4. Serie - Sthira Bhaga

kapilasana
कपिलासन

kapilaSubstantiv MaskulinDer weise Kapila
āsanaSubstantiv NeutrumSitz, Haltung

Mythologie: Der Name erinnert an Kapila, einen legendären Ṛṣi, der in der Tradition als Begründer oder Hauptlehrer des Sāṃkhya gilt – einer Lehre, die Wirklichkeit nüchtern analysiert, bis Klarheit entsteht. Kapilas Blick ist nicht „mystisch“, sondern präzise: Er trennt Wesentliches von Unwesentlichem, bis der Geist ruhig wird. In späteren Überlieferungen erscheint Kapila zudem als Verkörperung von Erkenntnis selbst. Genau dieses Motiv passt als Leitbild: Kapilāsana wirkt wie ein „Knoten“, der Dich zwingt, Überflüssiges loszulassen. Du kommst nur weiter, wenn Du im Kern ruhig bleibst, die Struktur sauber hältst und Schritt für Schritt klärst.

Im traditionellen Count: Beginne direkt aus dem Halt des Adho Mukha Śvānāsana der vorherigen Bewegungsfolge.

Vinyāsa 7 – Einatmung, Ausatmung, Einatmung:
Springe einatmend nach vorne. Schwinge dabei Dein rechtes Bein außen am rechten Arm vorbei. Platziere ausatmend den rechten Fuß hinter dem Kopf. Vervollständige die Bewegung mit der Einatmung, indem Du das linke Bein streckst und die Hände vor dem Herzen zusammenführst.

Vinyāsa 8 – Ausatmung, 5 Atemzüge:
Ganz analog zu Buddhāsana greife mit der rechten Hand unter der linken Achselhöhle hindurch zu Deinem rechten Schienbein. Ziehe den rechten Fuß tiefer am Rücken entlang und dann unter der linken Achselhöhle nach vorne. Kreise mit dem linken Oberarm über den rechten Fußspann nach hinten. Greife nun jedoch mit der rechten Hand außen um den rechten Oberschenkel herum Dein linkes Handgelenk. Beuge Dich mit der Ausatmung nach vorne über das gestreckte linke Bein und verweile in Kapilāsana bis zur fünften Ausatmung.

Tipp: Wie schon in Buddhāsana ist das Nach-vorne-Ziehen des rechten Fußes unter die linke Achsel im aufrechten Sitz oft der schwierigste Teil. Erleichtere es Dir, indem Du Dich direkt nach dem Griff am rechten Schienbein schräg nach links ablegst. Stütze Dich auf dem linken Unterarm ab, der Ellenbogen etwa 90° gebeugt. In dieser seitlichen Abstützung lässt sich der rechte Fußspann deutlich leichter unter die linke Achselhöhle nach vorne „durchschieben“. Danach richtest Du Dich wieder auf.

Vinyāsa 9 – Einatmung:
Richte Dich einatmend wieder auf und behalte die Bindung kontrolliert. Atme hier aus.

Vinyāsa 10 bis 13:
Folge dem Dir bereits bekannten Bewegungsfluss bis zu einem Halt im Adho Mukha Śvānāsana.

Vinyāsa 14 bis 20:
Wiederhole den gesamten Ablauf auf der anderen Seite und folge anschließend dem Dir bereits bekannten Bewegungsfluss bis zu einem Halt im Adho Mukha Śvānāsana.

Im traditionellen Count: Wechsele hier direkt weiter in den Bewegungsfluss der nächsten Haltung.

Wirkung: Kapilāsana öffnet intensiv die Außenrotation der Hüfte und mobilisiert Gesäß- und Leistenbereich, während die Vorbeuge die Beinrückseite dehnt und den Rumpf stark organisiert. Zudem entwickelt die Haltung Schulterblattmobilität und schult Konzentration, Atemruhe und die Fähigkeit, Spannung präzise zu dosieren.


Fotograf: Richard Pilnick - www.richardpilnick.com

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