Nach der Geburt steht das Beckenbodentraining bei den meisten bereits auf der ToDo-Liste. Doch davor? Erfahre, warum es sich lohnt, dieses schon während der Schwangerschaft in Deine Yoga-Praxis einzubauen...

Inspirationen für die Praxis

Das Leben tragen und zur Welt bringen

Der Beckenboden gibt dem Kind während der Geburt den Weg in diese Welt frei. Das ist die Zeit, in der er ganz loslassen sollte. Denn ein verkrampfter Beckenboden kann hier zum Hindernis werden, einreißen und so langfristig der Frau Schwierigkeiten bereiten. Daher ist es wichtig, schon in der Schwangerschaft zu lernen bewusst den Beckenboden loszulassen.

Doch Achtung! Auch ein ausgeleierter Beckenboden reißt während der Geburt öfter ein, denn die Muskeln sind dann nicht ausreichend durchblutet. Wenn nun der Kopf des Kindes von Innen gegen den Beckenboden schiebt, wird der Druck nicht mehr harmonisch abgefedert und verteilt. Von daher lohnt es sich also durchaus, nicht nur das Loslassen zu trainieren, sondern den Beckenboden in der Schwangerschaft auch zu kräftigen. So verbessert sich die Durchblutung und die Muskulatur ist besser in der Lage, den Weg für das Kind koordiniert freizugeben.

Mit Hilfe gezielter Übungen kannst Du auf einfache Weise die beiden zentralen Funktionen des Beckenbodens trainieren. Also zum einen Weite geben und zum anderen koordiniert loslassen.

Dynamischer Halt und Stabilität

Im Verlauf der Schwangerschaft hat der Beckenboden darüber hinaus noch eine ganz andere Aufgabe: Während der Bauch an Umfang zunimmt, wird es für die Bauchmuskeln zunehmend schwerer, den Rumpf zu stabilisieren. Das ist gleichzeitig ein Grund dafür, warum so viele Schwangere unter Rückenschmerzen leiden. Ein gesunder Beckenboden stützt dagegen von unten die Wirbelsäule, gibt von innen heraus Halt und verringert so die Wahrscheinlichkeit von Rückenschmerzen.

Hinzu kommt, dass das Gewicht des Kindes die meiste Zeit des Tages auf dem Beckenboden ruht. Jeder Schritt und jedes Husten erhöht dabei den noch Druck weiter. Hier ist es wichtig, dass der Beckenboden dynamisch das Gewicht des Bauchraumes abfedern kann.

Auch diese beiden Funktionen – Halt geben und Abfedern – sind wesentlich während der Schwangerschaft.

Vier Aufgaben

Weite geben, koordiniert Loslassen, Halt geben und Abfedern. Auf den ersten Blick scheint es nahezu unmöglich, diese vier Aufgaben zu vereinen. Doch die gute Nachricht ist, dass die Hormone Dich dabei unterstützen, denn der Beckenboden wird ganz natürlich weich. Bist Du gleichzeitig sportlich aktiv, wird der Beckenboden dennoch seine Kraft bewahren.

Mit etwas Übung wird es Dir gelingen, den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung bewusst zu erleben. Das ist die beste Vorraussetzung für einen gesunden Beckenboden in der Schwangerschaft und während der Geburt.

Die nachfolgende Übungsstrecke unterstützt Deinen Beckenboden. So wird er diese vier Aufgaben mühelos meistern.

Faszien-Massage

Lege beide Hände an den unteren Rücken im Bereich des Iliosakralgelenks und beginne, mit sanftem Druck Deine Handflächen wechselweise auf- und abzureiben. Erhöhe schrittweise den Druck und setze die Übung fort, bis sich eine angenehme Wärme einstellt.

Effekt: Mit dieser Übung hältst Du die Faszien im Bereich des Kreuzbein-Darmbein Gelenkes (Sacroiliakalgelenk) geschmeidig und flexibel. Insbesondere bei der Geburt profitierst Du von einer gesunden Faszie, da das Gelenk hier mitgehen muss.

Beckenkippung und Aufrichtung

Lehne Dich mit dem Rücken gegen eine Wand oder eine Säule. Beginne nun, in einem für Dich angenehmen Tempo das Becken aufzurichten und wieder zu kippen. Beobachte, wie sich ganz natürlich ein für Dich gerade individuell stimmiges Zusammenspiel von Atem und Bewegung ergibt. Finde so schrittweise immer mehr Deine Mitte.

Effekt: Mit dieser Haltung erarbeitest Du Dir nicht nur eine aufrechte und gesunde Körperhaltung, sondern bringst gleichzeitig auch noch Deinen Beckenboden in Aktion. Er lernt anzuspannen und loszulassen.

Mula Bandha Praxis

Komme in eine für Dich angenehme Sitzposition – wahlweise auf dem Boden oder auf einem Stuhl. Wichtig ist, dass Deine Wirbelsäule entspannt und sich dennoch aufrecht in ihrem natürlichen S-förmigen Schwung nach oben richtet.

Lege nun eine Hand unter den Beckenboden. Links und rechts von Deiner Handkante spürst Du Deine Sitzhöcker (Tuber Ischiatdcum). Vorne, an Deiner Handwurzel, liegt das Schambein (Os Pubis). Mit den Fingerspitzen berührst Du Dein Steißbein (Os Coccygis).

Ziehe nun Schambein und Steißbein bewusst aufeinander zu, ohne dabei Spannung zwischen Deinen Sitzhöckern aufzubauen. Diese Übung aktiviert die tiefe Schicht Deines Beckenbodens (Diaphragma Pelvis). Lasse in einem angenehmen Rhythmus wieder los und spanne erneut an, bis Du ein Gefühl für diese Muskulatur entwickelst.

Ziehe anschließend Deine Sitzhöcker aufeinander zu, diesmal ohne Spannung zwischen Schambein und Steißbein zu entwickeln. Erforsche auch diese mittlere Schicht Deines Beckenbodens (Diaphragma Urogenitale) wechselweise anspannend und loslassend. Spiele auch mit dieser Schicht Deines Beckenbodens bis Du ein Gefühl für sie entwickelt hast.

Effekt: Mit dieser Übung entwickelst Du ein Bewusstsein für Deinen Beckenboden. Gleichzeitig lernst Du, die Muskulatur in diesem Bereich nicht nur gezielt anzuspannen, sondern auch bewusst locker zu lassen.

Schulterstandbrücke

Lege Dich in Rückenlage auf dem Boden ab. Wandere nun mit den Füßen etwa so weit zum Körper heran, bis Du mit den Fingerspitzen die Fersen berühren kannst. Dein Gewicht ruht auf den Füßen und Schultern, der Nacken ist entlastet.

Drücke dann Deine Handflächen sanft in den Boden und hebe mit Deiner nächsten Einatmung Dein Becken weit nach oben an. Bleibe für einige Atemzüge in dieser Position bevor Du Dich Wirbel für Wirbel wieder ablegst. Wiederhole diese Übung wenn es Dir angenehm ist nach einer kurzen Erholungspause.

Effekt: Mit dieser Übung entlastest Du den Beckenboden. Zudem gibst Du Deinem Baby die Gelegenheit, in eine andere Position zu gelangen und sich zu drehen. Dies ist wichtig, damit das Kind überhaupt die Chance hat, in die richtige Geburtslage zu kommen.

Viel Freude beim Üben!

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