Prāṇāyāma, wörtlich die Energiepraxis, baut auf der Körperpraxis (Āsana) auf. Beschreibt Patañjali hier konkrete Techniken oder ein Prinzip?

Yoga Sutra 2: Über die spirituelle Praxis
tasmin Lokativ Singular
tatPronomen 3. Person
dieses
satiLokativ Absulotiv Singular
satiAdjektiv
seiend, gut
satiAdjektiv
asVerbalwurzel
existierend, seiend
asVerbalwurzelsein
śvāsaDvandva-Kompositum
śvāsaSubstantiv Maskulin
Einatmung
śvāsaSubstantiv Maskulin
śvasVerbalwurzel
Einatmung
śvasVerbalwurzelatmen
praśvāsayoḥGenitiv Singular
praśvāsaSubstantiv Maskulin
Ausatmung
praśvāsaSubstantiv Maskulin
praPräfixśvāsaSubstantiv Maskulin
Ausatmung
praPräfixvorwärts, hervor
śvāsaSubstantiv Maskulin
śvasVerbalwurzel
Einatmung
śvasVerbalwurzelatmen
gatiTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
gatiSubstantiv Feminin
Bewegung, Gang
gatiSubstantiv Feminin
gamVerbalwurzel
Bewegung, Gang
gamVerbalwurzelgehen
vicchedaḥNominativ Singular
vicchedaSubstantiv Maskulin
Aufhebung, Abtrennung, Anhalten, Transzendenz
vicchedaSubstantiv Maskulin
viPräfixchidVerbalwurzel
Aufhebung, Abtrennung, Anhalten, Transzendenz
viPräfixauseinander, getrennt
chidVerbalwurzelabschneiden, trennen
prāṇāyāmaḥNominativ Singular
prāṇāyāmaSubstantiv Maskulin
Lebensenergie-Übung, Atemübung, Kultivierung der Energie
prāṇāyāmaSubstantiv Maskulin
prāṇaSubstantiv MaskulinayāmaSubstantiv Maskulin
Lebensenergie-Übung, Atemübung
prāṇaSubstantiv Maskulin
praPräfixanaSubstantiv Maskulin
Atem, Lebensatem
praPräfixvorwärts, hervor
anaSubstantiv Maskulin
anVerbalwurzel
Atem
anVerbalwurzelatmen
āyāmaSubstantiv Maskulin
āPräfixyāmaSubstantiv Maskulin
Spannung, Dehnung / Hemmung
āPräfixzu, hin, herbei
yāmaSubstantiv Maskulin
yamVerbalwurzel
Fahrt, Lauf / Aufhören, Schluss
yamVerbalwurzelausbreiten / halten, bändigen

Nachdem dieser [Meditationssitz (āsana)] (tasmin) vollkommen (sati) [ist], [ist] das Anhalten (viccheda) des Laufs (gati) von Ein- (śvāsa) und Ausatmung (praśvāsa) die Atemübung (prāṇāyāma).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Nachdem Du Perfektion in Deiner körperlichen Praxis (āsana) erreicht hast (tasmin sati), überschreitet (viccheda) die mit Ein- (śvāsa) und Ausatmung (praśvāsa) verbundene Bewegung (gati) die Grenze des Physischen. Du tauchst in die energetische Dimension Deiner Yogapraxis ein (prāṇāyāma) x.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer

x:

Prāṇāyāma kann nach dieser Interpretation also in der dynamischen Praxis entstehen. Oder wie Pattabhi Jois es sagte: “Āsana perfection, ~i~Praa.naayaama starting [Perfektion in Āsana, Prāṇāyāma beginnt]”.


Nachdem dieses geschehen, folgt als Hemmung des Ganges von Einatmen und Ausatmen die Atemregulierung.

Paul Deussen - 1908


When this has taken place, there is regulation of the breath, a cutting short of the motion of inspiration and expiration.

James R. Ballantyne - 1852

bāhyaDvandva-Kompositum
bāhyaAdjektiv
außen befindlich; hier: Ausatmung
abhyantaraDvandva-Kompositum
abhyantaraAdjektiv
innen befindlich; hier: Einatmung
abhyantaraAdjektiv
abhiPräfixantaraAdjektiv
innen befindlich; hier: Einatmung
abhiPräfixzu - hin, in - hinein, gegen, um
antaraAdjektivinnen
stambhaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
stambhaSubstantiv Maskulin
Pfosten, Befestigung, Hemmung, Anhalten des Atems
stambhaSubstantiv Maskulin
stambhVerbalwurzel
Pfosten, Befestigung, Hemmung, Anhalten des Atems
stabhVerbalwurzelfeststellen, stützen
vr̥ttiḥNominativ Singular
vr̥ttiSubstantiv Feminin
Bewegung, Funktion
vr̥ttiSubstantiv Feminin
vr̥tVerbalwurzel
das Rollen, Tätigkeit, Gedanke
vr̥tVerbalwurzelsich drehen, rollen
deśaDvandva-Kompositum
deśaSubstantiv Maskulin
Ort, hier: Technik
deśaSubstantiv Maskulin
diśVerbalwurzel
Ort
diśVerbalwurzelzeigen, vorweisen
kālaDvandva-Kompositum
kālaSubstantiv Maskulin
Dauer, Zeit
kālaSubstantiv Maskulin
kalVerbalwurzel
Zeit
kalVerbalwurzelgehen, zählen
saṁkhyābhiḥInstrumentalis Plural
saṁkhyāSubstantiv Feminin
Zahl
saṁkhyāSubstantiv Feminin
samPräfixkhyāVerbalwurzel
Zahl
samPräfixzusammen, mit
khyāVerbalwurzelzählen
paridr̥ṣṭaḥNominativ Singular
paridr̥ṣṭaAdjektiv
geprüft, gemessen
paridr̥ṣṭaAdjektiv
pariPräfixdr̥ṣṭaAdjektiv
geprüft, gemessen
pariPräfixum herum
dr̥ṣṭaAdjektiv
dr̥śVerbalwurzel
sichtbar
dr̥śVerbalwurzelsehen
dīrghaDvandva-Kompositum
dīrghaAdjektiv
lang
sūkṣmaḥNominativ Singular
sūkṣmaAdjektiv
fein

