Fünf Arten mentaler Projektionen (vr̥tti) erfüllen Deinen inneren Wahrnehmungsraum (citta). Teilweise auf eine für Dich angenehme, teilweise auf eine für Dich leidvolle Weise stehen sie Deiner unmittelbaren Wahrnehmung Deines Selbstes im Wege.

Yoga Sutra 1: Über die vollkommene Einheitserfahrung
vr̥ttayaḥNominativ Plural
vr̥ttiSubstantiv Feminin
Bewegungen
vr̥ttiSubstantiv Feminin
vr̥tVerbalwurzel
das Rollen, Tätigkeit, Gedanke
vr̥tVerbalwurzelsich drehen, rollen
pañcatayyaḥNominativ Plural
pañcatayaSubstantiv Feminin
fünferlei
pañcatayaSubstantiv Femininfünfach, fünffältig
kliṣṭaDvandva-Kompositum
kliṣṭaAdjektiv
leidvoll
kliṣṭaAdjektiv
kliśVerbalwurzel
quälend, plagend, belästigend
kliśVerbalwurzelquälen, plagend, belästigen
akliṣṭāḥNominativ Plural Feminin
akliṣṭaAdjektiv
nicht leidvoll
akliṣṭaAdjektiv
aPräfixkliṣṭaVerbalwurzel
nicht quälend, plagend, belästigend
aPräfixVerneinung
kliṣṭaAdjektiv
kliśVerbalwurzel
quälend, plagend, belästigend
kliśVerbalwurzelquälen, plagend, belästigen

Fünferlei Gedanken und Gefühle (vr̥tti) können Deinen inneren Wahrnehmungsraum ausfüllen. Manchmal sind sie für Dich leidvoll (kliṣṭa), manchmal angenehm (akliṣṭa).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer

Es [gibt] fünferlei Bewegungen (vr̥tti) [im inneren Wahrnehmungsraum (citta)], [manchmal sind diese] leidvoll (kliṣṭa), [manchmal] nicht leidvoll (akliṣṭa).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Die Funktionen sind fünffach, bedrückt und nichtbedrückt (mit den kleças behaftet oder nicht behaftet).

Paul Deussen - 1908


The modifications (of the internal organ) are of five kinds, (and they are either) painful of not painful.

James R. Ballantyne - 1852

pramāṇaDvandva-Kompositum
pramāṇa
Wahrheit, zutreffende Wahrnehmung
pramāṇaSubstantiv Neutrum
pramāna
Maß, Maßstab, Norm, Richtschnur
praPräfixvorwärts, hervor
mānaSubstantiv Neutrum
ana
Meinung, Vorstellung
Verbalwurzelmessen, bilden, herrichten
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
viparyayaDvandva-Kompositum
viparyaya
Interpretation, verzerrte Wahrnehmung
viparayayaSubstantiv Maskulin
viparii
Umstellung, Veränderung, Verkehrtheit
viPräfixhindurch, dazwischen
pariPräfixum herum
iVerbalwurzelgehen, fließen
vikalpaDvandva-Kompositum
vikalpaSubstantiv Maskulin
Fantasie, mentale Konstruktion
vikalpaSubstantiv Maskulin
viPräfixkalpaSubstantiv Maskulin
falsche Vorstellung, Einbildung
viPräfixhindurch, dazwischen
kalpaSubstantiv MaskulinRegel, Ordnung, Art und Weise, Untersuchung
nidrāDvandva-Kompositum
nidrāSubstantiv Feminin
Dumpfheit, mentale Dumpfheit
nidrāSubstantiv Feminin
niPräfixdrāVerbalwurzel
Schlaf
niPräfixnieder, zurück
drāVerbalwurzelschlafen
smr̥tayaḥNominativ Plural
smr̥tiSubstantiv Feminin
Erinnerung
smr̥tiSubstantiv Feminin
smr̥Verbalwurzel
Erinnerung
smr̥Verbalwurzelsich erinnern

Nie kannst Du Dir sicher sein, welche dieser fünf Inhalte Deinen inneren Wahrnehmungsraum anfüllen: Wahrheit (pramāṇa), Interpretation (viparyaya), Fantasie (vikalpa), Dumpfheit (nidrā) oder Erinnerung (smr̥ti).

