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chaturthah kaivalya-padah
चतुर्थः कैवल्यपादः
caturthaḥ kaivalya-pādaḥ

caturthaḥNominativ Singular
caturthaSubstantiv Maskulin
das Vierte
kaivalyaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
kaivalyaSubstantiv Neutrum
Befreiung, innere Freiheit, vollständige Isolation
kayivalyaWortbildung
kevalaAdjektiv
vollständige Isolation, absolute Glückseligkeit
kevalaAdjektivpur, ausschließlich eigen, allein
pādaḥNominativ Singular
pādaSubstantiv Maskulin
Kapitel

Das vierte Kapitel: Über innere Freiheit (kayifalya)

Dr. Ronald Steiner

janmaushadhi-mantra-tapah-samadhi-jah siddhayah ||1||
जन्मौषधिमन्त्रतपःसमाधिजाः सिद्धयः ॥१॥
janmauṣadhi-mantra-tapaḥ-samādhi-jāḥ siddhayaḥ ॥1॥

janmaDvandva-Kompositum
janmanSubstantiv Neutrum
Geburt
janman
janVerb
Geburt, Herkunft
janVerbzeugen, gebären, erzeugen, hervorbringen
oṣadhiDvandva-Kompositum
oṣadhiSubstantiv Feminin
und Heilkraut
oṣadhiSubstantiv FemininHeilkraut, Kraut
mantraDvandva-Kompositum
mantraSubstantiv Maskulin
und heiliger Spruch
mantra
manVerbtraSuffix
Mantra, heiliger Spruch
manVerbmeinen, glauben, sich einbilden
traSuffixKr̥t-Suffix: bezeichnet Mittel/Instrument einer Handlung, drückt Instrumentalisierung aus
tapasDvandva-Kompositum
tapasSubstantiv Neutrum
und Askese
tapas
tapVerb
Askese, Wärme, Hitze
tapVerberwärmen, erhitzen, glühend machen
samādhiTatpuruṣa-Kompositum Ablativ
samādhiSubstantiv Maskulin
und aus vollständiger Erkenntnis,
samādhi
samPräfixādhiSubstantiv Maskulin
Zusammensetzung, Verbindung, Erleuchtungszustand
samPräfixzusammen, mit, völlig
ādhi
āPräfixdhāVerb
Standort, Lage; Gedanken, Sorgen
āPräfixhin zu, nahe bei
dhāVerbsetzen, stellen, legen
jāḥNominativ Plural
Substantiv Feminin
entstehen durch
janVerb
entstehen durch / geboren werden aus - am Ende eines Kompositums
janVerbentstehen
siddhayaḥNominativ Plural
siddhiSubstantiv Feminin
die ungewöhnlichen Fähigkeiten
siddhi
sidhVerb
das Gelingen, glücklicher Erfolg, übernatürliche Fähigkeiten
sidhVerbscheuchen, treiben, vertreiben

Ungewöhnliche Fähigkeiten (siddhi) entstehen von Geburt aus (janma), durch Heilkräuter (oṣadhi), durch heilige Sprüche (mantra), durch Askese (tapas) und durch Zustände vollständige Erkenntnis (samadhi).

Dr. Ronald Steiner


Die übernatürlichen Vollkommenheiten können beruhen auf Angeborensein, Heilkräutern, Zaubersprüchen, Askese und Versenkung. [Das letzte ist der Fall beim Yogin.]

Paul Deussen - 1921


Perfection are produced by birth, herbs (of mysterious virtue) incantations, penances and meditations.

James R. Ballantyne - 1852

jaty-antara-parinamah prakrity-apurat ||2||
जात्यन्तरपरिणामः प्रकृत्यापूरात् ॥२॥
jāty-antara-pariṇāmaḥ prakr̥ty-āpūrāt ॥2॥

jātiKarmadhāraya-Kompositum
jātiSubstantiv Feminin
Geburt, Lebensform
jāti
janVerb
Geburt
janVerbentstehen
antaraTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
antaraAdjektiv
in eine andere
antaraAdjektivandere
pariṇāmaḥNominativ Singular
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung
pariṇāmaWortbildung
pariPräfixnamVerb
Umwandlung, Wandlungszustand, Wandlung
pariPräfixum herum
namVerbsich beugen, sich verneigen vor
prakr̥tiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
prakr̥tiSubstantiv Feminin
der Urnatur
prakr̥tiWortbildung
praPräfixkr̥Verb
Urnatur
praPräfixvorwärts, hervor
kr̥Verbmachen, vollbringen, ausführen, bewirken
āpūrātAblativ Singular
āpūraSubstantiv Maskulin
aus der Fülle
āpūraSubstantiv Maskulin
āparVerb
Fülle, Flut, Menge
āparVerb
āPräfix Partikel |v
füllen
āPräfixnahe, hin
parver-füllen, sättigen, nähren

Der Wandel (pariṇāma) in eine andere Lebensform (jāti) [entsteht] aus der Fülle der Urnatur (prakr̥ti)x.

Dr. Ronald Steiner

x:Was ist eine Lebensform (jāti)?

A) Ein neues Lebewesen das aus den Bestandteilen der Natur gebildet wird.
B) Eine neue Lebensstufe in die wir eingehen, z.B. von einem Kind zu einem Erwachsenen.

Viele Kommentatoren (insbesondere Vyāsa) legen die erste Antwort nahe.


Dabei entspringt seine Umwandlung in eine andere Geburt [möglicherweise: in eine andere Kaste] aus einer Überfülle seiner eigenen Natur.

Paul Deussen - 1921


The change into another class is from the supply of nature.

James R. Ballantyne - 1852

nimittam-aprayojakam prakritinam varana-bhedas-tu tatah ksetrikavat ||3||
निमित्तमप्रयोजकं प्रकृतीनां वरणभेदस्तु ततः क्षेत्रिकवत् ॥३॥
nimittam-aprayojakaṁ prakr̥tīnāṁ varaṇa-bhedas-tu tataḥ kṣetrikavat ॥3॥

nimittamNominativ Singular
nimittaSubstantiv Neutrum
Basis, Ursache, Grund, das Bestimmende; In Saṁkhya-Philosophie: Werk früherer Geburten, vorherige Handeln
aprayojakamNeutrum Nominativ Singular
aprayojakaAdjektiv
nicht impulsgebend
aprayojaka
aPräfixpraPräfixyujVerb
nicht verursachend, nicht bestimmend
aPräfixverneinung
praPräfixvorwärts, hervor
yujVerbvorbereiten, anschirren, anspannen
prakr̥tīnāmGenitiv Plural
prakr̥tiSubstantiv Feminin
für die Urnaturen
parakr̥ti
praPräfixkr̥Verb
Urnatur
praPräfixvorwärts, hervor
kr̥Verbmachen, vollbringen, ausführen, bewirken
varaṇaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
varaṇaSubstantiv Maskulin
Damm
varaṇa
vr̥Verb
Damm
vr̥Verbverhüllen, bedecken, umschließen
bhedaḥNominativ Singular
bhedaSubstantiv Maskulin
Durchbrechung
bheda
bhidVerb
Durchbrechung, Einbruch, Bersten
bhidVerbspalten, einbrechen
tu
tuPartikel
aber
tataḥ
tatasPartikel
darum, daher, deshalb
kṣetrikavatNominativ Singular
kṣetrikaSubstantiv MaskulinvatSuffix
wie ein Bauer
kṣetrikavat
kṣetrikaSubstantiv MaskulinvatSuffix
wie ein Bauer
kṣetrika
kṣetraSubstantiv Neutrum
der Besitzer eines Feldes
kṣetra
kṣiVerbtraSuffix
Grund und Boden, Feld, Ort
kṣiVerbweilen, sich aufhalten, wohnen
traSuffixKr̥t-Suffix: bezeichnet Mittel/Instrument einer Handlung, drückt Instrumentalisierung aus
vatSuffixals Hinterglied von adverbiellen Komposita: wie, in der Weise

Für [diesen Wandel (pariṇāma)] der Urnatur (prakr̥ti) [in eine neue Lebensform (jāti) ist] das vorherige Handeln (nimitta) nicht impulsgebend (aprayojaka). Vielmehr [ist es das Nimitta das,] wie ein Bauer, der den Damm [zur Bewässerung seiner Felder] durchbricht x.

Dr. Ronald Steiner

x:Woher kommt der Impuls für das Entstehen dieser neuen Lebensformen?

A) Ist es ein Yogi, der durch seine übernatürlichen Kräfte (siddhi) die Urnatur (prakr̥ti) wie ein Bauer beeinflusst, und so neuen Lebensformen eine Richtung gibt. Diese neuen Lebensformen entstehen also nicht basierend auf vorhergegangenem Handeln, denn sie entstehen ja neu.
B) Ist es ein schaffender Gott. Daher entstehen diese Lebensformen nicht aus dem vorherigen Handeln eines vorherigen Wesens.
C) Oder ist der Wandel in neue Lebensformen oder Lebensphasen eine natürliche Eigenschaft der Urnatur (prakr̥ti). Der Yogi kann jedoch den Lauf der Veränderung wie ein Bauer, der sein Feld bewässert, mit beeinflussen.

Wieder scheinen die frühe Kommentatoren (insbesondere Vyāsa) die erste interpretation nahezulegen. Ein Yogi kann also durch seine übernatürlichen Kräfte (siddhi) immer wieder neue Formen annehmen. Er kann sich in der Gestalt eines Tieres zeigen und so auch dessen Fertigkeiten haben, er kann sogar an mehreren Orten in verschiedenen Gestalten gleichzeitig auftreten.


Hingegen sind für die [schöpferisch sich betätigenden] Naturen [der Yogin’s] ihr nimittam (ihre Werke in einem frühern Dasein) nicht das Bewirkende, doch kann es mitbehilflich sein zur Durchbrechung der Hindernisse, wie bei dem [das Feld bewässernden] Bauern.

Paul Deussen - 1921


The occasional is the non-efficient cause of natures thereby there is removal of obscurations, in the case of a husbandman (who removes impediments to the irrigation of his fields).

James R. Ballantyne - 1852

nirmana-chittany-asmitamatrat||4||
निर्माणचित्तान्यस्मितामात्रात्॥४॥
nirmāṇa-cittāny-asmitāmātrāt॥4॥

nirmāṇaKarmadhāraya-Kompositum
nirmāṇaSubstantiv Neutrum
Bildung, Schöpfung, Werk
nirmāṇa
nisPräfixVerb
Messung, Maß, Strecke, das Bilden, das Schaffen
nisPräfixaus, heraus
Verbmessen, abmessen, ausmessn
cittāniNominativ Plural
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
Denken, Vorstellung, Gedanke, Herz, Gemüt, Geist, Wahrnehmungsraum
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
asmitāmātrātAblativ Singular
asmitāmātraSubstantiv Neutrum
allein aus dem Ich-Bewusstsein
asmitāmātra
asmitāSubstantiv FemininmātraSuffix
das Ich-Bewusstsein allein
asmitā
asmiSuffix
Ichbinsein, Selbstsucht
asmi1. Person Singular
asVerb
ich bin
asVerbsein
SuffixNomen Abstraktum: xy-haft
mātraSuffixNomen Abstraktum: kein Unterschied zum Wort, nur, allein

Alleine aus dem Ich-Bewusstsein (asmitā) [ist die] Bildung von [neuen] Wahrnehmungsräumen (citta)[, in den neuen Lebensformen, bedingt]x.

