Zwischen Enthusiasmus (abhyāsa) und Gelassenheit (vairāgya) findest Du eine Ruhe in Deinem inneren Wahrnehmungsraum (citta). Hier kann Selbsterkenntnis entstehen.

Yoga Sutra 1: Über die vollkommene Einheitserfahrung
abhyāsaDvandva-Kompositum
abhyāsaSubstantiv Maskulin
Beharrlichkeit, Praxis
abhyāsaSubstantiv mwiederholterepeated
abhiPräfixāsaSubstantiv Maskulin
Übung, Praxis, Disziplin, Gewohnheit
abhiPräfixzu - hin, in - hinein, gegen, um
āsaSubstantiv Maskulin
āsVerbalwurzel
Sitz
āsVerbalwurzelsitzen
vairāgyābhyāmInstrumentalis Dual
vairāgyaSubstantiv Neutrum
Gelassenheit, Vehaftungslosigkeit
vairāgyaSubstantiv Neutrum
viPräfixrāgaSubstantiv Maskulin
Gleichgültigkeit, Askese
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
rāgaSubstantiv Maskulin
rañjVerbalwurzel
Farbe, das Eingefärbtsein
rañjVerbalwurzeleinfärben, röten
tatTatpuruṣa-Kompositum
taPronomen 3. Person
diese
nirodhaḥNominativ Singular
nirodhaSubstantiv Maskulin
Ruhe
nirodhaSubstantiv Maskulin
niPräfixrudhVerbalwurzel
Unterdrückung, Hemmung
niPräfixnieder, zurück
rudhVerbalwurzelzurückhalten, anhalten

Egal was Du tust, tue es mit Enthusiasmus (abhyāsa) und zugleich Gelassenheit (vairāgya). Das klärt (nirodha) Deinen inneren Wahrnehmungsraum und er kommt Ruhe. Du tauchst ein in den Zustand des Yoga.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Die Ruhe (nidodha) [im inneren Wahrnehmungsraum (citta) entsteht] durch Praxis (abhyāsa) und Verhaftungslosigkeit (vairagya).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Die Unterdrückung jener [Funktionen des Bewußtseins] geschieht durch Übung und Leidenschaftslosigkeit.

Paul Deussen - 1908


The hindering of these (modification of the internal organ is to be affected) by means of exercise and dispassion.

James R. Ballantyne - 1852

tatraLokativ
taPronomen 3. Person
dort
taPronomen 3. Personder, die, das
sthitauLokativ Singular
sthitiSubstantiv Feminin
Verweilen
sthitiSubstantiv Feminin
sthāVerbalwurzel
das fest, aufrecht Stehen
sthāVerbalwurzelstehen
yatnaḥNominativ Singular
yatnaSubstantiv Maskulin
Bemühung
yatnaSubstantiv Maskulin
yatVerbalwurzel
Wille, Bemühung
yatVerbalwurzelversuchen, bemühen
abhyāsaḥNominativ Singular
abhyāsaSubstantiv Maskulin
Beharrlichkeit
abhyāsaSubstantiv mwiederholterepeated
abhiPräfixāsaSubstantiv Maskulin
Übung, Praxis, Disziplin, Gewohnheit
abhiPräfixzu - hin, in - hinein, gegen, um
āsaSubstantiv Maskulin
āsVerbalwurzel
Sitz
āsVerbalwurzelsitzen

Enthusiasmus (abhyāsa) basiert auf konstanter (sthiti) Übungspraxis (yatna).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Beharrlichkeit (abhyāsa) [ist] die Bemühung (yatna) dort [in der Ruhe des inneren Wahrnehmungsraumes] zu verweilen (sthiti).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich

Paul Deussen - 1908


Exercise is the (repeated) effort that it (viz. the internal organ) shall remain in its (unmodified) state.

