Patañjali spannt mit den letzten Versen des Yoga Sūtra eine Bogen zurück. Unser Wesenskern (Puruṣa) erkennt sich selbst und ruht in seiner eigenen Form (svarūpa).

Yoga Sutra 4: Über innere Freiheit
kṣaṇaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
kṣaṇaSubstantiv Maskulin
Augenblick
kṣaṇaSubstantiv MaskulinAugenblick
pratiyogīNominativ Singular
pratiyoginSubstantiv Maskulin
Gegner
pratiyoginSubstantiv Maskulin
pratiPräfixyujVerb
Gegner
pratiprefzutozurück, entgegen, gegen, Gegensatz
yujVerbschirren, anspannen
pariṇāmaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
Umwandlung
pariṇāmaSubstantiv Maskulin
pariPräfixnamVerb
Umwandlung
pariPräfixum herum
namVerbsich beugen, sich verneigen vor
aparāntaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
aparāntaSubstantiv Maskulin
Ende
aparāntaSubstantiv Maskulin
aparaAdjektivantaSubstantiv Maskulin
an der westlichen Grenze, zukünftiger Tod
aparaAdjektiv
apaAdverb
der folgende, westlich, der hintere, der spätere
apaAdverbweg, fort, ab
antaSubstantiv MaskulinRand, Saum, Grenze, Ende, Endpunkt
nirgrāhyaḥNominativ Singular
nirgrāhyaAdjektiv
herauszufinden, erfassen
nirgrāhyaAdjektiv
nisPräfixgr̥bhVerb
herauszufinden, erfassen
nisPräfixaußen, nach Außen, außerhalb, ohne
gr̥bhVerbergreifen, mit der Hand fassen
kramaḥNominativ Singular
kramaSubstantiv Maskulin
Abfolge
kramaSubstantiv Maskulin
kramVerb
Schritt, Gang, Fuss, das Verfahren
kramVerbschreiten, gehen, zuschreiten auf

Das Gegenteil des Augenblicks (kṣaṇa) ist die Abfolge der Wandlungen (krama). Im diesem Zustand, in dem alles zur Ruhe gekommen ist, kannst Du die gesamte Abfolge von Wandlungen überblicken und verstehen.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Das Gegenteil des Augenblicks (kṣaṇa), die Abfolge (krama) [der Umwandlungen (pariṇāma) wird] am Ende (aparanta) der Umwandlungen (pariṇāma) erfasst.

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Als Gegenteil des Augenblicks wird dann die ganze Zeitreihe am letzten Ende der Veränderungen erfaßt (vgl. Bṛih. Up. 4,4,16).

Paul Deussen - 1908


The order is counterpart of the moment, perceptible in the latter end of the modification.

