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Im letzten Sommer habe ich eine Ashtanga Yoga Innovation Ausbildung begonnen. Nicht wegen Ashtanga Yoga, das hatte ich bis dahin fast gar nicht praktiziert, sondern wegen Dr. Ronald Steiner, dem Ausbilder und Begründer von Ashtanga Yoga Innovation (AYInnovation®).

Ron ist nicht nur ein großartiger Mensch und Lehrer, sondern auch ein Yogi mit Leib und Seele – und zwar fast von Kindesbeinen an. Zudem ist Ron Sportmediziner, und er verknüpft auf beeindruckende Weise das traditionelle Übungssystem des Ashtanga Yoga mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Medizin, der Bewegungslehre und der Psychologie.

Ich hatte einige Anatomie-Workshops bei Ron besucht und war fasziniert von seinem unglaublichen Fachwissen und seiner inspirierenden Art, dies zu vermitteln. Schon nach dem ersten Workshop mit dem Titel „Ausrichtung auf das Lebendige“ wusste ich: Das ist es, was ich lernen möchte. Dies ist genau das Wissen, das ich benötige, um meine Schüler und Schülerinnen auf ihrem Yogaweg zu begleiten und individuell zu fördern.

Ein Quantenschub für meine Praxis

Dann kam die erste Ausbildungswoche, und es wurde höchste Zeit für mich, mit meiner eigenen Ashtanga-Praxis zu beginnen. Erstaunlicherweise war es mir – dank der Modifikationen, die Ashtanga Yoga Innovation bietet – schon nach wenigen Tagen möglich, die erste Serie komplett zu üben, am Ende der Woche praktizierte ich sie relativ fließend und ohne noch groß nachdenken zu müssen, welche Asana (Übung) oder Sequenz denn als nächstes kommt.

Und dann passierte noch etwas ganz Erstaunliches: Zu Hause übte ich weiter die erste Serie des Ashtanga Yoga – ja, tatsächlich übte ich von dieser Woche an nichts anderes mehr. Zehn Jahre hatte ich, trotz regelmäßiger Yogapraxis, gebraucht, bis ich überhaupt in der Lage war, selbständig zu üben und mehrmals wöchentlich meine Matte auszurollen. Drei weitere Jahre lang war es ein mehr oder weniger harter Kampf gewesen, denn jeden Tag stellte sich aufs Neue die Frage: „Was übe ich denn heute?“ Beziehungsweise: „Welche Asana mache ich als nächstes?“ Und auf einmal ging alles ganz leicht. Meine tägliche Praxis wurde länger, intensiver, konzentrierter, selbstverständlicher. Wie war das möglich?

Meditation in Bewegung

Ashtanga Yoga ist ein jahrhundertealtes Übungssystem, das allerdings in Vergessenheit geraten war und um 1924 von Krishnamacharya wiederbelebt und in Mysore, einer Stadt in Südindien, unterrichtet wurde. Sein Schüler Sri K. Pattabhi Jois hat das Ashtanga Yoga, wie es heute praktiziert wird, geformt und in den Westen gebracht. Es besteht aus sechs verschiedenen Serien. Für normal sterbliche Yogis ist aber die erste Serie meist ausreichend. Bei regelmäßiger Praxis ist es möglich, die zweite Serie zu meistern, doch sie fordert schon ein hohes Maß an Körperbeherrschung, Kraft und Flexibilität und natürlich auch entsprechende körperliche Voraussetzungen. Die dritte und vierte Serie üben nur sehr wenige, die fünfte und sechste bestenfalls eine Handvoll Menschen weltweit.

Doch allein die erste Serie bietet – auch durch die Modifikationen, die Ronald Steiner mit seinem Ashtanga Yoga Innovation entwickelt hat – so viele Möglichkeiten und Optionen, dass es eigentlich nie langweilig wird.

Der Vorteil einer festen Serie liegt darin, dass man nicht mehr nachdenken muss, was man übt und was als nächstes kommt – höchstens noch, welche Modifikationen man üben möchte (je nach körperlicher Verfassung), bis wohin man praktiziert (abhängig von der zur Verfügung stehenden Zeit) oder welche Sequenzen man gegebenenfalls überspringt, um an späterer Stelle die Serie fortzusetzen.