James R. Ballantyne - 1852

saNominativ Singular Maskulin
taPronomen 3. Person
dieser
taPronomen 3. Person
DE: derdiedas}
tu
tuPartikel
wahrlich
dīrghaKarmadhāraya-Kompositum
dīrghaAdjektiv
lang
dīrghaAdjektivlang
kālaDvandva-Kompositum
kālaSubstantiv Maskulin
Zeit
kālaSubstantiv Maskulin
kalVerbalwurzel
Zeit
kalVerbalwurzelgehen, zählen
nairantaryaDvandva-Kompositum
nairantaryaSubstantiv Neutrum
ohne Unterbrechung
nairantaryaSubstantiv Neutrum
nisPräfixantaryaAdjektiv
Kontinuität, ohne Unterbrechung
nisprefnair ist die Vr̥ddhi-Form von nir bzw. nisaus, heraus
antaryaAdverbinner-, innerlich, in der Mitte
satkārāDvandva-Kompositum
satkāraSubstantiv Maskulin
systematisch
satkāraKarmadhāraya-Kompositum
satAdjektivkāraSubstantiv Maskulin
systematisch
satAdjektiv
asVerbalwurzel
fortwährend, wahr, gut, "da seiend"
asVerbalwurzelsein
kāraSubstantiv Maskulin
kr̥Verbalwurzel
Tätigkeit
kr̥Verbalwurzelmachen, tun
āsevitaḥNominativ Singular
āsevitaSubstantiv Maskulin
geübt
āsevitaSubstantiv Maskulin
āPräfixsevitaAdjektiv
geübt
āPräfixhin zu, nahe bei
sevitaAdjektiv
sevVerbalwurzel
belebt, bewohnt, gefolgt
sevVerbalwurzelleben, bleiben, folgen, dienen
dr̥ḍhaKarmadhāraya-Kompositum
dr̥ḍhaAdjektiv
fest
dr̥ḍhaAdjektiv
dr̥hVerbalwurzel
fest
dr̥hVerbalwurzelfest machen, fixieren, stärken
bhūmiḥNominativ Singular
bhūmiSubstantiv Feminin
Fundament
bhūmiSubstantiv Feminin
bhūVerbalwurzel
Platz, Erde, Boden, Fundament
bhūVerbalwurzelsein, werden, entstehen, geschehen

Wenn Du wirklich für etwas Enthusiasmus (abhyāsa) entwickelt hast, dann lernst Du es systematisch und bis in die Tiefe (satkāra) und praktizierst es konstant (nairantarya) über lange Zeit (dīrgha-kāla) hinweg.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Diese [Beharrlichkeit (abhyāsa) hat] wahrlich ein festes Fundament (dr̥ḍha-bhūmi), die für eine lange Zeit (dīrgha-kāla) ohne Unterbrechung (nairantarya) systematisch (satkāra) [geübt wird]x.#RSh

x:

In der von Krishnamacharya weitergetragenen Version des Yoga Sūtra heißt es:

sa tu dīrgha-kāla-nairantaryādarāsevito dr̥ḍha-bhūmiḥ
Wobei das eingefügte ādara mit Rücksicht auf andere übersetzt wird.

x:

In the Krishnamacharya version of the Yoga Sūtra this verse is written as follows:

sa tu dīrgha-kāla-nairantaryādarāsevito dr̥ḍha-bhūmiḥ
In this version the addition of ādara is translated as respect to others.

}


Diese [Bemühung] aber gewinnt festen Boden, wenn sie lange Zeit ununterbrochen gastfreundlich gepflegt wird.

Paul Deussen - 1908


But this (exercise) is a firm position observed out of regard (for the end in view and perseveringly adhered to) for a long time unintermittingly.

James R. Ballantyne - 1852

dr̥ṣṭaDvandva-Kompositum
dr̥ṣṭaAdjektiv
offenkundige
dr̥ṣṭaAdjektiv
dr̥śVerbalwurzel
sichtbar
dr̥śVerbalwurzelsehen, erblicken
anuśravikaKarmadhāraya-Kompositum
anuśravikaAdjektiv
angenommen
anuśravikaadjśrutiśruti
anuPräfixśruVerbalwurzelikaSuffix
der Schrift folgend, den vedischen Schriften folgend
anuPräfixfolgend, gemäß, entlang, nach
śruVerbalwurzelhören, erfahren, lernen, studieren
ikaSuffixTaddhita-Suffix, das Kundigsein oder Zugehörigkeit ausdrückt
viṣayaBahuvrīhi-Kompositum
viṣayaSubstantiv Maskulin
Sinnesobjekt
viṣayaSubstantiv Maskulin
viṣVerbalwurzel
Gebiet, Objekt
viṣVerbalwurzelaktiv sein, machen, arbeiten
vitr̥ṣṇasyaGenitiv Singular Maskulin
vitr̥ṣnaAdjektiv
durstlos
vitr̥ṣnaAdjektiv
viPräfixtr̥ṣVerbalwurzel
durstlos
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
tr̥ṣVerbalwurzeldurstig sein, gierig sein
vaśīkāraTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
vaśīkāraSubstantiv Maskulin
das Gelenkte
vaśīkāraSubstantiv Maskulin
vaśVerbalwurzelkr̥Verbalwurzel
der Akt, sich etwas zu eigen zu machen
vaśVerbalwurzelwünschen, wollen, gebieten, befehlen
kr̥Verbalwurzelmachen, tun
saṁjñāNominativ Singular
saṁjñāSubstantiv Feminin
Bewusstsein
saṁjñāSubstantiv Feminin
saṁPräfixjñāVerbalwurzel
Bewusstsein
samPräfixzusammen, mit
jñāVerbalwurzelwissen
vairāgyamNominativ Singular
vairāgyaSubstantiv Neutrum
Gelassenheit, Verhaftungslosigkeit
vairāgyaSubstantiv Neutrum
viPräfixrāgaSubstantiv Maskulin
Gleichgültigkeit, Askese
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
rāgaSubstantiv Maskulin
rañjVerbalwurzel
Farbe, das Eingefärbtsein
rañjVerbalwurzeleinfärben, röten