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Zutreffende Wahrnehmung (pramāṇa), verzerrrte Wahrnehmung (viparyaya), mentale Konstruktion (viklapa), mentale Dumpfheit (nidrā) und Erinnerung (smr̥ti) [sind diese fünf Bewegungen im inneren Wahrnehmungsraum].

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Sie sind: [Richtiges Erkennen durch die] Erkenntnisnormen, Verkehrtheit, Annahme, Schlaf, Erinnerung.

Paul Deussen - 1908


(The modifications of the internal organ are) evidence (or right notion), misconception, fancy, sleep and memory.

James R. Ballantyne - 1852

pratyakṣaDvandva-Kompositum
pratyakṣaSubstantiv Maskulin
Wahrheit, zutreffende Wahrnehmungen
pratyakṣaSubstantiv Maskulin
pratiPräfixakṣaSubstantiv Maskulin
vor Augen liegen, deutlich, unmittelbar
pratiPräfixgegen, entgegen zurück
akṣaSubstantiv Maskulin
akṣVerbalwurzel
Auge
akṣVerbalwurzelerreichen, durchdringen
anumānaDvandva-Kompositum
anumānaSubstantiv Neutrum
Schlussfolgerungen
anumāṇaSubstantiv Neutrum
anuPräfixmānaSubstantiv Neutrum
das Schließen, Folgern
anuPräfixfolgend, basierend auf, unter, nach
mānaSubstantiv Neutrum
VerbalwurzelanaSuffix
Meinung, Vorstellung
Verbalwurzelmessen, bilden, herrichten
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
āgamāḥNominativ Plural
āgamaSubstantiv Maskulin
das Gelernte
āgamāSubstantiv Maskulin
āPräfixgamaSubstantiv Maskulin
āPräfixhin zu, nahe bei
gamaSubstantiv Maskulin
gamVerbalwurzel
Weg, Wegstrecke
gamVerbalwurzelgehen, kommen, sich bewegen
pramāṇāniNominativ Plural
pramāṇaSubstantiv Neutrum
zutreffende Abbildung der Außenwelt
pramāṇaSubstantiv Neutrum
praPräfixmānaSubstantiv Neutrum
Maß, Maßstab, Norm, Richtschnur
praPräfixvorwärts, hervor
mānaSubstantiv Neutrum
Verbalwurzelana |suff
Meinung, Vorstellung
Verbalwurzelmessen, bilden, herrichten
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung

Direkte Sinneseindrücke (pratyakṣa), mentale Schlussfolgerungen (anumāna) oder von anderen Gelerntes (āgama) können eine Wahrheit (pramāṇa) in Deinen inneren Wahrhnehmungsraum projizieren.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Zutreffende Wahrnehmung (pramāṇa) [sind] direkte Wahrnehmungen (pratyakṣa), Schlussfolgerungen (anumāna) und Gelerntes (āgama).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Die Erkenntnisnormen sind: Wahrnehmung, Folgerung, Überlieferung.

Paul Deussen - 1908


The evidences are perception, inference and testimony.

James R. Ballantyne - 1852

viparyayaḥNominativ Singular
viparyayaSubstantiv Maskulin
Interpretation, verzerrte Wahrnehmung
viparayayaSubstantiv Maskulin
viPräfixpariPräfixiVerbalwurzel
Umstellung, Veränderung, Verkehrtheit
viPräfixhindurch, dazwischen
pariPräfixum herum
iVerbalwurzelgehen, fließen
mithyāKarmadhāraya-Kompositum
mithyāAdjektiv
falsch
mithyāAdjektiv
mithVerbalwurzel
verkehrt, falsch, unrichtig
mithVerbalwurzelaneinander geraten, jemandem Vorwürfe machen
jñānam Nominativ Singular
jñānaSubstantiv Neutrum
Wissen
jñānaSubstantiv Neutrum
jñāVerbalwurzelanaSuffix Neutrum
Wissen
jñāVerbalwurzelwissen, kennen
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
atadKarmadhāraya-Kompositum
aPräfix ta |pron 3. Person
nicht die
aPräfixVerneinung
taPronomen 3. Personnicht der, nicht die, nicht das
rūpaTatpuruṣa-Kompositum
rūpaSubstantiv Neutrum
Form
rūpaSubstantiv NeutrumForm
pratiṣṭhamNominativ Singular Neutrum
pratiṣṭhaAdjektiv
beruhend
pratiṣṭhaAdjektiv
pratiPräfixsthāVerbalwurzel
das Feststehen, Bleiben
pratiPräfixgegen, entgegen, zurück
sthārbleibenstehen

Falsch Gelerntes (mithyā-jñānam) oder verzerrte Beobachtung (atad-rūpa) können eine Interpretation (viparyaya) in Deinen inneren Wahrnehmungsraum projizieren.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Verzerrte Wahrnehmung (vipraryaya) [ist] falsches Wissen (mithyā-jñānam), es [ist] nicht auf einer [wahren] Form (rūpa) beruhend.