Die Bewegung (vr̥tti) vom Ausatmen (bāhya), Einatmen (abhyantara) und Anhalten (stambha) [des Atems soll] sehr fein gemessen [werden] nach Ort (deśa), Zeit (kāla) und Anzahl (saṁkhyā).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Bei den ersten drei Techniken der Atemübungen (prāṇāyāma) beachte genauestens für lange Zeit den Ort (deśa), die Länge (kāla) und die Wiederholungszahl (saṁkhyā) von Ausatmung (bāhya), Einatmung (abhyantara) und Haltephasen (stambha)x.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer

x:

In der Tradition des Aṣṭāṅga Yoga praktizieren wir vier aufeinander aufbauende Techniken von Atemübungen (prāṇāyama). Dabei basieren die ersten drei Atemübungen auf der bewussten Atemlenkung. Der Übende zählt dabei die Länge und die Anzahl genau mit.


Diese aber hat als Funktionen Außenrichtung (= recaka), Innenrichtung (= pûraka) und Festhaltung (= kumbhaka), geschieht wohlbedächtig nach Ort, Zeit und Zahl, und ist langgezogen und zart.

Paul Deussen - 1908


Put this, which is (1) Outer, (2) Inner and (3) Steady, peculiarised by place, time and number, is long or short.

James R. Ballantyne - 1852

bāhyaDvandva-Kompositum
bāhyaAdjektiv
äußerlich, hier: Ausatmung
abhyantaraTatpuruṣa-Kompositum
abhyantaraAdjektiv
innerlich, hier: Einatmung
abhyantaraAdjektiv
abhiPräfixantaraAdjektiv
innen befindlich, hier: Einatmung
abhiPräfixzu - hin, in - hinein, gegen, um
antaraAdjektivinnen
viṣayaTatpuruṣa-Kompositum Akkusativ
viṣayaSubstantiv Maskulin
Bereich, Gebiet
viṣayaSubstantiv Maskulin
viṣVerbalwurzel
Bereich, Gebiet
viṣVerbalwurzelaktiv sein, machen, arbeiten
ākṣepīNominativ Singular
ākṣepinAdjektiv
betreffen, befassen, hindeutend, anspielen auf
ākṣepinAdjektiv
āPräfixkṣipVerbalwurzel
betreffen, befassen, hindeutend, anspielen auf
āPräfixhin zu, nahe bei
kṣipVerbalwurzelschleudern, werfen
caturthaḥNominativ Singular Maskulin
caturthaZahlwort
der/das vierte

Die vierte (caturtha) [Bewegung (vr̥tti) des Atems] betrifft den Bereich (viṣayākṣepīn), an dem Aus- (bāhya) und Einatmung (abhyantara) [miteinander verschmelzen].

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Lasse in der vierten (caturtha) Technik der Atemübungen (prāṇāyāma) Deine Ausatmung (bāhya) und Einatmung (abhyantara) verebbenx.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer

x:

Die vierte Atemübung in der Aṣṭāṅga-Tradition ist Kevala Kumbhaka; hier gibt der Übende die bewusste Atemlenkung auf und lässt den Atem verebben.


Mit einem äußern oder innern Objekte sich befassend ist die viertex.

Paul Deussen - 1908

x:

Die vierte Unterart der Atemregulierung besteht darin, daß man nach Einatmen (pûraka), Festhalten des Atems in der Brust (kumbhaka) und Ausatmen (recaka) eine Weile in dem Zustande der Entleertheit (çunyaka) beharrt, wie er einzutreten pflegt, wenn man in atemloser Spannung seine Aufmerksamkeit oder Kraftanstrengung auf ein Objekt, sei es ein äußeres oder inneres, richtet; vgl. Chând. Up. 1,3,5: "Aber auch was sonst noch für kraftanstrengende Tätigkeiten sind, wie das Reiben des Feuers, das Laufen um die Wette, das Spannen eines starken Bogens, die verrichtet man ohne auszuhauchen und ohne einzuhauchen." Anders und voneinander verschieden sind die Erklärungen der Kommentare.


The fourth recognises both the outer and the inner spheres,

James R. Ballantyne - 1852

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