Jedoch erinnere Dich immer wieder: Es geht nicht darum, ein nahes (dr̥ṣṭa) oder fernes (anuśravika) Resultat (visaya) zu erreichen. Deine Praxis alleine ist es, was zählt. So entsteht Gelassenheit (vairāgya) in Deiner Praxis.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Verhaftungslosigkeit (vairāgya) [ist] ein Bewusstsein des Gelenktseins eines Menschen der ohne Durst (vitr̥ṣṇasya) für offenkundige (dr̥ṣṭa) und angenommene (anuśravika) Sinnesobjekte (viṣaya) ist.

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Die Leidenschaftslosigkeit ist das Bewußtsein der Selbstbeherrschung eines nicht mehr nach wahrnehmbaren und Schrift-verheißenden Dingen Dürstenden.

Paul Deussen - 1908


Dispassion is the consciousness of having overcome (one’s desires, this consciousness being that) of him who thirsts after neither the objects that are seen (on earth) nor those that are heard of (in scripture).

James R. Ballantyne - 1852

tatTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
taPronomen 3. Person
der
taPronomen 3. Personder, die, das
paramNominativ Singular
paraSubstantiv Neutrum
Höhepunkt
paraSubstantiv Neutrum
pr̥Verbalwurzel
Höhepunkt, Am Ende von Komposita: dieses als Höhepunkt habend
pr̥Verbalwurzelerfüllen, komplettieren, zu Ende bringen
puruṣaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
puruṣaSubstantiv Maskulin
wahres Selbst
puruṣaSubstantiv Maskulinwahres Selbst
khyāteḥGenitiv Absulotiv / Ablativ Singular
khyātiSubstantiv Feminin
Erfahrung
khyātiSubstantiv Feminin
khyāVerbalwurzel
Annahme, Erkenntnis, Einsicht
khyāVerbalwurzelerschauen, erblicken, aufleuchten
guṇaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
guṇaSubstantiv Maskulin
weltliche Grund-Webfäden
guṇaSubstantiv Maskulinweltliche Grund-Webfäden
vaitr̥ṣṇyamNominativ Singular
vaitr̥ṣṇyaSubstantiv Neutrum
Durstlosigkeit
vaitr̥ṣṇyaSubstantiv Neutrum
vitr̥ṣṇaAdjektiv
Durstlosigkeit, Freisein von einem Begehren
vitr̥ṣṇaAdjektiv
viPräfixtr̥ṣVerbalwurzel
frei von Durst, kein Verlangen empfindend
viPräfixgetrennt, unterschiedlich, auseinander
tr̥ṣVerbalwurzeldurstig sein, gierig sein

Erinnere Dich an den steten Wandel in dieser Welt und Deine unveränderliche innere Essenz (puruṣa). Dann kannst Du selbst Deine Grundbedürfnisse (guṇa) gelassen (vaitr̥ṣṇa) beobachten.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Wenn Erfahrung des wahren Selbstes (puruṣa-khyāti) [sich einstellt, entsteht] der Höhepunkt (tat-param) dieser [Gelassenheit (vairāgya). [Es entsteht eine] die Durstlosigkeit (vaitr̥ṣnya) [selbst] der weltlichen Grund-Webfäden (guṇa).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Dieses Nichtmehrdürsten nach den Guṇa’s erreicht seinen Höhepunkt bei dem das Aufleuchten des Purusha Besitzenden.

Paul Deussen - 1908


This (viz. ‘Dispassion’) carried to the utmost is indifference regarding the ‘Qualities’ (i.e., everything else than soul and this indifference arises from a knowledge of soul (as distinguished from the ‘Qualities’).

James R. Ballantyne - 1852

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