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Verkehrtheit ist die falsche Erkenntnis, welche bei dem stehen bleibt, was nicht das Wesen der Sache ist.

Paul Deussen - 1908


Misconception ist incorrect notion. Not staying in the (proper) form of that (in respect whereof the misconception is entertained).

James R. Ballantyne - 1852

śabdaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
śabdaSubstantiv Maskulin
Wort
śabdaSubstantiv Maskulin
śabdVerbalwurzel
Wort
śabdVerbalwurzelein Geräusch, Ton machen, rufen
jñānaTatpuruṣa-Kompositum Dativ
jñānaSubstantiv Neutrum
Wissen
jñānaSubstantiv Neutrum
jñāVerbalwurzelanaSuffix
Wissen
jñāVerbalwurzelwissen, kennen
anaSuffixbezeichnet eine Handlung
anupātīNominativ Singular Maskulin
anupātinAdjektiv
folgend
anupātinAdjektiv
anuPräfixpātinAdjektiv
folgend, nachgehend
anuPräfixfolgend, basierend auf, unter, nach
pātinAdjektiv
patVerbalwurzel
fliegend, fallend
patrvom Himmelherabfallen, fliegen
vastuTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
vastuSubstantiv Neutrum
Objekt
vastuSubstantiv Neutrum
vasVerbalwurzeltuSuffix
Objekt
vasVerbalwurzelleben, sich aufhalten
tuSuffixSuffix zur Bildung eines Nomina actionis
śūnyaḥNominativ Singular Maskulin
śūnyaAdjektiv
ohne
śūnyaAdjektiv
śvāVerbalwurzel
leer, ohne
śvāVerbalwurzelan-schwellen
vikalpaḥNominativ Singular
vikalpaSubstantiv Maskulin
Fantasie, mentale Konstruktion
vikalpaSubstantiv Maskulin
viPräfixkalpaSubstantiv Maskulin
falsche Vorstellung, Einbildung
viPräfixhindurch, dazwischen
kalpaSubstantiv MaskulinRegel, Ordnung, Art und Weise, Untersuchung

Stupide Gelerntes (śabda-jñāna) oder Inhalte ohne reale Entsprechung (vastu-śūnya) können eine Fantasie (vikalpa) in Deinen inneren Wahrnehmungsraum projizieren.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Mentale Konstruktion (vikalpa) [ist] auf Wort-Wissen (śabda-jñāna) folgend; sie ist ohne [wahres] Objekt (vastu-śūnya).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Der [bloßen] Erkenntnis durch Worte nachgehend, des Objektes bar ist die Annahme.

Paul Deussen - 1908


A fancy is (a notion) devoid of A thing (in reality corresponding thereto), following upon knowledge (conveyed) by words.

James R. Ballantyne - 1852

abhāvaTatpuruṣa-Kompositum Ablativ
abhāvaSubstantiv Maskulin
Abwesenheit
abhāvaSubstantiv Maskulin
aPräfixbhāvaSubstantiv Maskulin
Abwesenheit
aPräfixVerneinung
bhāvaSubstantiv Maskulin
bhūVerbalwurzel
das Werden, Sein, Stattfinden
bhūVerbalwurzelwerden, entstehen, geschehen
pratyayaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
pratyayaSubstantiv Maskulin
Eindrücke, Überzeugung, Vorstellung, Glaube
pratyayaSubstantiv Maskulin
pratiPräfixiVerbalwurzel
Glaube, feste Überzeugung, Gewissheit, Vorstellung
pratiPräfixzurück, entgegen, gegen
iVerbalwurzelgehen, ausgehen, hingehe
ālambanāNominativ Singular Feminin
ālambanaAdjektiv
basierend auf
ālambanaAdjektiv
āPräfixlambanaAdjektiv
Stütze
āPräfixzu hin, bis an, bis zu
lambanaAdjektiv
lambVerbalwurzelanaSuffix
herabhängend
lambVerbalwurzelherabhängen, hängen an
anaSuffix NeutrumKr̥t-Suffix mit Guṇa-Stufe: bezeichnet eine Handlung
vr̥ttiḥNominativ Singular
vr̥ttiSubstantiv Feminin
Bewegung
vr̥ttiSubstantiv Feminin
vr̥tVerbalwurzel
das Rollen, Tätigkeit, Gedanke
vr̥tVerbalwurzelsich drehen, rollen
nidrāNominativ Singular
nidrāSubstantiv Feminin
Dösen; Schlaf
nidrāSubstantiv Feminin
niPräfixdrāVerbalwurzel
Schlaf
niPräfixnieder, zurück
drāVerbalwurzelschlafen