Dr. Ronald Steiner

x:Wie bekommen diese neuen Lebensformen einen eigenen Wahrnehmungsraum?

A) Das Ich-Bewusstsein (asmitā) des durch seine übernatürlichen Kräfte (siddhi) die neue Lebensform schaffenden Yogis bedingt die Bildung eines neuen Wahrnehmungsraum (citta).
B) Glauben wir an einen schaffenden Gott, so könnte dieser Satz auf das Ich-Bewusstsein (asmitā) des schaffenden Gottes hinweisen.
C) Oder wir sehen es als einen ganz natürlichen Vorgang der Uranatur (prakr̥ti), dass in jeder neuen Lebensform auch ein eigenes Ich-Bewusstsein (~i~asmitaa~) entsteht. Sobald solche ein Ego existiert, bildet sich auch ein individueller Standpunkt die Umwelt zu betrachten und damit ein individueller Wahrnehmungrsraum (citta).

Wieder scheinen frühe Kommentatoren (insbesondere Vyāsa) die erste Deutung nahezulegen. Die vom Yogi durch seine übernatürlichen Fertigkeiten (siddhi) erschaffenen Lebensformen haben also einen eigenen Wahrnehmungraum (citta).


Die [vom Yogin bei Vervielfältigung seines Leibes] geschaffenen Citta’s entspringen nur aus seiner Ichwesenheit.

Paul Deussen - 1921


The minds in the productions (ensue) from mere egotism.

James R. Ballantyne - 1852

pravritti-bhede prayojakam chittam-ekam-anekesham ||5||
प्रवृत्तिभेदे प्रयोजकं चित्तमेकमनेकेषाम् ॥५॥
pravr̥tti-bhede prayojakaṁ cittam-ekam-anekeṣām ॥5॥

pravr̥ttiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
pravr̥ttiSubstantiv Feminin
Bestrebe, vorantreibende Denken
pravr̥tti
praPräfixvr̥ttiSubstantiv Feminin
das Fortschreiten, Fortgang, Funktion, Bestreben
vr̥tti
vr̥tVerb
das Rollen, im Yoga Sutra: Denken
praPräfixvorwärts, hervor
vr̥tVerbsich drehen, rollen,
bhedeLokativ Singular / Lokativ absl
bhedaSubstantiv Maskulin
aus der Trennung
bheda
bhidVerb
Durchbrechung, Einbruch, Bersten
bhidVerbspalten, einbrechen
prayojakamNeutrum Nominativ Singular
prayojakaAdjektiv
antreibend
paryojaka
praPräfixyujVerb
verursachend
praPräfixvorwärts, hervor
yujVerbvorbereiten, anschirren, anspannen
cittamNominativ Singular
cittaSubstantiv Neutrum
der Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
Denken, Vorstellung, Gedanke, Herz, Gemüt, Geist, Wahrnehmungsraum
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
ekamNominativ Singular
ekaZahlwort
einer
anekeṣāmGenitiv Plural
anekaAdjektiv
von vielen
aneka
anPräfixekaZahlwort
viele
anPräfixVerneinung
ekaZahlworteins

A & B: In den getrennten (bhede) Bestrebungen (pravr̥tti)[, der vielen Lebensformen, bleibt] der eine [verursachende] Wahrnehmungsraum (citta) der Antreibende der vielen [neu erschaffenen Wahrnehmungsräume (citta).

Dr. Ronald Steiner

C: Solange [diese] Trennung des Bestrebens (pravr̥tti)[, der vielen Lebensformen besteht, bleibt auch der stets] antreibende Wahrnehmungsraum (citta) [getrennt von den anderen Wahrnehmungsräumen (citta) anderer Lebensformen]. Er ist [also] einer unter den vielen x.

Dr. Ronald Steiner

x:Wer ist der wahrnehmende dieser vielen Wahrnehmungsräume?

A) Wenn ein Yogi durch seine übernatürlichen Fertigkeiten (siddhi) eine neue Lebensform mit einem neuen Wahrnehmungsraum (citta) erschaffen hat, dann ist dessen Wahrnehmungsraum (citta) der Wahrnehmungsraum der die anderen bedingt.
B) Glauben wir an einen schaffenden Gott, so könnte auch dieser der zugrundeliegende Impuls sein der vielen Wahrnehmungsräume der vielen Lebewesen sein.
C) Die mit “B” gekennzeichnete, durchaus mit der Grammatik vereinbare, Übersetzung sieht es banaler: Aus der Urnatur (prakr̥ti) heraus entstehen viele Lebensformen. Durch die natürliche Bildung des Egos (asmitā) entstehen auch individuelle Wahrnehmungsräume (citta). Solange die Form besteht, besteht also auch der individuelle Wahrnehmungsraum. Vergeht die Form, so löst sich auch der Wahrnehmungsraum auf.

Die frühen Kommentatoren legten wieder die erste Interpretation nahe. Ein Yogi mit solchen übernatürlichen Fertigkeiten (siddhi) kann also nicht nur sich in vielen Formen an verschiedenen Orten zeigen, sondern nimmt durch seinen Wahrnehmungsraum (citta) die Erfahrungen der von ihm geschaffenen Wesen mit wahr.


Bei Verschiedenheit der Funktionen [dieser verschiedenen Leiber] ist das antreibende Cittam der vielen das eine [ursprüngliche Cittam].

Paul Deussen - 1921


In different activities of (those numerous (minds) one mind (of the ascetic) is the moving cause.

James R. Ballantyne - 1852

tatra dhyana-jam anashayam ||6||
तत्र ध्यानजम् अनाशयम् ॥६॥
tatra dhyāna-jam anāśayam ॥6॥

tatra
taPartikel
dabei, da, dort, dorthin
dhyānaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
dhyānaSubstantiv Neutrum
Versenkung
dhyānaWortbildung
dhyāVerbanaSuffix
Versenkung
dhyāVerbdenken, bei sich denken, nachdenken
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
jamNominativ Singular Neutrum
jaAdjektiv
geboren, entstanden
anāśayamNominativ Singular
anāśayaSubstantiv Maskulin
ohne Einlagerung
anāśaya
anPräfixāśyaSubstantiv Maskulin
ohne Sitz
anPräfixVerneinung
āśayaWortbildung
āśīVerb
Ruheplatz, Sitzplatz
āśīWortbildung
āPräfixśīVerb
liegen, ruhen
āPräfixzu, hin, herbei
śīVerbstill liegen, daliegen, sitzen, schlafen; weichen, schwinden, zugrunde gehen

Von diesen [fünf Arten ungewöhnliche Fertigkeiten (siddhi) zu erlangen] ist [nur eine, nämlich die] aus Versenkung (dhyāna) entstandene, ohne Einlagerung [im individuellen Ego und damit nicht dem motivierten Handeln (karma) zugehörig]x.

Dr. Ronald Steiner

Der in der Versenkung (dhyāna) entstehende [Wahrnehmungsraum (Citta) ist] ohne Sitz [im individuellen Ego]x.

Dr. Ronald Steiner

x:Vyāsa-s Kommentar legt nahe, dass sich dieser Satz wieder auf den ersten Satz des vierten Kapitels bezieht. Hier werden fünf Arten beschrieben ungewöhnliche Fertigkeiten (siddhi) zu erlangen:
  1. Geburt (janman)
  2. Kräuter (oṣadhi)
  3. Mantra (mantra)
  4. Askese (tapas)
  5. absolute Erkenntnis (samādhi)

Die Versenkung (dhyāna) führt (siehe YS Kapitel 2 und 3) zur absoluten Erkenntnis (samādhi). Folglich bezieht sich dieser Satz auf diesen fünften Weg.

Wenn wir Vyāsa-s Kommentar ignorieren könnten wir auch ganz allgemein übersetzen:

Durch Versenkung [entsteht ein Wahrhnehmungsraum (citta) ohne Sitz [im Ego].

Wir kommen durch Versenkung also von unserer individuellen Anschauung zu einer objektiven Schau. Diese ist wiederum der Zustand von absoluter Erkenntnis (samādhi).


Hierbei ist das durch die Meditation geschaffene [Cittam] ohne Werkresidua.

Paul Deussen - 1921


Among these (minds produced by birth etc. that which spring from meditations is without substratum.

James R. Ballantyne - 1852

karmashuklakrishnam yoginas-trividham-itaresham ||7||
कर्माशुक्लाकृष्णं योगिनस्त्रिविधमितरेषाम् ॥७॥
karmāśuklākr̥ṣṇaṁ yoginas-trividham-itareṣām ॥7॥

karmaTatpuruṣa-Kompositum
karmanSubstantiv Neutrum
Ursache-Wirkung Beziehung, motiviertes Handeln
karman
kr̥VerbmanSuffix
Handlung, Werk, Tat, Ursache-Wirkung Beziehung
kr̥Verbtun, vollbringen, ausführen, bewirken
manSuffixKṛtikṛt-Suffix: Nomen Abstraktum
aśuklaDvandva-Kompositum
aśuklaAdjektiv
nicht weiß
aśukla
aPräfixśuklaAdjektiv
nicht weiß
śuklaAdjektivweiß
akr̥ṣṇamNominativ Singular
akr̥ṣṇaakr̥ṣṇa
nicht schwarz
akr̥ṣṇa
aPräfixkr̥ṣṇaAdjektiv
nicht schwarz
kr̥ṣṇaAdjektivschwarz
yoginaḥGenitiv Singular
yoginSubstantiv Maskulin
für einen Yogi
trividhamNominativ Singular
trividhaAdjektiv
dreifach
itareṣāmGenitiv Plural
itaraAdjektiv
für andere

Für einen Yogi (yogin) ist eine motivierte Handlung (karman) weder weiß noch schwarz. Für andere ist es von dreierlei Artx.

Dr. Ronald Steiner

x:Vyāsa beschreibt in seinem Kommentar die drei Arten von Handlungen näher:
  1. Weiß: Nach außen gerichtete Handlungen, mit dem Ziel anderen oder uns zu nutzen.
  2. Schwarz: Nach außen gerichtete Handlungen, mit dem Ziel anderen oder uns zu schaden.
  3. Weder Schwarz noch Weiß: Handlungen die aus ihrem Selbstzweck heraus, ohne Anstreben eines Zieles, ausgeführt werden.

Letztendlich können wir nur dann weder weiß noch schwarze Handungen ausführen, wenn unser Wahrnehmungsraum nicht individuell ist. Also nicht durch das Ego bestimmt ist.

Dieses Lösen von den Früchten einer Handlung ist ein wesentlicher Aspekt des Yogaweges, der auch in anderen Quelltexten (z.B. Bhagavad Gīta) auftaucht.


