Mythologie: Der Name erinnert an Buddha, wörtlich „der Erwachte“ – nicht als Titel einer Religion, sondern als Bild für einen inneren Zustand. In den klassischen Erzählungen verlässt Siddhārtha Gautama den Schutzraum seines Palastes, weil er erkennt, dass Wohlstand Leid nicht aufhebt. Er begegnet Krankheit, Alter und Tod und begreift: Ohne Klarheit bleibt jedes äußere „Gelingen“ fragil. Er sucht radikale Askese, erkennt aber auch deren Grenze und findet so den mittleren Weg: weder Genuss als Flucht noch Härte als Selbstzweck, sondern Wachheit, Maß und Ausrichtung. Unter dem Bodhi-Baum bleibt er sitzen, während „Māra“ – Symbol für Angst, Zweifel, Verlangen und innere Ablenkung – ihn prüfen will. Er weicht nicht aus und kämpft nicht im äußeren Sinn; er bleibt still, klar und gesammelt, bis Erkenntnis entsteht.
Diese Bildwelt passt als Leitmotiv: Aufrichtung ohne Starrheit, Ruhe ohne Passivität. Buddhāsana erinnert daran, dass selbst in intensiver Form der Kern wach bleiben kann: Du beobachtest, was sich im Körper als Druck, Widerstand oder Gewohnheit zeigt, und führst es über Atem und Ausrichtung in Ordnung. So wird „Erwachen“ praktisch: nicht mehr Spannung produzieren, sondern die richtige Spannung halten – und den Rest loslassen.
Im traditionellen Count: Beginne direkt aus dem Halt des Adho Mukha Śvānāsana der vorherigen Bewegungsfolge.
Vinyāsa 7 – Einatmung, Ausatmung, Einatmung:
Springe einatmend nach vorne. Schwinge dabei Dein rechtes Bein außen am rechten Arm vorbei. Platziere ausatmend Deinen rechten Fuß hinter Deinem Kopf. Vervollständige die Bewegung mit der Einatmung, indem Du das linke Bein streckst und die Hände vor dem Herzen zusammenführst.
Vinyāsa 8 – Ausatmung, 5 Atemzüge:
Greife ausatmend mit der rechten Hand unter der linken Achselhöhle hindurch zu Deinem rechten Schienbein. Ziehe den rechten Fuß tiefer am Rücken entlang und dann unter der linken Achselhöhle nach vorne. Kreise mit dem linken Oberarm über den rechten Fußspann nach hinten und greife mit der linken Hand Dein rechtes Handgelenk. Verweile in Buddhāsana bis zur fünften Ausatmung.
Tipp: Das Vorschieben des rechten Fußes unter die linke Achselhöhle ist im Sitzen anspruchsvoll. Leichter wird es, wenn Du Dich – gleich nach dem Griff mit der rechten Hand am rechten Schienbein – diagonal nach links ablegst. Stütze den linken Arm seitlich auf, den Ellenbogen etwa 90 Grad gebeugt. In dieser Abstützung lässt sich der rechte Fußspann deutlich leichter unter der linken Achselhöhle nach vorne ziehen. Danach kannst Du Dich wieder aufsetzen.
Vinyāsa 9 – Einatmung:
Noch am Ende der fünften Ausatmung löse den Griff. Lass den rechten Fuß aus der Achselhöhle gleiten, bis er wieder hinter dem Kopf liegt. Stütze Dich am Boden ab und hebe Dich mit der Einatmung an.
Vinyāsa 10 bis 12:
Folge dem Dir bereits bekannten Bewegungsfluss bis zu einem Halt im Adho Mukha Śvānāsana.
Vinyāsa 13 bis 18:
Wiederhole den gesamten Ablauf auf der anderen Seite und folge anschließend dem Dir bereits bekannten Bewegungsfluss bis zu einem Halt im Adho Mukha Śvānāsana.
Im traditionellen Count: Wechsele hier direkt weiter in den Bewegungsfluss der nächsten Haltung.
Wirkung: Buddhāsana öffnet intensiv die Außenrotation der Hüfte, mobilisiert Gesäß und Leistenbereich und fordert gleichzeitig Schultermobilität. Sauber geübt verbessert die Haltung Hüftbeweglichkeit und Körperkontrolle.
Fotograf: Richard Pilnick - www.richardpilnick.com
Dr. Ronald Steiner
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