Lässt sich Yogaphilosophie auch abseits der Matte ganz konkret im Alltag leben und umsetzen? Die Foodsharing Initiative zeigt ein mögliches Beispiel.

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Foodsharing – so funktioniert’s

Wer oder was steckt hinter dem Konzept des Foodsharing? Wie der Name schon sagt setzt sich Foodsharing dafür ein, Lebensmittel weiterzugeben oder zu „teilen“ (engl. share). Dazu nutzt die Initiative sogenannte Fair-Teiler im AYI Ulm, um Nahrungsmittel weiterzugeben, die ansonsten weggeworfen werden würden. Ein Fair-Teiler kann etwa ein Kühlschrank oder ein Regal sein, das bei einem Partner aufgestellt wird, der die Initiative unterstützt. Dabei sind alle Fair-Teiler öffentlich zugänglich und jeder kann sich beteiligen und eigenverantwortlich Lebensmittel hinein legen und heraus nehmen.

Bei der Initiative Foodsharing selbst handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der 2012 gegründet wurde, mit dem Ziel, sich aktiv gegen Lebensmittelverschwendung einzusetzen. Inzwischen gibt es im deutschsprachigen Raum insgesamt ca. 25.000 Freiwillige, die sogenannte Foodsaver, sowie etwa 3000 kooperierende Betriebe. Hauptaufgabe der Foodsaver ist das Abholen übriggebliebener Lebensmitteln bei Betrieben oder Restaurants. Koordiniert wird diese Aufgabe über die Internetplattform www.foodsharing.de, bei der sich jeder anmelden und direkt mitmachen kann.

Foodsharing als gelebte Yogaphilosophie?

Oder anders gefragt: Ist es reiner Zufall, dass der Fair-Teiler ausgerechnet in einer Yogaschule aufgestellt wurde? Ganz im Gegenteil, hierfür gibt es gute Gründe.

Yoga ist weit mehr als nur „Turnen“ auf der Matte ist. Die Asana Praxis spielt gerade im Ashtanga in der Tat eine wichtige Rolle. Wer jedoch tiefer in den Yoga eintaucht wird schnell erkennen, dass die Philosophie des Yoga weit mehr zu bieten hat als reine Körperübungen. Sie wirkt sie sich schnell auch auf viele andere Lebensbereiche, die persönliche Entwicklung und die eigene Einstellung gegenüber sich selbst und seiner Umwelt aus. Dazu gehört beispielsweise auch ein bewusster und respektvoller Umgang mit anderen Lebewesen und den Ressourcen dieser Erde.

Yogaphilosophie im Alltag

Die Philosophie des Ashtanga Yoga basiert vor allem auf dem Yoga Sutra von Patanjali. Dieser beschreibt den Übungsweg des Yoga als achtgliedriger Pfad beschreibt. Vor allem das erste Glied, Yama, also die Achtung gegenüber den Mitmenschen, lässt sich sehr gut auf die Grundidee von Foodsharing anwenden. Denn Yama beinhaltet unter anderem Ahimsa, die Gewaltlosigkeit, Brahma-Charya, Handeln im Bewusstsein eines höheren Ideals, sowie Asteya, das Nicht-Stehlen. Wie lassen sich diese Grundsätze mit der Idee des Foodsharing verbinden?

Ahimsa, die Gewaltlosigkeit, lässt sich auf den die Wahl und den Umgang mit Lebensmitteln anwenden. Die bewusste Entscheidung für oder gegen bestimmte Lebensmittel beeinflusst die Nachfrage und dadurch die Produktion.

Brahma-Charya, Handeln im Bewusstsein eines höheren Ideals, kann man auf unseren Umgang mit den Dingen übertragen, die uns zur Verfügung stehen. Ein bewusster, wertschätzender und reflektierter Umgang mit den Ressourcen dieser Erde kann dabei als Handeln im Bewusstsein eines höheren Ideals verstanden werden.

Und schließlich Asteya, Nicht-Stehlen: Durch unethische Massenproduktion unter unfairen Bedingungen werden Lebensmittel im Überfluss produziert, die dann zum Teil weggeworfen werden. Hierbei werden die Erde und ihre Ressourcen ausgebeutet und bestohlen. Dem will Foodsharing entgegen wirken.

Sicherlich lassen sich noch viele weitere Anknüpfungspunkte an die Yogaphilosophie finden. Diese Themen daher nur als einige erste Ideen und Anregungen zum selbständigen Weiterdenken und Philosophieren…

Ein „Fair-Teiler“ in der Yogaschule

Plötzlich stand er da, der große roten Kühlschrank gleich rechts neben der Eingangstür zum AYInstitute Ulm, der Heimat-Shala von AYI. Und in der Tat kamen schnell die ersten Rückfragen von interessierten Ulmer Yogis, was es damit denn auf sich hätte und ob dieser Kühlschrank jetzt eine dauerhafte farbenfrohe Ergänzung des Inventars wäre.

Das as neue Möbelstück schnell erklärt. Denn es handelt sich natürlich nicht um die neue Versorgungsstelle für durstige Yogis oder die Notfallreserve für hungrige Lehrer. Vielmehr ist das AYI Ulm nun ebenfalls Partner der Foodsharing Initiative und verfügt  über einen eigenen „Fair-Teiler“.

Reaktionen der Ulmer Yogis

Wie haben die Ulmer Yogis reagiert? Und wird das Angebot, die Yogaphilosophie in den Alltag zu bringen, angenommen? Nach den ersten eher vorsichtigen Blicken in den neuen Kühlschrank waren die ersten Yogis schnell überzeugt und wir freuen uns, dass der Fair-Teiler inzwischen eine ganze Reihe regelmäßiger Nutzer hat. 

Besonders begeistert hat die Ulmer Yogis übrigens, dass sich auf diese Weise das Angenehme mit dem Nützlichen wunderbar verbinden lässt: Viele kommen zum Üben sowieso fast täglich am Fair-Teiler vorbei. So lässt sich ohne Aufwand Essen teilen und gleichzeitig gegen Lebensmittelverschwendung aktiv werden. Egal ob Brot, Tomaten oder Sellerie: immer gibt es eine Überraschung, die sich leicht mit der eigenen Tagesplanung vereinbaren lässt.

Aber natürlich ist es nicht nur praktisch und billig. Auch der Gedanke, dass Essen anstatt weg geschmissen zu werden doch noch verarbeitet werden kann, passt mit der Auffassung vieler Yogis zusammen, dass wir verantwortlich sind für unsere Umwelt.

Diese Überzeugung teilen übrigens auch unsere Ulmer Lehrer. So freut sich zum Beispiel Madeleine, dass sie nach ihrer Stunde am Freitag Abend schon ein paar Mal in den Genuss einer späten Brotzeit gekommen ist. Auch Lisa hat bereits sehr gute Erfahrungen mit dem Fair-Teiler gemacht und konnte ihren Mitbewohner mit einem leckeren Gericht aus einem ihrer Lieblingsrestaurants überraschen. Die ultimative win-win situation gibt es jedoch bei Ina: Sie kann nun weiterhin ihrer Kochleidenschaft frönen - und anderen Yogis eine Freude bereiten, wenn es doch einmal wieder etwas mehr geworden ist als eigentlich geplant.

Du bist neugierig geworden, was der große rote Kühlschrank alles bereit hält und wie das Foodsharing-Projekt in der Praxis funktioniert? Dann probier’s einfach aus und mach mit ;-)

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