Das Werk eines Yogin ist nicht weiß und nicht schwarz [jenseits von Gut und Böse], das der andern ist dreifach [weiß, schwarz und gemischt].

Paul Deussen - 1921


The work of an ascetic is neither pure nor dark and that of others is of three kinds.

James R. Ballantyne - 1852

tatah tad-vipakanugunanam-evabhivyaktir vasananam ||8||
ततः तद्विपाकानुगुणानामेवाभिव्यक्तिर् वासनानाम् ॥८॥
tataḥ tad-vipākānuguṇānām-evābhivyaktir vāsanānām ॥8॥

tataḥ
tatasPartikel
daher
tadTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
taPronomen 3. Person
dieser
vipākaTatpuruṣa-Kompositum Dativ
vipākaSubstantiv Maskulin
Heranreifen, Reife
anuguṇānāmGenitiv absl Plural
anuguṇaAdjektiv
gleichartig
anuguṇa
anuPräfixguṇaSubstantiv Maskulin
von entsprechenden Eigenschaften, gleichartig, entsprechend
anuPräfixfolgend, basierend auf, unter, nach
guṇaSubstantiv Maskulinein Faden einer geflochtenen Schnur, Grundeigenschaften der Natur
evā
evaPartikel
so
abhivyaktiḥNominativ Singular
abhivyaktiSubstantiv Feminin
Manifestation
vāsanānāmGenitiv Plural
vāsanāSubstantiv Feminin
Neigungen
vāsana
vāsaSubstantiv Maskulin
falsche Vorstellung, bleibender Eindruck, Idee
vāsa
vasVerb
Gewand, Kleid
vasVerbbekleiden

Aus diesen [drei Arten von motiviertem Handeln (karma) erfolgt] allerdings nur die Manifestation [einiger] Neigungen (vāsanā), [nämlich] wie sie dem Heranreifen (vipāka) dieser [motivierten Handlungen (karma)] entsprechen x.

Dr. Ronald Steiner

x:Nicht jede Handlung trägt direkt ihre Früchte. Die Situation muss passen, so dass eine einmal gelegte Handlung sich als Resultat wieder zeigt.Viyāsa bezieht sich auf die Vorstellung einer Wiedergeburt. Wenn wir in einem Lebensumfeld geboren werden in dem nur bestimmte Erfahrungen möglich sind, dann können auch nur solche Erfahrungen heranreifen. Andere in vorherigen Leben gelegte Ursachen warten auf ein späteres Leben um heranzureifen.


Aus diesen [guten, bösen und gemischten Werken] geht nur eine solche Manifestation der Werkresiduen [im neuen Dasein] hervor, wie sie der Heranreifung jener [Werke in einer frühern Geburt] entspricht.

Paul Deussen - 1921


Therefrom (results) manifestation of those mental despoints alone which are conformable to its fructification. # JB

jati-desha-kala-vyavahitanam-apy-anantaryam snriti-sanskarayor ekarupatvat ||9||
जातिदेशकालव्यवहितानामप्यानन्तर्यां स्मृतिसंस्कारयोर् एकरूपत्वात् ॥९॥
jāti-deśa-kāla-vyavahitānām-apy-ānantaryāṁ smr̥ti-saṁskārayor ekarūpatvāt ॥9॥

jātiDvandva-Kompositum
jātiSubstantiv Feminin
Geburt
jāti
janVerb
Geburt
janVerbtransitiv: zeugen, gebären, intransitiv: gezeugt, geboren werden
deśaDvandva-Kompositum
deśaSubstantiv Maskulin
Ort
deśa
diśVerb
Ort
diśVerbzeigen, vorweisen
kālaDvandva-Kompositum
kālaSubstantiv Maskulin
Zeit
vyavahitānāmGenitiv absl Plural
viPräfixavaPräfixhitaAdjektiv
getrennt
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
avaPräfixherunter, weg, fort
hitaPartizip Perfekt Passiv
dhāVerb
gesetzt, gelegt, gestellt, befindlich in
dhāVerbsetzen, legen, stellen
api
apiPartikel
auch wenn
ānantaryāmNominativ Singular
ānantaryaSubstantiv Neutrum
Nähe, ununterbrochener Folge
ānantarya
anantaraAdjektiv
unmittelbare Folge
anantara
aPräfixantaraAdjektiv
unmittelbar anstoßend
aPräfixVerneinung
antara
antaraAdverb
nahe stehend, sehr befreundet
antarAdverbinnen, zwischendurch, innerhalb
smr̥tiDvandva-Kompositum
smr̥tiSubstantiv Feminin
Erinnerung
smr̥tiWortbildung
smarVerb
Erinnerung
smarVerbsich erinnern
saṁskārayoḥGenitiv Dual
saṁskāraSubstantiv Maskulin
Zubereitung, Eindruck, Anlage des Geistes
saṁskāra
samPräfixkāraSubstantiv Maskulin
Zubereitung, Eindruck, Anlage des Geistes
samPräfixzusammen, mit
kāra
karVerb
Tat, Handlung
karVerbetwas machen, vollbringen, ausführen
ekarūpatvātAblativ Singular
ekarūpaSubstantiv NeutrumtvaSuffix
Formgleichheit
ekarūpa
ekaZahlwortrūpaSubstantiv Neutrum
eine Form, gleiche Form, formgleich
ekaZahlworteiner, einzig
rūpaSubstantiv Neutrumäußere Erscheinung, Form
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit

Aufgrund der Formgleichheit von Erinnerung (smr̥ti) und Prägung (saṁskāra) stehen diese in ununterbrochener Folge, auch wenn sie durch Geburt (jāti), Ort (deśa) oder Zeit (kāla) getrennt [sein können x.

Dr. Ronald Steiner

x:Dies Sūtra lädt ein Erinnerung und Prägung miteinander zu vergleichen:
  • Erinnerung (smrtti) ist definiert als nicht völlig verblasste Wahrnehmungen (siehe YS 1.11.)
  • Prägungen (saṁskāra) sind ganz analog als noch nicht ganz verblasste Handlungen zu verstehen. Also Handlungen deren Früchte sich noch nicht eingestellt haben.
Handlungen können also auch lange nach dem wir sie ausgeführt haben, noch ihre Wirkung entfalten. Etwas aus der Vergangenheit kann uns einholen, dann wenn wir am wenigsten damit rechnen.


Obwohl [die Werke und ihre Residua] durch Geburt, Raum und Zeit voneinander getrennt sind, so besteht doch zwischen ihnen Kontinuität, weil die Residua [aus einem frühern Leben] identisch sind mit der [im gegenwärtigen Leben den Handlungen zugrunde liegenden, unbewußten] Rückerinnerung.

Paul Deussen - 1921


There is an immediacy among those (impressions) though intercepted by bank (in the scale of being) place and time, because the recollection and the train of selfreproductive impression are identical (that is they are not different).

James R. Ballantyne - 1852

tasam-anaditvam chaashisho nityatvat ||10||
तासामनादित्वं चाअशिषो नित्यत्वात् ॥१०॥
tāsām-anāditvaṁ cāaśiṣo nityatvāt ॥10॥

tāsāmGenitiv Plural fbezieht sich trotz abweichendem Geschlecht a.e. auf Prägungen saṁskāra
taPronomen 3. Person
dieser des Vorsatzes.
anāditvamNominativ Singular
anāditvaSubstantiv Neutrum
anfanglos
anāditva
anPräfixādiSubstantiv MaskulintvaSuffix
anfanglos
anPräfixVerneinung
ādiSubstantiv MaskulinAnfang, Beginn, Erstling
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit
ca
caPartikel
und
āśiṣaḥGenitiv Singular
āśisSubstantiv Feminin
Wunsch, Bitte, Gebet
āśis
āpref. “saas |v
Wunsch, Bitte, Gebet
āPräfixzu hin, bis an, bis zu,
śāsVerbbefehlen, zurechtweisen, gebieten
nityatvātAblativ Singular
nityaAdjektivtvaSuffix
Ewigkeit, Beständigkeit
nitya
niAdverb
ständig, immerwährend, ununterbrochen
niAdverbniederwärts, hinunter, hinein, rückwärts
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit

Diese [Prägungen (saṁskāra) sind] ohne Anfang. [Sie entstehen] aus der Ewigkeit des Wunsches [nach Leben] x.

Dr. Ronald Steiner

x:Vermutlich ein Fehler in diesem Manuskript. Statt tāsām (gen pl f) sollte hier ein teṣām (gen pl m) stehen. Denn nur dann kann es sich auf die Prägungen (saṁskāra) beziehen.


Diese [Residua der Werke] sind anfanglos, weil der [in ihnen sich bekundende] Wille von Ewigkeit her ist.

Paul Deussen - 1921


They have eternity because the benediction is enternal.

James R. Ballantyne - 1852

hetu-phalashrayalambanaih sangrihitatvat-esham-abhave tad-abhavah ||11||
हेतुफलाश्रयालम्बनैः संगृहीतत्वातेषामभावे तदभावः ॥११॥
hetu-phalāśrayālambanaiḥ saṁgr̥hītatvāt-eṣām-abhāve tad-abhāvaḥ ॥11॥

hetuDvandva-Kompositum
hetuSubstantiv Maskulin
Ursache
hetu
hiVerb
Ursache
hiVerbin Bewegung setzen, antreiben, anfeuern
phaladvErgebnis
phalaSubstantiv Neutrum
Frucht
āśrayaDvandva-Kompositum
āśraya
Subjekt
āśrayaWortbildung
āPräfix "sri |v
woran sich etwas anschließt, woran sich etwas lehnt
āPräfixnahe, hin
śriWortbildunganbringen, sich lehnen an,
ālambanaiḥInstrumentalis Plural
ālambanaSubstantiv Neutrum
Objekt
ālambana
āPräfixlambanaSubstantiv Neutrum
Stütze
āPräfixzu hin, bis an, bis zu
lambana
lambVerb
das Herabhängende
lambVerbherabhängen, hängen an
saṁgr̥hītatvātAblativ Singular
saṁgr̥hītaAdjektivtvaSuffix
Zusammenhang
saṁgr̥hīta
samPräfixgrabhVerb
Zusammengezogen, verkürzt, Ergriffensein
samPräfixzusammen, mit
grabhVerbergreifen, mit der Hand fassen, festhalten
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit
eṣāmGenitiv Plural
etadPronomen 3. Person
deren
abhāveLokativ absl Singular
abhāvaSubstantiv Maskulin
Abwesenheit
abhāva
aPräfixbhāvaSubstantiv Maskulin
Abwesenheit
aPräfixVerneinung
bhāva
bhūVerb
das Werden, Sein, Stattfinden
bhūVerbwerden, entstehen, geschehen
tadTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
taPronomen 3. Person
diese
abhāvaḥNominativ Singular
abhāvaSubstantiv Maskulin
Abwesenheit
abhāva
aPräfixbhāvaSubstantiv Maskulin
Abwesenheit
aPräfixVerneinung
bhāva
bhūVerb
das Werden, Sein, Stattfinden
bhūVerbwerden, entstehen, geschehen

Durch den Zusammenhang im Bereich von Ursache (hetu) und Frucht (phala), Subjekt (aśraya) und Objekt (ālambana) [stellt sich] die Abwesenheit von diesen [Prägungen (saṁskāra) ein], wenn sich auch Abwesenheit von jenen [vier Faktoren: Ursache, Frucht, Subjekt und Objekt] einstellt.

