Mythologie: Gaṇḍa Bheruṇḍa ist ein mythischer zweiköpfiger Vogel und als Emblem der Mysore-Tradition bekannt. Zwei Köpfe an einem Körper stehen für Wachheit in zwei Richtungen und für gebündelte Kraft, die nicht in Kontrollverlust kippt. Genau deshalb passt der Name zur Form der Āsana: Die beiden Füße neben dem Kopf erinnern an zwei „Adlerköpfe“, die symmetrisch ausgerichtet, wach und zugleich furchteinflößend wirken. Der Mythos liefert damit einen klaren Praxis-Hinweis: Du hältst Gegensätze zusammen, indem Du Intensität mit Ruhe und Kraft mit Weite ausbalancierst, bis aus der extremen Form etwas klar Strukturiertes wird.
Im traditionellen Count: Beginne direkt aus dem Halt des „Nach unten blickenden Hundes“ der vorherigen Bewegungsfolge.
Vinyāsa 4 – Einatmung, Ausatmung:
Schiebe Dich einatmend in die Plank Pose nach vorne und lege Dich ausatmend in die Bauchlage ab. Platziere dabei Deine gestreckten Arme unter Deinem Oberkörper, die Handflächen zeigen zum Boden.
Vinyāsa 5 – Einatmung, 5 Atemzüge, Einatmung:
Hebe mit der Einatmung Deine Beine weit nach oben. Mit der Ausatmung vertiefe die Rückbeuge und senke Deine Füße auf den Kopf in Gaṇḍa Bheruṇḍāsana. Verbleibe bis zur fünften Ausatmung. Atme hier noch einmal ein.
Tipp: Ein einfacher Einstieg führt über Mayūrāsana, die Haltung, die Du bereits aus der 2. Serie kennst. Baue in Mayūrāsana auf den Händen balancierend bereits eine leichte Rückbeuge auf, während der Rumpf auf den Ellenbogen abgestützt bleibt. Kippe dann kontrolliert nach vorne und setze Kinn und Brustbein auf dem Boden ab. Weil der Rumpf weiterhin von den Ellenbogen getragen wird, starten die Beine automatisch höher und lassen sich leichter in die tiefe Rückbeuge führen. Wenn Du die Form stabil gefunden hast, strecke die Arme und nimm so die Endform der Haltung ein.
Vinyāsa 6 – Ausatmung:
Senke Dich zurück in die Bauchlage ab und stütze Dich noch während der Ausatmung in Caturaṅga Daṇḍāsana ab.
Vinyāsa 7 bis 8:
Folge dem Dir bereits bekannten Bewegungsfluss bis zu einem Halt im Adho Mukha Śvānāsana.
Im traditionellen Count: Wechsele hier direkt weiter in den Bewegungsfluss der nächsten Haltung.
Wirkung: Gaṇḍa Bheruṇḍāsana fordert die Rückenlinie, insbesondere Gesäß und Rückenstrecker. Gleichzeitig verlangt sie eine präzise Kontrolle des Schultergürtels. Die Haltung entwickelt Beweglichkeit in Brustwirbelsäule und Hüften. Sauber ausgeführt schult die Haltung Bündelung, Atemruhe und eine genaue Lastverteilung. Unsauber ausgeführt wandert die Belastung dagegen schnell in den Nacken- und Kehlbereich oder in die Lendenwirbelsäule. Übe diese Haltung daher mit Bedacht.
Fotograf: Richard Pilnick - www.richardpilnick.com
Dr. Ronald Steiner
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