Das Üben einer festen Serie macht es viel leichter, die Matte überhaupt einmal auszurollen, es bringt Leichtigkeit und Stetigkeit in die Praxis – und auch viel mehr Tiefe. Denn dadurch, dass man die Serie irgendwann in- und auswendig kennt und nicht mehr nachdenken muss, was als nächstes kommt, kann man sich ganz auf Ausführung, Ausrichtung und Atem konzentrieren. Durch die Sonnengrüße, die zu Beginn geübt werden, kommt man schnell in einen sanften Flow. Vinyasas zwischen den einzelnen Asanas sorgen dafür, dass man warm und im Flow bleibt. Dies wird noch verstärkt durch die mit hoher Präzision praktizierten Asanas, die jeweils für fünf Atemzüge gehalten werden, und auch durch die in einem exakten Rhythmus ausgeführten Übergänge und Wechsel zwischen den Asanas. So wird die Yogapraxis mehr und mehr zu einer Meditation in Bewegung.

Üben im Mysore Style

Das vielleicht Außergewöhnlichste am Ashtanga Yoga nach Pattabhi Jois ist der Unterricht im Mysore Style. Das bedeutet, dass die Stunde nicht von einem Lehrer angeleitet wird, sondern der Schüler selbständig praktiziert – im eigenen Rhythmus, mit den für ihn passenden Modifikationen und Sequenzen. Der Lehrer assistiert „nur“, gibt Hilfestellungen und zeigt dem Schüler neue Übungen und Sequenzen, wenn er es für angemessen hält beziehungsweise der Schüler dafür bereit ist. Zudem achtet er auf die exakte Ausrichtung (Alignment), die insbesondere in der Ashtanga Yoga Innovation-Praxis eine ganz wichtige Rolle spielt. – Ronald Steiner spricht von Bandhalign®, der Kunst der Ausrichtung durch die Techniken von Bandha, die zum Ziel hat, physisch, psychisch und emotional in Balance zu gelangen. Letztendlich entsteht so eine maßgeschneiderte, sehr persönliche Yogapraxis, die von therapeutisch-präventiv bis hin zu sportlich-akrobatisch reichen kann. Auch können fortgeschrittene Yogis mit Einsteigern ohne Schwierigkeiten zusammen üben, da jeder ganz eigenständig nach eigenen Möglichkeiten sein individuelles Yoga praktiziert.

Ashtanga Yoga Innovation im Mattengold

Das Yoga, das wir im Mattengold unterrichten, ist stark beeinflusst durch das von Dr. Ronald Steiner unterrichtete Ashtanga Yoga Innovation; auch die normalen offenen Kurse, in denen wir keine feste Serie üben und der Stundenaufbau variiert. So praktizieren wir zum Beispiel zu Beginn der Stunde Sonnengrüße, auch modifizierte, und zwischen den Übungen Vinyasas; aber auch die Art und Weise, wie wir Standhaltungen üben wie Utthita Trikonasana (Dreieck), Utthita Parsvakonasana (gestreckter Winkel) oder Prasarita Padottanasana (Vorbeuge in der Grätsche) entspricht der Ausführung im Ashtanga Yoga.

Eine erste AYInnovation-Klasse für Geübte, in der wir die erste Serie praktizieren, gibt es seit Ende März immer donnerstags um 19:30 Uhr; wir empfehlen eine regelmäßige Praxis seit mindestens sechs Monaten, um an dem Kurs teilzunehmen.

Am Donnerstag, 5. Mai (Christi Himmelfahrt) haben auch Schüler mit weniger Yoga-Erfahrung (das ein oder andere Mal solltest du schon eine Yogamatte ausgerollt haben) die Möglichkeit, Ashtanga-Luft zu schnuppern. In einem zweieinhalb-stündigen Workshop (10:00 – 12:30 Uhr) vermitteln wir die Grundlagen von Ashtanga Yoga Innovation und üben die erste Serie bis (mindestens) Purvottanasana. Kosten: 20,- Euro für Abo-Besitzer, 25,- Euro für Zehnerkarten-Besitzer und Schnupper-Abos, 30,- Euro für alle anderen. Weitere Infos in Kürze. Anmeldung ab sofort anstudio@mattengold.de

Einen Basic-Kurs Ashtanga Yoga Innovation gibt es aktuell noch nicht. Sicher ist aber, dass der nächste Basic-Kurs ein AYI-Kurs sein wird.

Wenn das AYI-Angebot gut angenommen wird, planen wir ab Herbst eine Mysore-Stunde anzubieten.

Veröffentlichungs Ort

AYI Schulen

Mattengold

Renzwiesen 6, 70327 Stuttgart, Deutschland