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Praxis

Von wahrhaft majestätischer Schönheit ist die Einheit von Atmung und Bewegung. Warum wir mit der Atemtechnik des Ujjayi-Pranayama eine Pforte öffnen, Schnee schmelzen oder die Brandung wie ein Surfer nutzen können, erfährst du hier...

Alles ist Prana - Energie - davon sind die Yogis überzeugt. Der Atem gilt als Bindeglied zwischen physischer und der energetischen Welt.Mit der richtigen Atemtechnik kannst Du die Pforte zu unendlicher Energie öffnen. Ujjayi heißt die richtige Technik für das Ashtanga Yoga. Mit folgenden einfachen Schritten kannst Du Ujjayi Atmung erlernen (Lass Dir den Text langsam vorlesen, nach jedem Abschnitt eine kleine Pause):

Setze Dich aufrecht hin, schließe Deine Augen. Atme langsam durch die Nase ein und durch den Mund aus.

Beim Ausatmen erzeuge ein „HHHAAA“.

Schließe nun den Mund während des Ausatmens. Lass Deine Kehle in unveränderter Form und erzeuge genau denselben Ton, nun mit geschlossenem Mund. Achte darauf, dass der Ton in der Kehle entsteht und nicht in der Nase.

Nun behalte die Form Deiner Kehle auch während der Einatmung bei. Auch bei der Einatmung entsteht nun derselbe rauschende Ton.

Beginne jetzt Deine Einatmung mit der Ausatmung zu balancieren. Balanciere Klang, Qualität und Länge. Du wirst feststellen, dass die Ausatmung meist länger und kraftvoller ausfällt. Verlängere und betone daher Deine Einatmung. Dies ist die erste Weise auf die der Atem gedehnt wird.

Spüre Deinen Herzschlag. Atme etwa drei bis fünf Herzschläge lang ein und drei bis fünf Herzschläge lang aus. So entsteht eine zweite Dehnung im Atem, diesmal sowohl auf die Einatmung, als auch auf die Ausatmung..

Hebe nun beim Einatmen Deine Arme und senke Deine Arme mit der Ausatmung. Die dritte Dehnung des Atems passt diesen an die Bewegung (Vinyasa) an. Lasse nun Deine Arme erneut im Schoß liegen, während Dein Atem unverändert weiterfließt. Erlebe die Wirkung des Atems. Über das Dehnen des Atems wird Prana (Energie) aufgenommen. Vielleicht kannst Du dies an der Rückseite der Kehle in Form eines zarten Kribbelns wahrnehmen. Mit zunehmender Praxis wird die Qualität Deines Atems subtiler und Du wirst besser mit der Energie in Kontakt kommen.

Konzentriere Dich nun auf den Umschlagspunkt zwischen Einatmung und Ausatmung. Achte darauf, den Atem hier nicht stocken zu lassen. Behalte Deine Kehle offen. Dies ist die Basis für fortwährenden Energiefluss.

Öffne jetzt langsam wieder Deine Augen und kehre zu einer normalen Atmung zurück.

Du hast nun Ujjayi Pranayama (Atmung) erlernt. Sicher wird es noch einiges an Übung bedürfen, bis sich diese Qualität des Atems auch während der körperlichen Praxis einstellt.

Man sagt, dass Yogis mit Ujjayi Atmung Schnee zu schmelzen vermögen. Hitze mag Deine erste Erfahrung mit dieser Technik sein. Mit zunehmender Praxis wird die Energie subtiler. Es entsteht eine ruhige gleichmäßige Kraft tief in Dir. So kannst Du schier unmögliche physische Anstrengung mit Leichtigkeit meistern.

Oberflächlich betrachtet heben Muskeln den Yogi in die Luft. Doch die Atmung gibt den Muskeln erst das Prana (Energie) dafür. Prana ist die Grundlage von allem. Es kann mit Bewusstsein in jeden beliebigen Teil des Körpers geleitet werden, um diesen zu heilen und zu kräftigen. So ist der Atem für den Yogi der Schlüssel zu Gesundheit, Kraft und Vitalität. Wo kein Atem, da ist auch kein Leben.

Ujjayi Pranayama wird oft auch „Siegreicher Atem“ genannt. Er gibt die Kraft, jede Asana zu meistern. Das aufgenommene Prana (Energie) kann auch direkt den Körper bewegen. So wird es möglich, dass auch schmächtige Yogis in ihren Bewegungen die Schwerkraft außer Kraft setzen und schier schwerelos durch die Bewegungen gleiten.

So wie die Wellen den Strand formen, so formt die Atmung die Ashtanga Yoga Praxis. Deine innere Meeresbrandung setzt ihren Rhythmus. Das Rauschen der Atmung wird zum Rauschen eines inneren Ozeans. Gleichmäßig spülen Wellen der Einatmung an eine innere Küste und ziehen sich mit der Ausatmung zurück. Erlebe die Qualität Deiner inneren Küste. Ist es ein flacher Sandstrand, an dessen sanfter Fläche sich die Wellen leise bis in die Unendlichkeit verlieren? Ragen schroffe Klippen aus der Brandung und die Wellen brechen mit lautem Getöse an kahlem Fels? Finde eine Küste, die zu Dir und Deiner Praxis heute passt. - Nicht zu steil, nicht zu flach.

Wie ein Surfer die Wellen eines äußeren Ozeans reitet, so trägt Deine innere Brandung Dich mühelos von Position zu Position. Jede Bewegung richtet sich an der Atmung aus.

Auch aus physiologischer Sicht ist Ujjayi Pranayama eine sehr wertvolle Technik. Die Atmung durch die Nase befeuchtet die Luft, temperiert sie und befreit sie von Schmutzpartikeln. Durch Ujjayi Pranayama atmest Du saubere Luft. Das Ujjayi Geräusch erzeugt eine leichte Vibration der Bronchien; das Flimmerepithel wird aktiviert; die Lunge wird auf diese Weise zusätzlich von Schmutzpartikeln gereinigt. Bei normaler Atmung ist während der Ausatmung der Druck innerhalb der Bronchien nur gering. Ujjayi Pranayama hält auch während der Ausatmung einen gewissen Druck innerhalb der Bronchien aufrecht. Durch diesen wird ein Kollabieren der kleinsten Bronchien verhindert. Die Ausatmung kann so tiefer werden. Es verbleibt weniger Restluft in der Lunge. Vor allem für Menschen, die an einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung oder an Asthma leiden, ist diese Atemtechnik daher sehr wertvoll.