4. Serie - Sthira Bhaga

vrischikasana
वृश्चिकासन

vr̥ścikaSubstantiv MaskulinSkorpion
āsanaSubstantiv NeutrumSitz, Haltung

Mythologie: Vṛścika bedeutet „Skorpion“. Sein Stachel steht als Bild für konzentrierte, potenziell „giftige“ Kraft: Energie, die verletzen kann, wenn sie unbewusst wirkt, und die sich verwandelt, wenn sie geführt wird. Eine passende Parallele liefert das Motiv des Giftes im Samudra Manthana: Beim Quirlen des Milchozeans steigt das tödliche Gift Hālāhala auf, und Śiva nimmt es auf sich, um das Gleichgewicht zu bewahren. Das Bild ist klar: Nicht jedes „Gift“ muss nach außen gehen; es kann gehalten, transformiert und in Klarheit geführt werden. Genau diese Qualität spiegelt Vṛścikāsana: Intensität bleibt gebunden und wird zur Ordnung.

Im traditionellen Count: Beginne direkt aus dem Halt des Adho Mukha Śvānāsana der vorherigen Bewegungsfolge.

Vinyāsa 7 – Einatmung, Ausatmung:
Springe einatmend nach vorne zwischen die Hände und komme kontrolliert auf die Unterarme. Platziere die Unterarme schulterbreit am Boden und richte die Basis stabil ein.

Vinyāsa 8 – Einatmung:
Komme einatmend in den Unterarmstand und stabilisiere die Linie nach oben.

Vinyāsa 9 – Ausatmung, 5 Atemzüge:
Vertiefe ausatmend die Rückbeuge und finde Vṛścikāsana. Verweile bis zur fünften Ausatmung.

Tipp: Baue die Rückbeuge „von oben“: Brustbein nach vorne/oben, Schulterblätter organisiert, Nacken lang. Wenn Du nur in der Lendenwirbelsäule knickst, wirkt es spektakulär, wird aber schnell unsauber und riskant. Halte die Unterarme aktiv und drücke die Hände in den Boden – gern auch mit einem leichten Impuls zueinander. Das klingt paradox, weil die Hände dann oft zueinander rutschen. Doch wenn Du sie bewusst „in den Boden hinein“ zueinander schiebst, entsteht Reibung und die Basis wird stabiler. Ziehe die Rippen sanft nach innen/oben, damit die Last nicht in den Nacken kippt. Lege den Fokus weg von „Füße zum Kopf“ und hin zu „Brustraum weit“, dann wird die Form tragfähig.

Vinyāsa 10 – Einatmung:
Richte Dich einatmend zurück in den Unterarmstand.

Vinyāsa 11 bis 13:
Folge dem Dir bereits bekannten Bewegungsfluss bis zu einem Halt im Adho Mukha Śvānāsana.

Tipp: Lass Dich aus dem Unterarmstand nicht einfach wie ein gefällter Baum in Caturaṅga Daṇḍāsana fallen. Senke zunächst die gestreckten Beine vor Dir ab, während Du weiter balancierst. Sobald die Zehen knapp über dem Boden schweben, strecke Dich aus der Hüfte: Dadurch entsteht ein Impuls nach oben. In diesem Moment kannst Du relativ mühelos von den Unterarmen auf die Handflächen „rollen“ und kontrolliert in Caturaṅga Daṇḍāsana landen.

Im traditionellen Count: Wechsele hier direkt weiter in den Bewegungsfluss der nächsten Haltung.

Wirkung: Vṛścikāsana kräftigt Unterarme, Schultern und den gesamten Schultergürtel, während Brustwirbelsäule und Hüftbeuger tief öffnen müssen. Sauber geübt entwickelt die Haltung präzise Lastübertragung, eine stabile Rückbeuge und einen sehr klaren Fokus.


Fotograf: Richard Pilnick - www.richardpilnick.com

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