deiner Praxis fort, werden sich die Siddhiḥ auch auf Energien, Emotionen und Gedanken ausweiten. Je länger du praktizierst, desto stärker werden diese Kräfte. Sehr leicht wird man hier vom eigentlichen Ziel des Yoga abgelenkt. Man setzt die gewonnenen Fähigkeiten vielleicht ein, um andere Menschen zu manipulieren und sich persönliche Vorteile zu verschaffen. Nur die Verwurzelung in Yama kann das Verlassen des Pfades verhindern.

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