Wenn alle äußeren Sinneseindrücke (abhāva-pratyaya) zum Erliegen kommen, dann entsteht eine Projektion (vr̥tti) der Dumpfheit (nidrā) in Deinem inneren Wahrnehmungsraum.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Mentale Dumpfheit (nidrā) [ist] eine Bewegung [im Wahrnehmungsraum (citta)], sie [ist] auf der Abwesenheit (abhāva) von Eindrücken (pratyaya) basierendx.

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich

x:

In manchen Manuskripten, insbesondere der Version auf die sich Krishnamacharya und dessen Schüler beziehen, findet sich das Wort ~i~tama.h~. Es beschreibt die mentalen Bewegungen (vr̥tti) näher. Mit dieser erweiterung handelt es sich also um “dumpfe” mentale Bewegungen (vr̥tti) im inneren Wahrnehmungsraum (citta). Der Satz heißt in diesen Manuskripten wie folgt:

abhāva-rpatyayālambanā tamo vr̥ttir-nidrā


Die nicht auf einer realen Vorstellung fußende Funktion ist der Schlaf.

Paul Deussen - 1908


Sleep is that modification (of the internal organ) which depends on the conception of nothing.

James R. Ballantyne - 1852

anubhūtaKarmadhāraya-Kompositum
anubhūtaAdjektiv
wahrgenommen
anubhūtaAdjektiv
anuPräfixbhūtaAdjektiv
wahrgenommen
anuPräfixfolgend, basierend auf, unter, nach
bhūtaAdjektiv
bhūVerbalwurzel
gewesen, geworden
bhūVerbalwurzelwerden, entstehen, geschehen
viṣayaTatpuruṣa-Kompositum Genitiv
viṣayaSubstantiv Maskulin
Gebiet, Objekt
viṣayaSubstantiv Maskulin
viṣVerbalwurzel
Gebiet, Objekt
viṣVerbalwurzelaktiv sein, machen, arbeiten
asaṁpramoṣaḥNominativ Singular
asaṁpramoṣaSubstantiv Maskulin
das nicht völlig verblasste
asaṁpramoṣaSubstantiv Maskulin
aPräfixsamPräfixpramoṣaSubstantiv Maskulin
das nicht völlig verblasste
aPräfixVerneinung
samPräfixzusammen, mit, völlig
pramoṣaSubstantiv Maskulin
praPräfixmoṣaSubstantiv Maskulin
Stehlen
praPräfixvorwärts, hervor
moṣaSubstantiv Maskulin
muṣVerbalwurzel
Räuber, Dieb
muṣVerbalwurzelstehlen
smr̥tiḥNominativ Singular
smr̥tiSubstantiv Feminin
Erinnerung
smr̥tiSubstantiv Feminin
smr̥Verbalwurzel
Erinnerung
smr̥Verbalwurzelsich erinnern

Verblasst eine Projektion nicht völlig (anubhūta-viṣayāsaṁpramiṣa), so entsteht eine Erinnerung (smr̥tti) in Deinem inneren Wahrnehmungsraum.

Dr. Ronald Steiner - moderner Transfer


Erinnerung (smr̥ti) [ist ein] nicht völlig verblasstes (asaṁpramoṣa) [zuvor] wahrgenommenes Objekt (viṣaya).

Dr. Ronald Steiner - historisch-wörtlich


Das Nicht-abhandenkommen eines Objektes, dessen man inne ward, ist die Erinnerung.

Paul Deussen - 1908


Memory is the not letting go of an object that one has been aware of.

James R. Ballantyne - 1852

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