Ein Metrum entsteht dadurch, dass im Saṁskr̥t eine Silbe entweder betont (guru) oder unbetont (laghu) ist. Hier lernst Du zu erkennen wo Du betonst und nicht betonst.

Sanskrit Metren

Eine Silbe

Saṁskr̥t ist eine auf Silben basierte Sprache.  So findest Du die Silbe:

  • Der Vokal (a, ā, i, ī, u, ū), Sonant (, r̥̄, , l̥̄) oder Diphthong (e, ai, o, au) bildet jeweils das Zentrum einer Silbe.
  • Alle Vokalmodifikatoren ( und ), die stets, wie der Name schon sagt, nach dem Vokal stehen, gehören mit zu dieser Silbe.
  • Alle sonstigen Konsonanten, die vor dem Vokal stehen, gehören mit zu dieser Silbe. Eine Silbe kann dabei sogar eine Wortgrenze überspannen.

Hinweis: In der Devanāgarī-Schrift wird jede Silbe von einem Buchstaben dargestellt. 

Gewicht einer Silbe (guru / laghu)

Eine Silbe ist entweder betont (guru) oder unbetont (laghu).  Eine Silbe ist dann betont (guru), wenn:

  • Der Vokal / Sonant / Diphthong lang ist:
    Bei den Vokalen also (ā, ī, ū)
    Bei den Sonanten (r̥̄, l̥̄)
    Diphthonge sind immer lang( e, ai, o, au)
  • Nach dem Vokal ein Vokalmodifikator (, ) folgt.
  • Die nächste Silbe mit mehr als einem Konsonanten beginnt.
    Beachte: Aspirierte Konsonanten (kh, gh, ch, jh, ṭh, ḍh, th, dh, ph, bh) zählen als ein Konsonant.
  • Silben vor dem Ende einer metrischen Zäsur, bzw. Zeilenende eines metrischen Textes, sind immer lang
    Hinweis: Mehr zur metrischen Zäsur im folgenden Artikel.

Alle anderen Silben sind kurz (laghu).

Tipps für die Aussprache

Auch im Deutschen und anderen Indo-Europäischen Sprachen sind Silben betont oder unbetont. Das fällt vielen nicht auf, da wir den Rhythmus der Sprache in unserem unbewussten Sprechgefühl verankert haben. Wir merken lediglich ebei einem Gedicht, dass es wohl klingt. Bei einer fremden Sprache fällt es allerdings oft schwer das Betonen und Nichtbetonen korrekt wieder zu geben. Folgender Trick kann Dir helfen: 

  1. Spreche betonte Silben lauter als unbetonte
  2. Spreche betonte Silben länger als unbetonte
  3. Klatsche bei betonten Silben

Darstellung der Betonung

Das analysieren ob eine Silbe betont (guru) oder unbetont (laghu) ist, braucht gerade am Anfang etwas länger. Daher hat es sich bewährt über die einzelnen Silben mit kleinen Zeichen zu kenntlich zu machen. Hierbei haben sich zwei widersprüchliche Systeme etabliert:

A) Das indische System

Hier denken wir an das rezitieren. Ein Lehrer würde eine Silbe betonen, indem er den Finger oder die Hand hebt. Folglich macht man über die betonten (guru) Silben einen senkrechten Strich. Bei den unbetonten (laghu) Silben senkt der Lehrer hingegen die Hand. Folglich macht man über diese Silben einen horizontalen Strich. 

Beispiel (Śvetāśvatara Upaniṣad 1.2):

   |   |          _      |    |   _   _    |     _    |       |
kālaḥ svabhāvo niyatir yadṛcchā;

      |    |  _     |    |     _     _   |  _   |       |
bhūtāni yoniḥ puruṣeti cintyam /

B) Das europäische System

Im europäischen System denkt man eher daran wie lang man eine Silbe ausspricht. Mit einer horizontalen Linie kennzeichnet man so die betonten (guru) Silben. Mit einem Häkchen die nicht betonten (laghu) Silben.

Beispiel (Śvetāśvatara Upaniṣad 1.2):

   _    _       v     _    _     v  v  _    v    _        _ 
kālaḥ svabhāvo niyatir yadṛcchā;

      _   _  v     _   _      v  v  _ v     _       _ 
bhūtāni yoniḥ puruṣeti cintyam /

Diese beiden System können durchaus verwirren. Denn sie nutzen ähnliche Zeichen in gegensätzlicher Bedeutung. 

Bereit zum Rezitieren?

Hiermit hast Du bereits das Werkzeug einen in einem Versmaß verfassten Text in der vorgesehenen harmonischen Rhythmik zu rezitieren. Gehe dabei wie folgt vor:

  1. Schreibe Dir den Text in Lautschrift auf.
  2. Kennzeichne in einem System die Betonungen und Nicht-Betonungen
    Empfehlung: Nutze das indische System
  3. Lese den Text und klatsche bei betonten Silben
  4. Wiederhole das bis ein harmonischer Rhythmus und schließlich sogar Melodie entsteht.

Hinweis: Nach Deinem Gefühl, oder wie Du es von Deinem Lehrer gelernt hast, entstehen beim Rezitieren unterschiedliche Tonhöhen und damit eine Melodie. Für ein und den selben Text ist zwar immer nur ein Metrum korrekt, jedoch sind verschiedene Melodien möglich.

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