Dein innerer Wahrnehmungsraum (citta) spiegelt die äußere, wandelbare Welt wieder. Nur diese subjektiv verzerrte Reflexion der äußeren Welt kann Dein Wesenskern (draṣtr̥) wahrnehmen.

Yoga Sutra 2: Über die spirituelle Praxis
draṣṭāNominativ Singular
draṣṭr̥Substantiv Maskulin
Seher
draṣṭr̥Substantiv Maskulin
dr̥śVerbalwurzel
Seher, der da sieht, schaut
dr̥śVerbalwurzelsehen, erblicken, wahrnehmen
dr̥śiTatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
dr̥śiSubstantiv Feminin
Sehen, Auge
dr̥śiSubstantiv Feminin
dr̥śVerbalwurzel
das Sehen, das Schauen, Auge
dr̥śVerbalwurzelsehen, erblicken
mātraḥNominativ Singular
mātraSubstantiv Neutrum
bestimmbar, messbar
mātraSubstantiv Neutrum
Verbalwurzel
bestimmbar, messbar
Verbalwurzelmessen
śuddhaḥNominativ Singular
śuddhaAdjektiv
rein
śuddhaAdjektiv
śudhVerbalwurzel
rein, gereinigt
śudhVerbalwurzelreinigen
api
apiPartikel
obwohl
pratyayaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
pratyayaSubstantiv Maskulin
Vorstellung
pratyayaSubstantiv Maskulin
pratiPräfixiVerbalwurzel
Glaube, feste Überzeugung, Gewissheit, Vorstellung
pratiPräfixzurück, entgegen, gegen
iVerbalwurzelgehen, ausgehen, hingehen
anupaśyaḥNominativ Singular
anupaśyaAdjektiv
erschauend
anupaśyaAdjektiv
anuPräfix pa"sya |adj
erschauend
paśyaAdjektiv
paśVerbalwurzel
sehend, hinschauend
paśVerbalwurzelsehen

Der Seher (draṣṭr̥) ist durch Sehen bestimmt (dr̥śi-mātraḥ), obwohl (api) er [selbst] rein (śuddhaḥ) ist, erschaut er die Vorstellung (pratyayānupaśyaḥ) [in seinem Wahrnehmungsraum (citta)].

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Dein Wesenskern (draṣṭr̥) sieht ausschließlich. Er bleibt dabei von der wandelbaren Welt völlig unberührt. Was er jedoch wahrnimmt, ist die Reflexion der wandelbaren Welt in Deinem inneren Wahrnehmungsraum (citta), der selbst ebenfalls Teil der wandelbaren Welt ist.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Der Seher ist der, welcher bloßes Sehen ist, und, obgleich er rein ist, die Vorstellungen [mittels der Buddhi, Sâňkhya-Kârikâ 36] erschaut.

Paul Deussen - 1908


The ‘seer’ (soul) is vision simply, though pure looking directly on ideas.

James R. Ballantyne - 1852

tadKarmadhāraya-Kompositum
taPronomen 3. Person
dieses
arthaḥNominativ Singular
arthaSubstantiv Maskulin
Zweck
eva
evaPartikel
nur, allein
dr̥śyasyaGenitiv sgObjekt
dr̥śyaSubstantiv Neutrum
das zu sehende
dr̥śyaSubstantiv Neutrum
dr̥śVerbalwurzel
das zu sehende
dr̥śVerbalwurzelsehen
ātmāNominativ Singular
ātmanSubstantiv Maskulin
Essenz
ātmanSubstantiv Maskulin
anVerbalwurzelatVerbalwurzel
Essenz
anVerbalwurzelatmen
atVerbalwurzelbewegen

Allein (eva) dieser Zweck (tad-artaḥ) [geschaut zu werden], [ist] die Essenz der sichtbaren Objekte (dr̥śyasyātmā).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Die gesamte wandelbare Welt hat nur einen Zweck, nämlich von Deinem Wesenskern (draṣṭr̥) wahrgenommen zu werden.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Und dies ist der einzige Zweck, dem das Wesen des Sichtbaren [des Objektiven, der Prakṛiti] dient.

Paul Deussen - 1908


For the sake of it alone is the entity of the visible.

James R. Ballantyne - 1852

kr̥taBahuvrīhi-Kompositum
kr̥taAdjektiv
vollbracht, gemacht
kr̥taAdjektiv
kr̥Verbalwurzel
gemacht
kr̥Verbalwurzelmachen, vollbringen, ausführen
arthamAkkusativ Singular
arthaSubstantiv Neutrum
Zweck
prati
pratiPräfix
gegen, nicht
naṣṭam Neutrum Nominativ Singular
naṣṭaAdjektiv
zerstört
naṣṭaAdjektiv
naśVerbalwurzel
zerstört, verschwunden
naśVerbalwurzelverschwinden, abhanden kommen
api
apiPartikel
wahrlich
anaṣṭamNeutrum Nominativ Singular
anaṣṭaAdjektiv
unzerstört
naṣṭaAdjektiv
aPräfixnaśVerbalwurzel
unzerstört, nicht verschwunden
aPräfixVerneinung
naśVerbalwurzelverschwinden, abhanden kommen
tad Neutrum Nominativ Singular
taPronomen 3. Person
dieses
anyaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
anyaAdjektiv
für andere
sādhāraṇatvātAblativ Absulotiv Singular
sādhāraṇatvaSubstantiv Neutrum
Allgemeingültigkeit
sādhāraṇatvaSubstantiv Neutrum
PräfixdhāraṇaSubstantiv NeutrumtvaSuffix
Allgemeingültigkeit
Präfixmit
dhāraṇaSubstantiv Neutrum
dhr̥Verbalwurzel
Halten, Zurückhalten
dhr̥Verbalwurzelhalten
tvaSuffixNomen Abstraktum: -heit

[Das wahrnehmbare Objekte ist] zerstört (prati-naṣṭam) für den, der dessen Daseinszweck erkannt (kr̥tārtham) hat. [Doch bleibt es] wahrlich (api) unzerstört (anaṣtam) für andere (anya), denn es ist allgemeingültig (sādhāraṇatvāt).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Hast Du eine für Dich belastende Situation einmal erkannt, so verliert sie für Dich ihre Bedeutung. Doch bleibt die Situation für andere unverändert bestehen. Denn obwohl die Wahrnehmung subjektiv ist, ist das wahrzunehmende Objekt doch objektiv.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Demjenigen [Purusha] gegenüber, der seinen Zweck erreicht hat, ist sie [das Sichtbare, die Prakṛiti] vernichtet, und doch ist sie nicht vernichtet, weil sie allen von ihm verschiedenen [Purusha’s] gemeinsam ist.

Paul Deussen - 1908


Though it have ceased to be in respect of him who has effected what is required, it has not ceased (in regard to all), because it is common to others besides him.

James R. Ballantyne - 1852

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