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Yoga Sutra

Das zweite Kapitel das Yoga Sutra nach Patanjali liefert Anweisungen für die Übungs-Praxis - Sadhana Pada.

Sadhana-Pada

Satz 54

svavishaya-asamprayoge chittasya svarupanukara-iv-endriyanam pratyaharah ||54||

स्वविषयासंप्रयोगे चित्तस्य स्वरूपानुकारैवेन्द्रियाणां प्रत्याहारः ॥५४॥

svaviṣaya-asaṁprayoge cittasya svarūpānukāra-iv-endriyāṇāṁ pratyāhāraḥ ॥54॥

Wenn die Sinne sich nicht mit den äußeren Objekten verbinden, und so die wandelbare Natur des Menschen (Chitta) der wahren Natur ähnlich wird, wird Harmonie mit den Emotionen (Pratyaahara) erreicht. ||54||


sva = (iic.) eigen, sein
viṣaya = (iic.) Objekt, Gegenstand
a = nicht
saṁprayoge = in Berührung kommen, Zusammenkommen, Vereinen
cittasya = (g. sg. m. / g. sg. n. von citta) alles Wandelbare des Menschen, Geist, Verstand
sva = (iic.) eigen
rūpa = (iic.) Form
svarūpa = (iic.) eigene Form, eigene Natur
anukāra = (nom. sg. f.) nachahmen, annehmen, übernehmen
eva = (prep.) als ob, wie
indriyāṇām = (g. pl. m. / g. pl. n. von indriya) durch die Sinne, mit den Wahrnehmungsorganen
pratyāhāraḥ = (nom. sg. m. von pratyāhāra) Abstraktion, Zurückziehen, wörtlich: Fasten mit den Sinnen, Harmonie mit den Emotionen, Harmonie mit dem Emotionalkörper,

Pratyāhāra

Pratyāhāra heißt wörtlich übersetzt: das Fasten. Dieses Fasten bezieht sich nicht auf die Nahrungsaufnahme, sondern auf die Sinne als Ganzes. Für den Yogi stehen die Sinne mit den Emotionen in Verbindung. Pratyāhāra geht folglich den logischen nächsten Schritt nach Prāṇāyāma. Von der Arbeit mit den Energien kommen wir nun zur Arbeit mit den Emotionen. Harmonie mit den Emotionen zu erreichen, ist noch etwas schwieriger als Harmonie mit der Physis oder der Energie. Auch wenn der Körper schon beherrscht wird und die Energien kontrolliert werden, sind die Emotionen oft noch ungezügelt: Nur weil jemand auf dem Kopf stehen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass er ein emotional ausgeglichener Mensch ist. Emotionale Harmonie ist weit schwerer zu erreichen als die körperliche.
Auch dieser nächste Schritt des Pratyāhāra ist im Aṣṭāṅga Yoga harmonisch in die Āsana-Vinyāsa Praxis integriert. Pratyāhāra~v2u~ beginnt bei dem Blick (~v2u~Ḍr̥ṣti), denn der Blick ist der Sinn, den wir am leichtesten lenken können. Mit der Zeit können wir lernen, all unsere Sinne in der Praxis zu versenken und bekommen so sukzessive Zugang zu unseren Emotionen. Schließlich stellt sich emotionale Harmonie ein.

Auch hier gibt es für besonders enthusiastische Yogī[s] noch einige weitere Techniken, die zusätzlich zur Āsana-Vinyāsa Praxis, meist sitzend, ausgeführt werden können.