Dr. Ronald Steiner


Weil die Werkresidua sich zusammensetzen aus der Grundursache (dem Willen), ihrer Frucht (den Werken), ihrem Substrat (der Person) und ihrer Unterlage (den Objekten), so kommen, wo diese [vier Faktoren] fehlen, auch sie [die Werkresidua] in Wegfall.

Paul Deussen - 1921


As (they are) collected by cause, effect, substratum and support (therefore) on non-existence of these, non-existence of the impressions takes place.

James R. Ballantyne - 1852

atitanagatam svarupato 'sty-adhva-bhedad-dharmanam ||12||
अतीतानागतं स्वरूपतो ऽस्त्यध्वभेदाद्धर्माणाम् ॥१२॥
atītānāgataṁ svarūpato 'sty-adhva-bhedād-dharmāṇām ॥12॥

atītaDvandva-Kompositum
atītaAdjektiv
vergangen
atitaPartizip Perfekt Passiv
atīVerb
vergangen
atī
atiPräfixiVerb
vorübergehen, verstreichen, wegschreiten
atiPräfixjenseits, über, vorbei
iVerbgehen, ausgehen
anāgataṁNominativ Singular
anāgataAdjektiv
zukünftig
anāgata
aPräfixāgataAdjektiv
noch nicht angekommen, zukünftig
aPräfixVerneinung
āgataPartizip Perfekt Passiv
āgamVerb
angekommen
āgam
āPräfixgamVerb
ankommen, erreichen
āPräfixzu hin, bis an, bis zu,
gamVerbgehen
svarūpataḥAblativ
svarūpaSubstantiv NeutrumtasSuffix
aus der eigenen Form heraus
svarūpa
svaAdverbrūpaSubstantiv Neutrum
eigene Form, Wirklichkeit, Real
svaAdverbeigen
rūpaSubstantiv Neutrumäußere Erscheinung, Form
tasSuffixAblativierendes Suffix
asti3. Person Singular
asVerb
sein, exisiteren
adhvaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
adhvanSubstantiv Maskulin
im Weg, in der Abfolge, Zeit zur Reise, zeitliche Abfolge
bheedatAblativ Singular
bhedaSubstantiv Maskulin
Verschiedenheit
bheda
bhidVerb
das Zerbrechen, Spalten, Trennung
bhidVerbspalten, zerschlagen, ein Loch in etwas schlagen
dharmāṇāmGenitiv Plural
dharmaSubstantiv Maskulin
Aufgaben, Merkmalsausprägung
dharma
dharVerb
Sitte, Gesetz, Eigenschaft, Aufgabe, Opfer, Merkmalsausprägung
dharVerbhalten, tragen, stützen

Vergangenheit und Zukunft existieren aus ihrer eigenen Form (svarūpa) heraus[, sie sind also gleichsam wie die Gegenwart real], weil eine Verschiedenheit (bheedat) in der zeitlichen Abfolge (adhvan) ihrer Merkmalsausprägung (dharma) [im Vergleich zur der Gegenwart besteht].

Dr. Ronald Steiner


Als vergangen und zukünftig besteht [das Cittam] seiner Natur nach [unverändert], und nur seine Äußerungen schlagen [je nach dem Lebenslaufe] verschiedene Wege ein.

Paul Deussen - 1921


That which is past and that which is to come does exist in its proper nature, for the course of properties is different.

James R. Ballantyne - 1852

te vyakta-suksma gunatmanah||13||
ते व्यक्तसूक्ष्मा गुणात्मानः॥१३॥
te vyakta-sūkṣmā guṇātmānaḥ॥13॥

teNominativ Plural
taPronomen 3. Person
diese
vyaktaDvandva-Kompositum
vyaktaAdjektiv
entfaltet, herausgeputzt, wahrnehmbar, offenbar
sūkṣmāḥNominativ Plural
sūkṣmaAdjektiv
subtil, fein, subtil
guṇaDvandva-Kompositum / Tatpuruṣa-Kompositum Akkusativ
guṇaSubstantiv Maskulin
physisch, drei Grundeigenschaften der Natur, Faden einer geflochtenen Schnur
ātmānaḥ_Nominativ Plural
ātmanSubstantiv Maskulin
metaphysisch, Hauch, Seele, das Selbst

Diese [drei - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - haben] als Essenz (ātman) die physischen Grundeigenschaften (guṇa), [diese sind teilweise] subtil (sūkṣma), [teilweise] manifestiert (vyakta) x.

Dr. Ronald Steiner

x:Ein Satz der einen Widerspruch zur Vedanta Philosophie deutlich macht. Prakrṭi wird im Grunde als Real gesehen, wenn auch stetig wandelnd und immer wieder neue Formen und Aufgaben annehmend.


Diese [Äußerungen] sind teils offenbar, teils latent, da sie aus den [das Cittam und seine Äußerungen bedingenden und gleichfalls teils offenbaren, teils latenten drei] Guṇa’s entspringen.

Paul Deussen - 1921


These individualised and subtile (objects) consist of qualities.

James R. Ballantyne - 1852

parinamaikatvat-vastu-tattvam ||14||
परिणामैकत्वात्वस्तुतत्त्वम् ॥१४॥
pariṇāmaikatvāt-vastu-tattvam ॥14॥

pariṇāmaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung
pariṇāmaWortbildung
parinamVerb
Veränderung, Umwandlung, Wechsel der Form
parinam
pariPräfixnamVerb
sich zur Seite biegen
pariPräfixum, völlig, jenseit, hinweg
namVerbsich beugen, sich verneigen
ekatvātAblativ Singular
ekatvaSubstantiv Neutrum
Einheit
ekatva
ekaZahlwort
das Einssein, Einheit, Vereinigung
ekaZahlworteins, einzig
vastuTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
vastuSubstantiv Feminin
Objekt
vastu
vasVerb
Ding, Gegenstand; Sitz, Ort
vasVerban einem Ort bleiben, Halt machen, übernachten, sich aufhalten
tattvamNominativ sgwahre Natur einer Sache, sie ist eben so, wie sie ist
tattvaSubstantiv Neutrum
Das-heit
tattva
tatPronomen 3. PersontvaSuffix
das wahre Verhältnis, die wahre Natur, Wahrheit
tatPronomen 3. Personder die das
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit

Aus der Summe der Umwandlungen (pariṇāma) [entsteht] die Essenz eines Objektes (vastutattvam)x.

Dr. Ronald Steiner

x:Aus den immer wieder gleichen Grundeigenschaften entsteht alles auf dieser Welt. So wie die immer wieder gleichen Lego-Bausteine verschiedenste Gebilde formen können.


Aus der Einheit der Umwandlungen [welche die verschiedenen erkennenden Subjekte erfahren] ist zu schließen auf die Realität der objektiven Welt.

Paul Deussen - 1921


Unity of thing results from unity of modification.

James R. Ballantyne - 1852

vastu-sanye chitta-bhedat tayor vibhaktah panthah ||15||
वस्तुसाम्ये चित्तभेदात् तयोर् विभक्तः पन्थाः ॥१५॥
vastu-sāmye citta-bhedāt tayor vibhaktaḥ panthāḥ ॥15॥

vastuTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
vastuSubstantiv Feminin
Objekt
vastu
vasVerb
Ding, Gegenstand; Sitz, Ort
vasVerban einem Ort bleiben, Halt machen, übernachten, sich aufhalten
sāmyeLokativ absl Singular
sāmyaSubstantiv Neutrum
Gleichheit
sāmya
samaAdjektivyaSuffix
Gleichheit
samaAdjektivgleich
yaSuffix Neutrumaus XY entstanden
cittaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
das Denken, Gedanken, Gemüt, Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
bhedātAblativ Singular
bhedaSubstantiv Maskulin
Trennung, Verschiedenheit
bheda
bhidVerb
das Zerbrechen, Spalten, Trennung
bhidVerbspalten, zerschlagen, ein Loch in etwas schlagen
tayoḥGenitiv / Lokativ Dual
taPronomen 3. Person
der beiden
vibhaktaḥNominativ Singular
vibhaktaAdjektiv
getrennt, richtig, glatt, unterschiedlich
viPräfixgetrennt
bhaktaPartizip Perfekt Passiv
bhajVerb
geteilt, zugeteilt
bhajVerbausteilen, zuteilen
panthāḥNominativ Singular
pathinSubstantiv Maskulin
Weg, hier: Entwicklung
pathin
pathSubstantiv Maskulin
Weg
pathWortbildung
pathVerb
Pfad, Weg, Bahn
pathVerbgehen, sich bewegen

Aufgrund der Verschiedenheit der [vielen] Wahrnehmungsräume (citta), während Gleichheit des [betrachteten] Objektes (vastu) [besteht, gibt es] eine unterschiedliche Entwicklung dieser Beiden[, also der Realität, bzw. Objekt, und dem Wahrgenommenen, bzw. dem Wahrnehmungsraum].

Dr. Ronald Steiner

x:An sich ist jeder Mensch aus den gleichen Bestandteilen zusammengesetzt. Doch durch die unterschiedliche Umwandlung entsteht ein unterschiedlicher Citta. So geht jeder Mensch seinen individuellen Lebensweg.


Weil die Identität des Objektiven die Citta’s [in den verschiedenen Subjekten] verschieden (sind, schlagen beide verschiedene Wege ein [kann sie Anschauung desselben Objektes eine verschiedene sein] x.

Paul Deussen - 1921

x:Hier folgt bei Vyâsa das bei Bhoja fehlende Sûtram, welches eine Polemik gegen die Vedântalehre von der Idealität der Außenwelt enthält: na ca ekacitta-tantraṃ vastu, tad apramâṇakaṃ, tadâ kim syât, “Auch ist das Objekt nicht allein vom Bewußtsein abhängig, weil dies unbeweisbar ist; und was würde die Folge sein?” - Wir behalten im folgenden die Zählung des Bhoja bei.


The course of these two (that is, the thing and the object) is distinct, for there is a diversity of thoughts regarding one thing.

