Über die Resultate der Übungspraxis - Vibhuti Pada - referiert das dritte Kapitel des Yoga Sutras nach Patanjali.

Yoga Sutra

Vibhuti-Pada

Satz 1

desha-bandhah chittasya dharana ||1||

देशबन्धः चित्तस्य धारणा ॥१॥

deśa-bandhaḥ cittasya dhāraṇā ॥1॥

Durch die Ausrichtung der wandelbaren Aspekte des Menschen (Chitta) auf ein bestimmtes Thema entsteht Harmonie mit den Gedanken, Konzentrationsfähigkeit (Dharana). ||1||


deśa = Ort, Stelle, Objekt, Thema
bandha = Bindung, Verschluss, Fixieren
cittasya = (gen.) alles Wandelbare / Vergängliche des Menschen, Verstand, Geist
dhāraṇā = Konzentration

Dharana - die Harmonie mit dem Mentalkörper

Beschreiten wir den achtgliedrigen Weg von Asana über Pranayama und Pratyahara bis zum Dharana fällt auf, wie hier vier Aspekte des Menschseins nacheinander bearbeitet werden. Asana arbeitet mit dem physischen Körper und bringt diesen in Harmonie. Pranayama stellt Harmonie mit dem energetischen Körper her. Pratyahara ist mit dem Emotionalkörper verbunden. Dharana führt diese Folge zu ihrem Höhepunkt: Der Arbeit mit dem Mentalkörper. Harmonie mit unseren Gedanken zu schaffen ist die schwerste Aufgabe hier. Es ist verhältnismäßig leicht, den physischen Körper zu kontrollieren und allerlei Übungen auszuführen. Doch die Gedanken bewusst und achtsam zu steuern ist fortgeschrittenes Yoga. Versuche es einfach einmal selbst:

Setze Dich bequem hin, schließe Deine Augen und denke 10 Minuten nicht an einen blauen Elefanten mit Glöckchen.

Wie Du schnell feststellst, taucht jener Elefant sehr doch in Deinen Gedanken auf: "Warum diese Aufgabe mit dem Elefanten?" oder: "Na, geht doch, habe nicht an den Elefanten gedacht."

Dharana am Übergang zu den feinstofflichen Stufen

Doch Dharana bringt die Yoga-Praxis auch auf eine neue Dimension. Dharana gipfelt nicht nur die Folge Asana (Harmonie mit dem physischen Körper), Pranayama (Harmonie mit dem energetischen Körper), Pratyahara (Harmonie mit den Emotionen) und Dharana (Harmonie mit den Gedanken), sondern bildet auch die Basis für die drei feinstofflichen Stufen des Ashtanga Yoga: Dharana (Konzentration), Dhyana (Versenkung) und Samadhi (Erleuchtung).

Dharana - das Ende der Praxis

Die vier Stufen Asana, Pranayama, Pratyahara und Dharana sind mit ganz konkreten Techniken verbunden. Diese können erlernt und praktiziert werden. Durch die intensive Arbeit mit diesen Werkzeugen stellt sich schließlich Harmonie ein in dem entsprechenden Körper-Aspekt. Mit Dharana ist dieser Weg der Praxis abgeschlossen. Die folgenden Stufen können nicht geübt werden, sie stellen sich von alleine ein, wenn die richtige Grundlage gelegt ist. Am Beginn des vierten Kapitels (YS 4.2) wird auf diesen Übergang noch einmal eingegangen. Der Yogi, der praktiziert wird hier mit einem Bauern verglichen, der in den Wall eines Reisfeldes eine Furche gräbt. Dann kann das Wasser durch diese Furche von alleine fließen und so den Reis bewässern. Dharana wird zum letzten Spatenstich.

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