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Yoga Sutra

Das zweite Kapitel das Yoga Sutra nach Patanjali liefert Anweisungen für die Übungs-Praxis - Sadhana Pada.

Sadhana-Pada

Satz 18

prakasha-kriya-sthiti-shilam bhutendriya-atmakam bhoga-apavarga-artham drishyam ||18||

प्रकाशक्रियास्थितिशीलं भूतेन्द्रियाअत्मकं भोगापवर्गार्थं दृश्यम् ॥१८॥

prakāśa-kriyā-sthiti-śīlaṁ bhūtendriya-ātmakaṁ bhoga-apavarga-arthaṁ dr̥śyam ॥18॥

Objekte und Situationen in der physischen Welt haben die Eigenschaft rein / Sattva (Prakasha), unruhig / Rajas (Kriya) oder träge / Tamas (Sthiti) zu sein, sie sind physisch (Bhuuta) oder feinstofflich (Indriya), führen zu kurzzeitigem Genuss (Bhoga) oder langfristiger Erlösung. ||18||


prakāśa = Leuchten, Reinheit, Licht, Sattva
kriyā = Handlung, Aktivität, Rajas
sthiti = Stetigkeit, Trägheit, Tamas
śīla = Eigenschaften
bhūta = fünf Elemente, grobstofflich, physisch
indriya = Sinnesorgane, Wahrnehmungsorgane, Sinne, feinstofflich
ātmakaṁ = derart, seiend
bhoga = Genuss, Vergnügen
apavarga = Befreiung, Erfüllung, Erlösung
arthaṁ = Zweck, Sinn, Ziel
dr̥śyam = das Gesehene, das Wahrnehmbare, Objekte

Die drei Gunas

Patanjali lehnt sich hier an die Samkhya-Philosophie an. Die gesamte Materie besteht aus drei sich komplementär ergänzenden Grundeigenschaften - den drei Gunas. Die Gunas sind in ständigem Wandel begriffen und damit Ursache für Leiden.

  • Rajas - die Unruhe: Das Prinzip von Wandlung und Dynamik. Ist Rajas zu stark entsteht Zorn oder Hektik
  • Tamas - die Trägheit: Das Prinzip der Beständiigkeit und Ruhe. Ist Tamas zu stark verfallen wir in einen Zustand von Stumpfsinn.
  • Sattva - das Ausgewogene: Ein Zustand von Klarheit und Reinheit.

Die drei Gunas - verkannt im Yoga

Die drei Gunas werden von vielen Yogapraktizierenden verkannt. Sie glauben das Ziel des Yoga wäre es den Zustand von Sattva, der Reinheit zu erreichen. Dabei vergessen sie, dass Rajas, Tamas und Sattva in ständigem Wandel verbunden sind. Jede Anhaftung an einen der drei Zustände führt zu Leiden.

Es ist wie das Flechten eines Zopfes. Die drei Stränge bekommen wechselweise nach oben. Vielleicht haben wir ein Ziel - die innere Harmonie. Wenn wir dieses Ziel anstreben sind wir schon in einem Zustand von Rajas - Dynamik. Erst wenn wir den Versuch das Ziel der inneren Harmonie zu erreichen aufgeben können wir uns vom Rajas lösen und den Sattva-Zustand innerer Harmonie erreichen. Doch dieser wird nicht lange andauern. Allzuleicht verfallen wir in einen Zustand von Zufriedenheit und die Trägheit des Tamas ist nicht weit.

Erst wenn wir unsere Grundeigenschaften der Gunas nicht zu ernst nehmen und uns davon lösen können wir dauerhaft den Zustand innerer Harmonie erreichen und behalten.