James R. Ballantyne - 1852

na chaika-chitta-tantram ched vastu tad-apramanakam tada kim syat ||16||
न चैकचित्ततन्त्रं चेद् वस्तु तदप्रमाणकं तदा किं स्यात् ॥१६॥
na caika-citta-tantraṁ ced vastu tad-apramāṇakaṁ tadā kiṁ syāt ॥16॥

na
naPartikel
nicht
ca
caPartikel
und
ekaDvigu-Kompositum
ekaZahlwort
eins
cittaTatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
das Denken, Gedanken, Gemüt, Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
tantramNominativ Singular
tantraSubstantiv Neutrum
bei dem es sich um -- handelt, XY abhängig
tantra
tanVerbtraSuffix
Webstuhl, Grundschnur des Gewebes, Grundlage, Grundlehre; Ende von Komposita: Abhängig von XY
tanVerbsich dehnen, sich erstrecken, reichen über
traSuffixKr̥t-Suffix: bezeichnet Mittel/Instrument einer Handlung, drückt Instrumentalisierung aus
cedPartikelauch, sogar
vastuNominativ Singular
vastuSubstantiv Neutrum
Objekt
vastu
vasVerb
Ding, Gegenstand; Sitz, Ort
vasVerban einem Ort bleiben, Halt machen, übernachten, sich aufhalten
tadNominativ Singular Neutrum
taPronomen 3. Person
dies
apramāṇakamNominativ Singular
aPräfixpramāṇakaAdjektiv
nicht beweisbar
aPräfixVerneinung
pramāṇaka
pramāṇaSubstantiv Neutrum
am Ende von Kompoista, wie pramāṇa
pramāṇaSubstantiv NeutrumMaß, Maßstab, Norm, Richtschnur
tadā
tadāPartikel
dann
tadā
taPronomen 3. Person
dann, zu der Zeit, als, in dem Falle
taPronomen 3. Personder, die das
kim
kimPartikel
was
kim
kaPronomen 3. Person
wie, woher, warum
kaPronomen 3. Personwer, welcher
syāt3. Person Singular Optativ
asVerb
es möge/würde sein

Ein Objekt (vastu) ist auch nicht abhängig von einem einzigen Wahrnehmungsraum (citta). Das ist nicht beweisbar. Was würde dann geschehenx?

Dr. Ronald Steiner

x:In einigen Manuskripten ist ced und teilweise auch vastu nicht enthalten. Die Übersetzung ändert sich dadurch nicht wesentlich.

Der Satz lässt sich auf zwei Weisen verstehen:

  1. Objektpermanenz: Objekte existieren also aus sich heraus und nicht nur weil sie gesehen werden. Ein Baum, der im Wald umfällt, erzeugt das gleiche Geräusch beim Fallen, auch wenn niemand es hört.
  2. Verschiedene Perspektiven: Es gibt nicht nur ein einziges Wahrnehmungsorgan, wie das Advaita Vedanta vielleicht sehen würde, sondern verschiedene Wahrnehmungsorgane sehen ein und das gleiche Objekt auf unterschiedliche Weise.>

    Auch ist das Objekt nicht allein vom Bewußtsein abhängig, weil dies unbeweisbar ist; und was würde die Folge sein x?

    Paul Deussen - 1921

    x:Übersetzung von Deussen in Fußnote zu Sutra 4.15

    -- not translated --.

    James R. Ballantyne - 1852

tad-uparagapeksitvach-chittasya vastu-jnatajnatam ||17||
तदुपरागापेक्षित्वाच्चित्तस्य वस्तुज्ञाताज्ञातम् ॥१७॥
tad-uparāgāpekṣitvāc-cittasya vastu-jñātājñātam ॥17॥

tadTatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
taPronomen 3. Person
der
uparāgaDvandva-Kompositum
uparāgaSubstantiv Maskulin
Einfärben
uparāgaPartizip Perfekt Passiv
upaPräfixrañjVerb
Färbung, Verfinsterung, Finsternis
upaPräfixnahe, unter, bei, neben
rañjVerbsich färben, sich röten, in Aufregung geraten
apekṣitvātAblativ Singular
apekṣVerbtvaSuffix
Übersehen
apekṣWortbildung
apaPräfixīkṣVerb
wegsehen, umsehen, erwarten, erfordern, voraussetzen
apaPräfixweg, fort, ohne
īkṣVerbsehen, blicken, hinblicken
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit
cittasyaGenitiv absl Singular
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
das Denken, Gedanken, Gemüt, Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
vastuTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
vastuSubstantiv Feminin
Objekt
vastu
vasVerb
Ding, Gegenstand; Sitz, Ort
vasVerban einem Ort bleiben, Halt machen, übernachten, sich aufhalten
jñātaDvandva-Kompositum
jñātaAdjektiv
gewusst, erkannt
jñātaPartizip Perfekt Passiv
jñaVerb
gewusst
jñaVerbkennen, wissen
ajñātamNominativ Singular
ajñātaAdjektiv
nicht gewusst, nicht erkannt
jñātaPartizip Perfekt Passiv
aPräfixjñaVerb
gewusst
aPräfixVerneinung
jñaVerbkennen, wissen

Nicht Erkennen (ajñāta) oder Erkennen (jñāta) eines Objektes (vastu) [findet statt,] weil ein Übersehen (apekṣitva) oder Einfärben (uparāga) durch dieses [Objekt] des Wahrnehmungsraumes (citta) [stattfindet].

Dr. Ronald Steiner


Weil das Cittam von dem Objekte erst überfärbt werden muß, ist das Objekt bekannt oder nicht bekannt.

Paul Deussen - 1921


An object is known or unknown to the mind inasmuch as the tint of the object is required (to it).

James R. Ballantyne - 1852

sada-jnatash-chitta-vrittayas-tat-prabhoh purushasyaparinamitvat ||18||
सदाज्ञाताश्चित्तवृत्तयस्तत्प्रभोः पुरुषस्यापरिणामित्वात् ॥१८॥
sadā-jñātāś-citta-vr̥ttayas-tat-prabhoḥ puruṣasyāpariṇāmitvāt ॥18॥

sadā
sadāAdverb
jederzeit
jñātāḥNominativ Plural
jñātaAdjektiv
gewusst
jñataPartizip Perfekt Passiv
jñaVerb
gewusst
jñaVerbkennen, wissen
cittaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
das Denken, Gedanken, Gemüt, Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
vr̥ttayaḥNominativ Plural
vr̥ttiSubstantiv Feminin
das Rollen, Tätigkeit, Gedanke
vr̥tti
vartVerb
das Rollen, Tätigkeit, Gedanke
vartVerbsich drehen, rollen
tatTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
taPronomen 3. Person
der, die, das
prabhoḥGenitiv Singular
prabhuAdjektiv / Substantiv Maskulin
mächtig, Gebieter
prabhuPartizip Perfekt Passiv
praPräfixbhūVerb
hervorragend, übertreffend, mächtig, Herr, Gebieter
praPräfixvorwärts, vorne
bhūVerbwerden, entstehen, geschehen
puruṣasyāGenitiv Singular
puruṣaSubstantiv Maskulin
puru.sasya Mann, Mensch, das Beseelende im Menschen, Seele
apariṇāmitvātAblativ Singular
aPräfixpariṇāminAdjektivtvaSuffix
Unveränderlichkeit
pariṇāmin
pariPräfixnamVerbminSuffix
sich verändernd, sich umwandelnd, einem Wechsel der Form unterworfen
pariPräfixum, völlig, jenseit, hinweg
namVerbsich beugen, sich verneigen
minSuffixcharakterisiert durch X
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit

Die Vorgänge (vritti) im Wahrnehmungsraum (citta) [werden] erkannt, basierend auf der Unveränderlichkeit des Wesesenkerns (puruṣa), diesen mächtigen Gebieters.

Dr. Ronald Steiner


Die Funktionen des Cittam werden jederzeit erkannt, weil sein Gebieter, der Purusha, unwandelbar besteht.

Paul Deussen - 1921


The modifications of the mental states are always known, because the presiding spirit is not modified.

James R. Ballantyne - 1852

na tat-svabhasam drishyatvat ||19||
न तत्स्वाभासं दृश्यत्वात् ॥१९॥
na tat-svābhāsaṁ dr̥śyatvāt ॥19॥

na
naPartikel
nicht
tatNominativ Singular Neutrum
taPronomen 3. Person
dieser
svābhāsamNominativ Singular
svābhāsaAdjektiv
selbst strahlend
svabhāsa
svaAdverbbhāsaAdjektiv
selbst strahlend
svaAdverbeigenes
bhāsaAdjektiv / Substantiv MaskulinLicht, Glanz; leuchtend, glänzend
dr̥śyatvātAblativ Singular
dr̥śyaAdjektivtvaSuffix
Sichtbarkeit
dr̥śyaPartizip Futur Passiv
darśVerb
sichtbar, sehenswert
darśVerbsehen, erblicken
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit

Aus der Sichtbarkeit [des Wahrnehmungsraumes (citta) folgt, dass dieser [Wahrnehmungsraum (citta)] nicht selbst strahlend[, also der Beobachter, ist].

Dr. Ronald Steiner


Das Cittam ist nicht selbst Licht, weil es nur Objekt ist.

Paul Deussen - 1921


It is not self-illuminative inasmuch as it is cognisable.

James R. Ballantyne - 1852

eka-samaye chobhayanavadharanam ||20||
एकसमये चोभयानवधारणम् ॥२०॥
eka-samaye cobhayānavadhāraṇam ॥20॥

ekaDvigu-Kompositum
ekaZahlwort
eins
samayeLokativ Singular
samayaSubstantiv Maskulin
Zusammentreffen
samayaPartizip Perfekt Passiv
samPräfixiVerb
Zusammentreffen, Zusammenlaufen, der Ort des Zusammentreffens
samPräfixzusammen, mit
iVerbgehen, ausgehen, hingehen
ca
caPartikel
und
ubhayaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
ubhayaAdjektiv
beide
ubhaya
ubhVerb
beide, beidseitig
ubhVerbzusammenhalten, in Verschluss halten
anavadhāraṇamNominativ Singular Neutrum
anPräfixavadhāraṇaSubstantiv Neutrum
keine Funktionsübernahme
anPräfixVerneinung
avadhāraṇaSubstantiv Neutrum
avaPräfixdharVerb
genaues Bestimmen,
avaPräfixherunter, weg, fort
dharVerbhalten, tragen, stützen

… und in einem einzigen Zeitpunkt (eka-samye) kann keine Funktionsübernahme (an-avadhāraṇa) von beiden [Aufgaben, nämlich Objekt und Subjekt der Wahrnehmung zu sein, bestehen].

Dr. Ronald Steiner


Auch läßt sich nicht behaupten, daß es gleichzeitig beides [Subjekt und Objekt] sein könne.

Paul Deussen - 1921


Attention of two (objects) cannot take place simultaneously.

