Mythologie: Śalabha ist die „Heuschrecke“ – ein Bild für Auftrieb und den plötzlichen, klaren Impuls nach oben. Viparīta („umgekehrt“) dreht dieses Prinzip: Nicht der Sprung trägt, sondern Ordnung im Körper. Du bleibst geerdet und lässt trotzdem Energie aufsteigen. Der Name erinnert daran, dass „Aufwärts“ im Yoga oft aus dem Gegenteil entsteht: aus Stabilität, Demut und präziser Organisation.
Im traditionellen Count: Beginne direkt aus dem Halt des „Nach unten blickenden Hundes“ der vorherigen Bewegungsfolge.
Vinyāsa 4 – Einatmung, Ausatmung:
Schiebe Dich einatmend in die Plank Pose nach vorne und lege Dich ausatmend in die Bauchlage ab. Platziere dabei Deine gestreckten Arme unter Deinem Oberkörper, die Handflächen zeigen zum Boden.
Tipp: Setze das Kinn leicht nach vorne auf und ziehe den Brustkorb anschließend nach hinten. So verlängerst Du die Halswirbelsäule und minimierst ein zu starkes Abknicken, wenn Du im nächsten Vinyāsa die Beine anhebst.
Vinyāsa 5 – Einatmung, 5 Atemzüge, Einatmung:
Hebe Dich in Viparīta Śalabhāsana und verbleibe bis zur fünften Ausatmung. Atme hier noch einmal ein.
Tipp: Das Anheben der Beine aus der Bauchlage kann anfangs unmöglich wirken. Nutze deshalb zunächst einen einfacheren Aufbau: Wandere mit den Füßen dicht an die Hände heran. So entsteht eine tiefe Rückbeuge in der Brustwirbelsäule, während die Knie noch am Boden sind. Strecke dann die Beine, während die Füße am Boden bleiben – so vertiefst Du die Rückbeuge weiter. Schiebe Deinen Herzraum konstant vom Kinn weg gegen den Boden. Erst wenn Du hier stabil bist, hebe langsam erst ein Bein, dann das andere. Deine gestreckten Arme übernehmen dann schrittweise das Gewicht, das zuvor auf den Füßen lag. So kommst Du kontrolliert nach oben, ohne in den Nacken „hineinzuspringen“.
Vinyāsa 6 – Ausatmung:
Senke Dich zurück in die Bauchlage ab und stütze Dich noch während der Ausatmung in Caturaṅga Daṇḍāsana ab.
Tipp: Um Dich später kontrolliert mit beiden Beinen gleichzeitig anheben zu können, nutze den Weg aus der Haltung als exzentrisches Training: Drücke Handflächen und Arme fest in den Boden. Spanne die Beine über die Rückseite, als würdest Du die Füße Richtung Hinterkopf ziehen. Rolle dann sehr langsam, die Rückbeuge haltend, von oben nach unten ab, bis Du wieder bäuchlings auf der Matte ankommst. Wenn das kontrolliert gelingt, kannst Du denselben Ablauf anschließend auch konzentrisch im Weg in Vinyāsa 5 umsetzen.
Vinyāsa 7 bis 8:
Folge dem Dir bereits bekannten Bewegungsfluss bis zu einem Halt im „Nach unten blickenden Hund“.
Im traditionellen Count: Wechsele hier direkt weiter in den Bewegungsfluss der nächsten Haltung.
Wirkung: Viparīta Śalabhāsana kräftigt die gesamte Rückseite (Gesäß, Beinrückseite, Rückenstrecker) und schult die Zusammenarbeit von Schultergürtel und Rumpf, damit Aufrichtung ohne Kollaps entsteht. Sauber ausgeführt verbessert sie Körperspannung und „Auftrieb“ in rückenlinienbetonten Positionen; unsauber wandert die Belastung schnell in Lendenwirbelsäule oder Nacken.
Fotograf: Richard Pilnick - www.richardpilnick.com
Dr. Ronald Steiner
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