3. Serie - Sthira Bhaga

viranchyasana
विरञ्च्यासन

virañcyaMaskulin
viPräfixrañjVerbalwurzel
der Gleichmütige; Name von Brahma
āsanaSubstantiv NeutrumSitz, Haltung

Mythologie: Virañcya ist ein Beiname von Brahmā als Schöpfungsprinzip. In einer zentralen Bildsprache der Purāṇas gilt Brahmā als „lotusgeboren“ (padmaja): Er erscheint auf dem Lotus, der aus dem Nabel Viṣṇus/Nārāyaṇas (Padmanābha) emporwächst. Schöpfung erhebt sich also aus dem „Urgrund“ des Bewusstseins – klar, aufgerichtet, tragfähig. Genau dieses Bild trifft Virañcyāsana A3: Aus der scheinbaren Verwirrung von Lotus und „Bein hinter Kopf“ organisierst Du Atem und Bandha so präzise, dass Du Dich in die Armbalance aufrichtest. Nicht rohe Kraft hebt Dich, sondern Struktur – wie Brahmā auf dem Lotus.

Im traditionellen Count: Beginne direkt aus der vorherigen Haltung.

Vinyāsa 10 – Einatmung, 5 Atemzüge:
Stütze Dich einatmend mit beiden Händen vom Boden ab. Schwinge dann Dein linkes Knie auf Deinen linken Oberarm, während Dein rechtes Bein hinter dem Kopf verweilt. Verweile hier bis zur fünften Ausatmung in der Haltung.

Tipp: Setze die Hände schulterbreit und „krall“ die Fingerkuppen in den Boden, damit die Handgelenke stabil bleiben. Lehne den Oberkörper minimal nach vorne, bevor Du abhebst: Der Schwerpunkt muss über die Hände. Halte Bandhas aktiv und ziehe die Rippen sanft nach innen/oben, statt Dich in den Schultern „sacken“ zu lassen. Wenn das Abheben nicht kommt, liegt es meist nicht an fehlender Kraft, sondern daran, dass der Schwerpunkt zu weit hinten bleibt. Dein linkes Knie bleibt zunächst zwischen den Armen. Mit weiterem Vorneigen der Schultern kannst Du es leicht über den linken Oberarm nach außen schwingen. So wird die Haltung in sich stabil.

Vinyāsa 11–13:
Folge dem Dir bereits bekannten Bewegungsfluss bis zu einem Halt im „Nach unten blickenden Hund“.

Vinyāsa 14 bis 20:
Wiederhole dann den gesamten Bewegungsfluss (Vinyāsa 7 bis 13) auf der anderen Seite.

Im traditionellen Count: Der Bewegungsfluss läuft von hier direkt in die nächste Haltung weiter.

Wirkung: Virañcyāsana A3 kombiniert die Anforderungen aus Lotus und „Bein hinter Kopf“ mit einer klaren Armbalance-Komponente: Handgelenke, Unterarme und Schultergürtel müssen tragen, während Hüfte und Knie stabil bleiben. Richtig aufgebaut fördert sie Ganzkörperkoordination, eine starke Rumpfspannung und ein sehr präzises Gefühl für Schwerpunkt und Bandha. Achtung: Wenn die Last nach hinten kippt oder die Schultern kollabieren, steigt der Druck schnell auf Handgelenke, Nacken und – bei instabilem Lotus – ins Knie.


Fotograf: Richard Pilnick - www.richardpilnick.com

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