James R. Ballantyne - 1852

chittantara-drishye buddhi-buddher-atiprasangah snriti-sankarash-cha ||21||
चित्तान्तरदृश्ये बुद्धिबुद्धेरतिप्रसङ्गः स्मृतिसंकरश्च ॥२१॥
cittāntara-dr̥śye buddhi-buddher-atiprasaṅgaḥ smr̥ti-saṁkaraś-ca ॥21॥

cittaKarmadhāraya-Kompositum
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
das Denken, Gedanken, Gemüt, Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
antaraTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
antaraSubstantiv Neutrum
Inneres, Anderes
antara
antarAdverb
Inneres
antarAdverbinnen, innerhalb, angrenzend, anders
dr̥śyeLokativ absl Singular
dr̥śyaSubstantiv Maskulin / Adjektiv
Erblicken
dr̥"ya
darśVerb
sichtbar, sehenswert
darśVerbsehen, erblicken
buddhiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
buddhiSubstantiv Feminin
Einsicht, Verstand
buddhi
budhVerb
Einsicht, Verstand
budhVerberwachen, wachen, zur Besinnung kommen, merken, achten auf
buddheḥgen/abl Singular
buddhiSubstantiv Feminin
Einsicht, Verstand
buddhi
budhVerb
Einsicht, Verstand
budhVerberwachen, wachen, zur Besinnung kommen, merken, achten auf
atiprasaṅgaḥNominativ Singular
atiprasaṅgaSubstantiv Maskulin
eine starke Verbindung, eine große Neigung
atiprasaṅga
atiPräfixprasaṅgaSubstantiv Maskulin
eine starke Verbindung, eine große Neigung
atiPräfixjenseits, über, vorbei
prasaṅga
praPräfixsañjVerb
das Hingegebensein, das Fröhnen
praPräfixvorwärts, vorne
sañjVerbanhängen, zusammenhängen, sich hängen an
smr̥tiTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
smr̥tiSubstantiv Feminin
Erinnerung
smr̥tiWortbildung
smarVerb
Erinnerung
smarVerbsich erinnern
saṁkaraḥNominativ Singular
saṁkaraSubstantiv Maskulin
Vermischung
saṁkara
samPräfixkarVerb
Vermengung, Vermischung, Mischung
samPräfixzusammen, mit
karVerbmachen, vollbringen, ausführen
ca
caPartikel
und

… und weil das Erblicken eines anderen Wahrnehmungsraumes (citta) [das sehen] eines Verstandes (buddhi) durch einen anderen Verstand (buddhi) [wäre, führte das zu] einer Vermischung in der der gegenseitigen Erinnerung (smr̥ti).

Dr. Ronald Steiner


Könnte ein fremdes Cittam Objekt [des eigenen Cittam] werden, so würde es eine Buddhi der Buddhi geben, woraus zuviel folgen würde [man müßte dann auch den Inhalt der fremden Buddhi kennen], auch würde eine Vermengung der beiderseitigen Erinnerungen die Folge sein.

Paul Deussen - 1921


If one perception be cognisable by another then there would be the further necessity of cognition. And a confusion of recollection also would take place.

James R. Ballantyne - 1852

chiter apratisankramayas-tad-akarapattau sva-buddhi-samvedanam ||22||
चितेर् अप्रतिसंक्रमायस्तदाकारापत्तौ स्वबुद्धिसंवेदनम् ॥२२॥
citer apratisaṁkramāyas-tad-ākārāpattau sva-buddhi-saṁvedanam ॥22॥

citeḥGenitiv Singular
citiSubstantiv Maskulin
der denkende Geist, hier: Synonym zu Puruṣa, der Wesenskern
citi
citVerb
der denkende Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
apratisaṁkramāyaḥabl/gen absl Singular
aPräfixpratisaṁkramaAdjektiv
hier: das Unberührt seiend
apratisaṁkramaWortbildung
aPräfixpratisaṁkramaAdjektiv / Substantiv Maskulin
keine Vermischung habend
aPräfixVerneinung
pratisaṁkramaWortbildung
pratiPräfixsamPräfixkramVerb
Auflösung, das Wiedereingehen
pratiprefzuzurück, entgegen, gegen, Gegensatz
samPräfixzusammen, mit, völlig
kramVerbschreiten, gehen, zuschreiten auf
tadTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
taPronomen 3. Person
der, die das
ākāraTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
ākāraSubstantiv Maskulin
Form, Gestalt
ākāra
āPräfixkarVerb
Form, Gestalt, äußere Erscheinung
āPräfixnahe, hin
karVerbmachen, vollbringen, ausführen
āpattauLokativ absl Singular
āpattiSubstantiv Feminin
Übergang
āpatti
āpadVerb
Umwandlung, das Ereignis
āpadWortbildung
āPräfixpadVerb
herankommen, eintreten in
āPräfixnahe, hin
padVerbzu Fall kommen, dahinfallen, umkommen, zu Fall bringen
svaKarmadhāraya-Kompositum
svaAdverb
eigen
buddhiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
buddhiSubstantiv Feminin
Einsicht, Verstand, Vernunft
buddhi
budhVerb
Einsicht, Verstand
budhVerberwachen, wachen, zur Besinnung kommen, merken, achten auf
saṁvedanamNominativ Singular
saṁvedanaSubstantiv Neutrum
Bewusstwerden
saṁvedana
samPräfixvidVerb
das Erkennen, das Bewusstwerden
samPräfixzusammen, mit
vidVerbetwas / jemanden kennenlernen, erkennen; wissen, begreifen

Wenn der unberührte Geist (citi) [- der Wesenskern (puruṣa) -] in die Form dieses [Wahrnehmungsraumes (citta)] übergeht, [entsteht] das Bewusstwerden der eigenen Vernunft (sva-buddhi).

Dr. Ronald Steiner


Indem der unwandelbare Purusha in die Gestalt seines Cittam eingeht, gelangt er zum Bewußtsein seiner eigenen Buddhi.

Paul Deussen - 1921


The self-knowledge of cognition takes place when the intelligence (soul) which is non-transeunt acquires the shape of understanding.#JB

drashtri-drishyoparaktam chittam sarva-artham ||23||
द्रष्टृदृश्योपरक्तं चित्तं सर्वार्थम् ॥२३॥
draṣṭr̥-dr̥śyoparaktaṁ cittaṁ sarva-artham ॥23॥

draṣṭr̥Dvandva-Kompositum
draṣṭr̥Substantiv Maskulin
Seher
draṣṭr̥
darśVerb
Seher, einer der sieht
darśVerbsehen, erblicken
dr̥śiTatpuruṣa-Kompositum Ablativ
dr̥śiSubstantiv Feminin
Sichtbares
dr̥śi
darśVerb
das Sehen, das Schauen, Auge
darśVerbsehen, erblicken
uparaktamNominativ Singular Neutrum
uparaktaAdjektiv
eingefärbt
uparaktaPartizip Perfekt Passiv
upaPräfixrañjVerb
eingefärbt
upaPräfixnahe, unter, bei, neben
rañjVerb
rajVerb
sich färben, sich röten, in Aufregung geraten
rajVerbsich färben, sich röten, in Aufregung geraten
cittamNominativ Singular Neutrum
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
das Denken, Gedanken, Gemüt, Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
sarvaKarmadhāraya-Kompositum
sarvaAdjektiv
alles
arthamNominativ Singular Neutrum
arthaSubstantiv Maskulin
Zweck, Ziel

Der Wahrnehmungsraum (citta) [ist] eingefärbt durch das sichtbare (dr̥śi) [Objekt (vastu)] und durch den sehenden (draṣṭr̥) [Wesenskern (puruṣa)]. [So ist der Wahrnehmungsraum (citta) in der Lage] alle Zwecke (sarva-artha) [zu erfüllen].

Dr. Ronald Steiner


Überfärbt von dem Purusha und dem Objekte, wird das Cittam fähig, alle Zwecke zu vollbrigen.

Paul Deussen - 1921


The thinking principle (i.e. intellect) tinged by the knower and the knowledge is the totality of objects.

James R. Ballantyne - 1852

tad-asankhyeya-vasanabhish-chitram-api parartham sanhatya-karitvat ||24||
तदसंख्येयवासनाभिश्चित्रमपि परार्थं संहत्यकारित्वात् ॥२४॥
tad-asaṁkhyeya-vāsanābhiś-citram-api parārthaṁ saṁhatya-kāritvāt ॥24॥

tatNominativ Singular nbezieht sich auf das cittam
taPronomen 3. Person
dieses
asaṁkhyeyaKarmadhāraya-Kompositum
asaṁkhyeyaAdjektiv
unzählig
asaṁkhyeya
aPräfixsamPräfixkhyāVerb
unzählig, unzählbar
aPräfixVerneinung
samPräfixzusammen, mit, völlig
khyāVerbbekannt sein, bekannt machen, erschauen, sehen
vāsanābhiḥInstrumentalis Plural
vāsanāSubstantiv Feminin
alte Eindrücke
vāsanā
vasVerb
der vom Geist empfangene und darin bleibende Eindruck
vasVerban einem Ort bleiben, Halt machen, übernachten, verweilen, aufhalten
citramNominativ Singular
citraAdjektiv
angefüllt
citra
citVerbtraSuffix
augenfällig, sichtbar, bunt, verschiedenfarbig, bewegt
citVerbwahrnehmen, bemerken
traSuffixKr̥t-Suffix: bezeichnet Mittel/Instrument einer Handlung, drückt Instrumentalisierung aus
api
apiPartikel
sogar
parārthamNominativ Singular
parārthaAdjektiv
etwas anderes zum Zweck habend
parārtha
paraPräfixarthaSubstantiv Maskulin
etwas anderes zum Zweck habend
paraPräfixvorwärts, vorne
arthaSubstantiv MaskulinZiel, Zweck
saṁhatyaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
saṁhatyaAdjektiv
verbunden
saṁhatya
samPräfixhatyaSubstantiv Neutrum
verbunden
samPräfixzusammen, mit, völlig
hatya
hanVerb
das Töten, das Schlachten
hanVerbschlage, treffen, erschlagen, erlegen
kāritvātAblativ Singular
kāritaAdjektivtvaSuffix Neutrum
Veranlassung
kārita
karVerb
veranlasst, hervorgerufen
karVerbetwas machen, vollbringen, ausführen
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit

Obwohl dieser [Wahrnehmugnsraum (citta)] durch unzählige Eindrücke (vāsanā) angefüllt (citra) [ist], [hat] er einen anderen Zweck (parārtha), durch die Veranlassung der Verbindung [von Wahrnehmungsraum (citta) und Wesenskern (puruṣa)].

Dr. Ronald Steiner


Obgleich das Cittam mit unzähligen Eindrücken erfüllt ist, dient es doch nur einem fremden Zwecke, weil es als ein Aggregat wirkt.

Paul Deussen - 1921


Though variegated by innumerable impressions (mental deposits) it exists for the sake of another because it operates in association.