James R. Ballantyne - 1852

puruṣaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
puruṣaSubstantiv Maskulin
Mann, Mensch, das Beseelende im Menschen, Seele
puruṣaSubstantiv MaskulinMann, Mensch, das Beseelende im Menschen, Seele
arthaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
arthaSubstantiv Maskulin
Ziel
arthaSubstantiv MaskulinZiel
śūnyānāmGenitiv Plural
śūnyaAdjektiv
leer
śūnyaAdjektiv
śūnaSubstantiv Neutrum
leer, öde, unbewohnt, nicht besetzt
śūnaSubstantiv NeutrumLeere, Abwesenheit, Mangel
guṇānāmGenitiv Plural
guṇaSubstantiv Maskulin
drei Grundeigenschaften der Natur, Faden einer geflochtenen Schnur
guṇaSubstantiv Maskulindrei Grundeigenschaften der Natur, Faden einer geflochtenen Schnur
pratiprasavaḥNominativ Singular
pratiprasavaSubstantiv Maskulin
Rückkehr in den Urzustand
pratiprasavaSubstantiv Maskulin
pratiPräfixpraPräfixVerb
Gegenbefehl, Aufhebung eines Verbotes, entgegengesetzte Wirkung
pratiprefzutozurück, entgegen, gegen, Gegensatz
praPräfixvorwärts, vorne
Verbveranlassen, zeugen, gebären
kaivalyamNominativ Singular
kaivalyaSubstantiv Neutrum
Befreiung, vollständige Isolation
kayivalyaSubstantiv Neutrum
kevalaAdjektiv
vollständige Isolation, absolute Glückseligkeit
kevalaAdjektivpur, ausschließlich eigen, allein
svarūpaTatpuruṣa-Kompositum Lokativ
svarūpaSubstantiv Neutrum
eigene Gestalt
svaPartikeleigen
rūpaSubstantiv Neutrumäußere Erscheinung, Form
pratiṣṭhāNominativ Singular Feminin
pratiṣṭhaAdjektiv
feststehend fixed}
pratiṣṭhaAdjektiv
pratiPräfixsthāVerb
feststehend, widerstehend
pratiprefzutozurück, entgegen, gegen, Gegensatz
sthāVerbstehen, stillstehen, stehen bleiben
Partikel
oder
Partikeloder
citiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
citiSubstantiv Maskulin
Geist, das Wahrnehmen
citiSubstantiv Maskulin
citVerb
der denkende Geist
citVerbwahrnehmen, bemerken, beobachten
śaktiḥNominativ Singular
śaktiSubstantiv Feminin
Kraft
śaktiSubstantiv Feminin
śakVerb
das Können, Vermögen; Kraft, Fähigkeit; Wirksamkeit
śakVerbvermögen, im Stande sein
iti
itiPartikel
ja so, so, dies
itiPartikelja so, so, dies

Der Sinn der Grundeigenschaften der Natur (guṇa) liegt darin, dass der Wesenskern (puruṣa) sich selbst erfahren kann. Im Zustand der inneren Freiheit (kaivalya) ist Dein Wesenskern ganz in seiner eigenen Erfahrung aufgegangen. Er ruht dann in seiner eigenen Form (svarūpa).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Wenn die Grundeigenschaften der Natur (guṇa) keinen Zweck (artha) für den Wesenskern (puruṣa) mehr haben, [ist] die Befreiung (kaivalya) die Rückkehr zum Urzustand (paratiprasava) oder [anders ausgedrückt ist] die Kraft (śakti) des Wahrnehmens (citi) in ihrer eigenen Form (svarūpa) ruhend.

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Die Rückströmung der von den Zwecken des Purusha freien Guṇa’s ist die Absolutheit, oder auch sie ist die in ihrer eigenen Natur verharrende Kraft des Geistes.

Paul Deussen - 1908


The re-absorption of those (qualities) void of the aim of the soul or the abiding of the powers of intelligence in its own nature, is isolation.

James R. Ballantyne - 1852

Nachrichten und Bewertungen

Deine Bewertung:

  • Ob ein solcher Zustand nur in der tiefen Meditation erfahren werden kann (Kevala Kumbhaka) oder ebenso im Alltag ist eine letzte Frage ....... Ob ein solcher Zustand nur in der tiefen Meditation erfahren werden kann (Kevala Kumbhaka) oder ebenso im Alltag ist eine letzte Frage .......

    • Hallo Andreas,
      wie ich den Satz verstehe, geht es um einen Zustand der Meditation. - Dieses Erlebnis stellt sich dann auch wirklich gelegentlich ein. Alles löst sich auf und wird zugleich klar. [...] Hallo Andreas,
      wie ich den Satz verstehe, geht es um einen Zustand der Meditation. - Dieses Erlebnis stellt sich dann auch wirklich gelegentlich ein. Alles löst sich auf und wird zugleich klar. Samadhi ist so leicht. :)
      Namaste und big Hug
      Ronald

    • Danke, das hilft mir weiter, denn im Alltag habe ich da echte Zweifel, wir haben uns etwas von unserer Natur entfernt Unabhängigkeit sogar von den Gunas wäre echt starker Tobak... Danke, das hilft mir weiter, denn im Alltag habe ich da echte Zweifel, wir haben uns etwas von unserer Natur entfernt Unabhängigkeit sogar von den Gunas wäre echt starker Tobak...