James R. Ballantyne - 1852

vishesha-darshinah atma-bhava-bhavana-nivrittih ||25||
विशेषदर्शिनः आत्मभावभावनानिवृत्तिः ॥२५॥
viśeṣa-darśinaḥ ātma-bhāva-bhāvanā-nivr̥ttiḥ ॥25॥

viśeṣaBahuvrīhi-Kompositum
viśeṣaSubstantiv Maskulin
Verschiedenheit
viśeṣa
viPräfixśiṣVerb
Unterschied, Verschiedenheit
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
śiṣVerbübrig lassen, verschonen,
darśinaḥNominativ sgEin-
darśinAdjektiv
Sicht
darśin
darśVerb
in etwas Einsicht habend, kennend, schauend
darśVerbsehen, erblicken
ātmaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
ātmanSubstantiv Maskulin
Hauch, Seele, das Selbst
bhāvaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
bhāvaSubstantiv Maskulin
Sein
bhāva
bhūVerb
Entstehung, Geburt
bhūVerbwerden, entstehen; dasein, sein
bhāvanāTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
bhāvanāSubstantiv Feminin
Vorstellung
nivr̥ttiḥNominativ Singular
nivr̥ttiSubstantiv Feminin
das Verschwinden
nivr̥tti
niPräfixvartVerb
das Verschwinden, Aufhören, Unterbleiben
niPräfixinnen, nach innen, innerhalb, unten, zurück
vartVerbsich drehen, rollen

Für den, der diese einzigartige Schau (viśeṣa-darśin) [erlangt hat], [entsteht] ein Verschwinden der Vorstellung (bhāvanā-nivr̥tti) an die Existenz eines Selbst (ātman-bhāvana).

Dr. Ronald Steiner


Für den, welcher die Verschiedenheit [des Purusha vom Cittam] erkennt, schwindet der Wahn, dass es [das Cittam] der tman sei.

Paul Deussen - 1921


The cessation of the (false) notion regarding the soul takes place in him who knows the difference.

James R. Ballantyne - 1852

tada viveka-ninnam kaivalya-kayivalyakevalapragbharam chittam||26||
तदा विवेकनिम्नं कैवल्यकयिवल्यकेवलप्राग्भारं चित्तम्॥२६॥
tadā viveka-nimnaṁ kaivalya-kayivalyakevalaprāgbhāraṁ cittam॥26॥

tadā
tadāPartikel
dann
vivekaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
vivekaSubstantiv Maskulin
Unterscheidung
viveka
viPräfixvicVerb
Scheidung, Trennung, Unterscheidung
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
vicVerbaussondern, unterscheiden, untersuchen, prüfen, isoliert
nimnamNominativ Singular nam Ende eines Kompositums
nimnaSubstantiv Neutrum
sich hinneigend , sonst: Tiefe, Vertiefung
kaivalyaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
kaivalyaSubstantiv Neutrum
Befreiung, vollständige Isolation
kayivalyaWortbildung
kevalaAdjektiv
vollständige Isolation, absolute Glückseligkeit
kevalaAdjektivpur, ausschließlich eigen, allein
prāgbhāramNominativ Singular Neutrum
prāgbhāraSubstantiv Maskulin
Bergabhang, Neigung
prāgbhāra
prāñcAdjektivbhāraSubstantiv Maskulin
Beggipfel, Neigung,
prāñc
praPräfixañc
vorwärts gewandt, vorne befindlich, geneigt
praPräfixvorwärts, vorne
añcVerb
acVerb
gehen, biegen, krümmen
acVerbgehen, biegen, krümmen
bhāra
bharVerb
Bürde, Last
bharVerbtragen, innehaben, besitzen
_Nominativ Singular Neutrum
cittaSubstantiv Neutrum
Wahrnehmungsraum
cittaPartizip Perfekt Passiv
citVerb
das Denken, Gedanken, Gemüt, Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten

Dann ist der Wahrnehmungsraum (citta) zur Unterscheidung (viveka) hin geneigt. [Er s besteht also] eine Neigung zur Befreiung (kaivalya).

Dr. Ronald Steiner


Dann wird das Cittam, durch diese Unterscheidung in Fluß gebracht, den Bergabhang der Erlösung hinabströmen.

Paul Deussen - 1921


Then the mind becomes deflected towards discrimination bowed down towards (or by) isolation.

James R. Ballantyne - 1852

tach-chhidreshu pratyayanntarani sanskarebhyah ||27||
तच्छिद्रेषु प्रत्ययान्न्तराणि संस्कारेभ्यः ॥२७॥
tac-chidreṣu pratyayānntarāṇi saṁskārebhyaḥ ॥27॥

tatTatpuruṣa-Kompositum
ta
der, die das
chidreṣuLokativ Plural
chidraSubstantiv Neutrum
Unterbrechung, Loch, Öffnung
pratyayaTatpuruṣa-Kompositum Akkusativ
pratyayaSubstantiv Maskulin
Vorstellung
pratyaya
pratiPräfixiVerb
Glaube, feste Überzeugung, Gewissheit, Vorstellung
pratiPräfixzurück, entgegen, gegen
iVerbgehen, ausgehen, hingehen
antarāṇi_Nominativ Plural
antaraSubstantiv Neutrum
Inneres, Anderes
antara
antarAdverb
das Innere, das Andere
antarAdverbinnen, innerhalb, hinein
saṁskārebhyaḥAblativ Plural
saṁskāraSubstantiv Maskulin
Vorprägungen
saṁskāra
samPräfixkarVerb
Zubereitung, Zurichtung, Erziehung, Vorprägung
samPräfixzusammen, mit, völlig
karVerbmachen, vollbringen, ausführen

Während der Pausen dieser [Unterscheidungskraft (viveka) bestimmen] andere [Inhalte] die Wahrnehmung (pratyaya), sie entstehen aus den Vorprägungen (saṁskāra).

Dr. Ronald Steiner


Während der Unterbrechungen dieser [Tätigkeit des Unterscheidens] entstehen anderartige Vorstellungen aus rückständigen Eindrücken.

Paul Deussen - 1921


In the intervals thereof other thoughts arise from the self-continuant impressions.

James R. Ballantyne - 1852

hanam-esham kleshavad-uktam ||28||
हानमेषां क्लेशवदुक्तम् ॥२८॥
hānam-eṣāṁ kleśavad-uktam ॥28॥

hānamNominativ Singular
hānaSubstantiv Neutrum
Aufhören
hāna
Verb
das Verlassen, Fahrenlassen, Aufgeben
Verblassen, verlassen, überlassen,
eṣāmGenitiv Plural
etadPronomen 3. Person
dieser
kleśavatNominativ Singular
kleśaSubstantiv MaskulinvatSuffix Neutrum
wie bei den Kleshas, den leidvollen inneren Kräften
kleśa
kliśVerb
Schmerz, Leiden, Beschwerde
kliśVerbplagen, quälen, leiden, Beschwerde empfangen
tvaSuffix NeutrumNomen Abstraktum: -heit
uktamNominativ Singular
uktaAdjektiv
besprochen
uktamPartizip Perfekt Passiv
vacVerb
besprochen
vacVerbsagen, sprechen, nennen

Die Beseitigung dieser [Vorprägungen (saṁskāra)], sagt man, [erfolgt] wie [die Beseitigung] der leidvollen inneren Kräften (kleśa).

Dr. Ronald Steiner


Die Überwindung derselben sowie der Plagen ist (2,10–11) besprochen worden.

Paul Deussen - 1921


The means of the avoidance of these are explained to be as in the case of the afflictions.

James R. Ballantyne - 1852

prasankhyane 'py-akusidasya sarvatha vivekakhyater-dharma-meghas-samadhih ||29||
प्रसंख्याने ऽप्यकुसीदस्य सर्वथा विवेकख्यातेर्धर्ममेघस्समाधिः ॥२९॥
prasaṁkhyāne 'py-akusīdasya sarvathā vivekakhyāter-dharma-meghas-samādhiḥ ॥29॥

prasaṁkhyāneLokativ Singular
prasaṁkhyānaSubstantiv Maskulin
Zahlung
prasaṁkhyāna
praPräfixsamPräfixkhyāVerb
Zahlung
praPräfixvorwärts, vorne
samPräfixzusammen, mit, völlig
khyāVerbbekannt sein, bekannt machen, erschauen, sehen
api
apiPartikel
sogar
akusīdasyaGenitiv absl Singular
aPräfixkusīdaSubstantiv Neutrum
ohne Gewinn
aPräfixVerneinung
kusīda
kuPartikelsadVerb
Anlehen, Ausleihen auf Zinsen, Wucher
kuPartikeldas Außerordentliche, Außergewöhnliche
sadVerbsitzen, sich niederlassen
sarvathā
sarvathāAdverb
immer, auf alle Weisen
sarvathā
sarvaAdjektiv
in allen Fällen, jedenfalls, durchaus
sarvaAdjektivalles
vivekakhyāteḥabl/gen absl Singular
vivekakhyātiSubstantiv Feminin
Einsicht in die Unterschiedlichkeit
vivekakhyāti
vivekaSubstantiv MaskulinkhyātiSubstantiv Feminin
richtige Einsicht
viveka
viPräfixvicVerb
Scheidung, Sonderung, Trennung, Unterscheidung
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
vicVerbaussondern, sondern
khyāti
khyāVerb
das dafür halten, Bekanntheit, Ruf
khyāVerbbekannt sein, bekannt machen, erschauen, sehen
dharmaTatpuruṣa-Kompositum
dharmaSubstantiv Maskulin
Tugend, Aufgaben
dharma
dharVerb
Sitte, Gesetz, Eigenschaft, Aufgabe, Opfer
dharVerbhalten, tragen, stützen
meghasTatpuruṣa-Kompositum
meghaSubstantiv Maskulin
Wolke
megha
mihVerb
Wolke
mihVerbSamen, Urin oder Eier aussondern
samādhiḥNominativ Singular
samādhiSubstantiv Maskulin
absolute Erkenntnis
samādhi
samPräfixādhiSubstantiv Maskulin
Zusammensetzung, Verbindung, Erleuchtungszustand
samPräfixzusammen, mit, völlig
ādhi
āPräfixdhāVerb
Standort, Lage; Gedanken, Sorgen
āPräfixhin zu, nahe bei
dhāVerbsetzen, stellen, legen

Wenn [jemand] sogar beim Anlegen keinen Gewinn [erwartet], wenn einer immer Einsicht in die Unterscheidungskraft (viveka) [kultiviert], entsteht die absolute Erkenntnis (samādhi) wie eine Wolke der Tugend (dharma).

Dr. Ronald Steiner


Für ihn, der auch bei Anlegung [seines Kapitals] keine Interessen erwartet, wird, da auf alle Weise die Unterscheidung aufleuchtet, der Samâdhi zu einer [Wohltaten herabregnenden] Wolke von Tugenden.

Paul Deussen - 1921


If the ascetic is not desirous of fruit (or is not inert) even when the perfect knowledge has been attained (then) the meditation (technically called) Dharma-megha, could of virtue takes place from the entire discriminative knowledge.

James R. Ballantyne - 1852

tatah klesha-karma-nivrittih ||30||
ततः क्लेशकर्मनिवृत्तिः ॥३०॥
tataḥ kleśa-karma-nivr̥ttiḥ ॥30॥

tatasAblativ
taPronomen 3. Person
durch dieses
kleśaDvandva-Kompositum
kleśaSubstantiv Maskulin
Leiden, Schmerzen, leidvolle innere Tendenzen
kleśa
kliśVerb
Schmerz, Leiden, Beschwerde
kliśVerbplagen, quälen, leiden, Beschwerde empfangen
karmaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
karmanSubstantiv Neutrum
Ursache und Wirkung, motiviertes Handeln
karman
kr̥VerbmanSuffix
Handlung, Werk, Tat, Ursache-Wirkung Beziehung
kr̥Verbtun, vollbringen, ausführen, bewirken
nivr̥ttiḥNominativ Singular
nivr̥tti
Aufhören
nivr̥tti
niPräfixvartVerb
das Verschwinden, Aufhören, Unterbleiben
niPräfixinnen, nach innen, innerhalb, unten, zurück
vartVerbsich drehen, rollen

Dadurch [entsteht] ein Aufhören des motivierten Handelns (karma) und der leidvollen inneren Kräfte (kleśa).

Dr. Ronald Steiner


Dann werden Plagen und Werke zunichte.

Paul Deussen - 1921


therefrom takes place removal of the affliction works.

James R. Ballantyne - 1852

tada sarvavarana-malapetasya jnanasya anantyat jneyam-alpam ||31||
तदा सर्वावरणमलापेतस्य ज्ञानस्य आनन्त्यात् ज्ञेयमल्पम् ॥३१॥
tadā sarvāvaraṇa-malāpetasya jñānasya ānantyāt jñeyam-alpam ॥31॥

tadā
tadāPartikel
dann
sarvaKarmadhāraya-Kompositum
sarvaAdjektiv
alles
āvaraṇaDvandva-Kompositum
āvaraṇaSubstantiv Neutrum
Bedeckung
āvaraṇa
āPräfixvarVerb
Bedeckung, das Verhüllen, das Verdecken
āPräfixnahe, hin
varVerbverhüllen, bedecken, umschließen
malaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
malaSubstantiv Neutrum
Unreinheit, Schmutz
apetaGenitiv absl Singular
apetaAdjektiv
verschwunden
apetaPartizip Perfekt Passiv
apaPräfixiVerb
verschwunden
apaprefApo-Kalypseweg, fort, ohne
iVerbgehen, ausgehen, hingehen
jñānasyaGenitiv Singular
jñānaSubstantiv Neutrum
Wissen, Kennen, Erkennen, Verstehen
jñānaWortbildung
jñāVerb ana |suff Neutrum
Wissen
jñāVerbwissen, kennen
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
ānantyātAblativ Singular
ānantyaSubstantiv Neutrum
Ewigkeit, Endlosigkeit
jñeyamNominativ Singular
jñeyamAdjektiv
zu erkennend
jñeyamPartizip Futur Passiv
jñāVerb
zu erkennend
jñāVerbkennen, wissen; erkennen
alpamNominativ Singular
alpaAdjektiv
gering

Wenn alle Unreinheiten (mala) und Bedeckungen (āvaraṇa) verschwunden [sind], [bleibt] wenig zu erkennen wegen der Unendlichkeit des Wissens (jñāna).

Dr. Ronald Steiner


Dann ist, wegen der Unendlichkeit seines von allen Hindernissen und Flecken befreiten Wissens, alles sonst zu Erkennende ohne Bedeutung.

Paul Deussen - 1921


Then from infiniteness of the knowledge free from the impurity of all its abscurations, the knowable appears small.

James R. Ballantyne - 1852

tatah kritarthanam parinama-krama-samaptir-gunanam ||32||
ततः कृतार्थानां परिणामक्रमसमाप्तिर्गुणानाम् ॥३२॥
tataḥ kr̥tārthānāṁ pariṇāma-krama-samāptir-guṇānām ॥32॥

tatasAblativ
taPronomen 3. Person
darauf
kr̥taKarmadhāraya-Kompositum
kr̥ta
gemacht
kr̥taPartizip Perfekt Passiv
karVerb
gemacht
karVerbmachen, vollbringen, ausführen
arthānāmGenitiv absl Plural
arthaSubstantiv Maskulin
Zweck
pariṇāmaTatpuruṣa-Kompositum
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung
pariṇāmaWortbildung
pariPräfixnamVerb
Umwandlung
pariPräfixum herum
namVerbsich beugen, sich verneigen vor
kramaTatpuruṣa-Kompositum
kramaSubstantiv Maskulin
Gang, Weg
krama
kramVerb
Schrit, Gang, Fuss, das Verfahren
kramVerbschreiten, gehen, zuschreiten auf
samāptiḥNominativ Singular
samāptiSubstantiv Feminin
Beendigung
samāpti
samPräfixāpVerb
Vollendung, Beendigung, Abschluss, Ende
samPräfixzusammen, mit, völlig
āpVerberreichen, einholen
guṇānāmGenitiv Plural
guṇaSubstantiv Maskulin
drei Grundeigenschaften der Natur, Faden einer geflochtenen Schnur

Weil der Zweck (artha~) erfüllt [ist], [entsteht] hierdurch eine Vollendung (~i~samāpati) des Weges der Umwandlungen (pariṇāma) der Grundeigenschaften der Natur (guṇa).

Dr. Ronald Steiner


Darauf erfolgt der Abschluß der Reihe der Veränderungen der Guṇa’s, da sie ihren Zweck erreicht haben.

Paul Deussen - 1921


Thereupon takes place the termination of the succession of the modification of the qualities which have done what was to be done (or which have realised their end).

James R. Ballantyne - 1852

ksana-pratiyogi parinamaparanta-nirgrahyah kramah ||33||
क्षणप्रतियोगी परिणामापरान्तनिर्ग्राह्यः क्रमः ॥३३॥
kṣaṇa-pratiyogī pariṇāmāparānta-nirgrāhyaḥ kramaḥ ॥33॥

kṣaṇaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
kṣaṇaSubstantiv Maskulin
Augenblick
pratiyogīNominativ Singular
pratiyoginSubstantiv Maskulin
Gegner
pratiyogin
pratiPräfixyujVerb
Gegner
pratiprefzuzurück, entgegen, gegen, Gegensatz
yujVerbschirren, anspannen
pariṇāmaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung
pariṇāmaWortbildung
pariPräfixnamVerb
Umwandlung
pariPräfixum herum
namVerbsich beugen, sich verneigen vor
aparāntaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
aparāntaSubstantiv Maskulin
Ende
aparāntawestlichen
aparaAdjektivantaSubstantiv Maskulin
an der Grenze, zukünftiger Tod
apara
apaAdverb
der folgende, westlich, der hintere, der spätere
apaAdverbweg, fort, ab
antaSubstantiv MaskulinRand, Saum, Grenze, Ende, Endpunkt
nirgrāhyaḥNominativ Singular
nirgrāhyaAdjektiv
herauszufinden, erfassen,
nirgrāya
nisPräfixgrabhVerb
herauszufinden, zu erkennen
nisPräfixaußen, nach Außen, außerhalb, ohne
grabhVerbergreifen, mit der Hand fassen
kramaḥNominativ Singular
kramaSubstantiv Maskulin
Gang
krama
kramVerb
Schrit, Gang, Fuss, das Verfahren
kramVerbschreiten, gehen, zuschreiten auf

Das Gegenteil des Augenblicks, der Gang (krama) [der Umwandlungen (pariṇāma) wird] am Ende (aparanta) der Umwandlungen (pariṇāma) erfasst.

Dr. Ronald Steiner


Als Gegenteil des Augenblicks wird dann die ganze Zeitreihe am letzten Ende der Veränderungen erfaßt (vgl. Bṛih. Up. 4,4,16).

Paul Deussen - 1921


The order is counterpart of the moment, perceptible in the latter end of the modification.

James R. Ballantyne - 1852

purushartha-shunyanam gunanam pratiprasavah kaivalyam kayivalyakevalasvarupa-pratishtha va chiti-shaktir-iti ||34||
पुरुषार्थशून्यानां गुणानां प्रतिप्रसवः कैवल्यं कयिवल्यकेवलस्वरूपप्रतिष्ठा वा चितिशक्तिरिति ॥३४॥
puruṣārtha-śūnyānāṁ guṇānāṁ pratiprasavaḥ kaivalyaṁ kayivalyakevalasvarūpa-pratiṣṭhā vā citi-śaktir-iti ॥34॥

puruṣaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
puruṣaSubstantiv Maskulin
Mann, Mensch, das Beseelende im Menschen, Seele
arthaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
arthaSubstantiv Maskulin
Ziel
śūnyānāmGenitiv Plural
śūnyaAdjektiv
leer
śūnya
śūnaSubstantiv Neutrum
leer, öde, unbewohnt, nicht besetzt
śūnaSubstantiv NeutrumLeere, Abwesenheit, Mangel
guṇānāmGenitiv Plural
guṇaSubstantiv Maskulin
drei Grundeigenschaften der Natur, Faden einer geflochtenen Schnur
pratiprasavaḥNominativ Singular
pratiprasavaSubstantiv Maskulin
Rückkehr in den Urzustand
pratiprasava
pratiPräfixpraPräfixVerb
Gegenbefehl, Aufhebung eines Verbotes, entgegengesetzte Wirkung
pratiprefzuzurück, entgegen, gegen, Gegensatz
praPräfixvorwärts, vorne
Verbveranlassen, zeugen, gebähren
kaivalyamNominativ Singular
kaivalyaSubstantiv Neutrum
Befreiung, vollständige Isolation
kayivalyaWortbildung
kevalaAdjektiv
vollständige Isolation, absolute Glückseligkeit
kevalaAdjektivpur, ausschließlich eigen, allein
svarūpaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
svarūpaSubstantiv Neutrum
eigene Gestalt
svaPartikeleigen
rūpaSubstantiv Neutrumäußere Erscheinung, Form
pratiṣṭhāNominativ Singular Feminin
pratiṣṭhaAdjektiv
feststehend
pratiṣṭha
pratiPräfixsthāVerb
feststehend, widerstehend
pratiprefzuzurück, entgegen, gegen, Gegensatz
sthāVerbstehen, stillstehen, stehen bleiben
Partikel
oder
citiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
citiSubstantiv Maskulin
Geist, das Wahrnehmen
citi
citVerb
der denkende Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
śaktiḥNominativ Singular
śaktiSubstantiv Feminin
Kraft
śakti
śakVerb
das Können, Vermögen; Kraft, Fähigkeit; Wirksamkeit
śakVerbvermögen, im Stande sein
iti
itiPartikel
ja so, so, dies

Wenn die Grundeigenschaften der Natur (guṇa) keinen Zweck (artha) für den Wesenskern (puruṣa) mehr haben, [ist] die Befreiung (kaivalya) die Rückkehr zum Urzustand (paratiprasava) oder [anders ausgerüdkt ist] die Kraft (śakti) des Wahrnehmens (citi) [dann] in seiner eigenen Form (sarūpa) ruhend.

Dr. Ronald Steiner


Die Rückströmung der von den Zwecken des Purusha freien Guṇa’s ist die Absolutheit, oder auch sie ist die in ihrer eigenen Natur verharrende Kraft des Geistes.

Paul Deussen - 1921


The re-absorption of those (qualities) void of the aim of the soul or the abiding of the powers of intelligence in its own nature, is isolation.

James R. Ballantyne - 1852

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