Yoga-Sutra 1 – Samadhi Pada: über die Erleuchtung

Von der Erleuchtung - Samadhi Pada - erzählt das Anfangs-Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali.

Yoga Sutra

Samadhi (समाधि, Samādhi) = Erleuchtung
Pada (पाद, Pāda) = Kapitel

Das erste Kapitel des Yoga-Sutra von Patanjali

Samadhi-Pada

Satz 1

atha yoga-anushasanam ||1||

अथ योगानुशासनम् ॥१॥

atha yoga-anuśāsanam ॥1॥

Jetzt Yoga - eine Einführung in die Erfahrung. ||1||

atha = (conj.) jetzt, nun, Beginn von vielen Erklärungen
yoga = (iic. / nom. sg. m.) Yoga, Vereinigung, Einheit, Harmonie mit Dir selbst
anuśāsanam = (nom. sg. n. / acc. sg. n. von anuśāsana) Einführung in die Erfahrung, Wörtl: Erklärung, Auslegung

Atha als Einleitung klassischer Erklärungen

Das Wort Atha finden wir am Beginn von vielen Erklärungen. So beginnen auch in der Hatha-Yoga-Pradipika die Erklärungen für fast alle Übungen und Techniken mit Atha:

  • atha yama-niyamāḥ
  • atha āsanam
  • atha siddhāsanam
  • atha bastiḥ
  • atha netiḥ
  • ...

Atha Yoga als Mantra

Doch in Atha Yoga steckt noch mehr Gehalt und Bedeutung. Die zwei Wörtchen können zu einem Mantra für Dich werden. Aller Anfang ist schwer, so auch der Anfang der Yoga-Praxis. Ganz egal, ob es um die Anmeldung für unseren allerersten Yoga-Kurs geht oder ob wir schon erfahrene Yogis sind und unsere Praxis beginnen möchten. Immer wieder sehen wir viele Gründe, warum wir gerade jetzt kein Yoga üben können. Wenn wir uns nur schwer aufraffen können und immer auf die perfekte Zeit für das Yoga warten, dann hilft uns "Atha Yoga". Denn Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt für die Praxis des Yoga.

Atha Yoga - Yoga im Hier und Jetzt

Atha Yoga, denn Yoga findet immer nur im Hier und Jetzt statt. Wir können unsere Praxis nur dort beginnen, wo wir gerade stehen. Ist unser Geist unruhig und wir sind innerlich unausgeglichen? - Egal, das Yoga beginnt genau hier. Sind wir schwach und krank? - Egal, das Yoga ist immer für uns da. Die Praxis ist immer bereit, wenn Du es bist. Sie wartet auf Dich, bewertet Dich niemals.

Yoga - Beziehung zu Dir

Das Wort Yoga stammt aus dem indogermanischen Wortstamm Yuga, was so viel wie Zaumzeug bedeutet. Es ist eng mit dem deutschen "Joch" verbunden, doch vereinte das Yuga ursprünglich eher wilde Pferde vor dem Streitwagen als Kühe vor dem Pflug. In jedem Fall bringt das Yuga die Tiere vor dem Wagen zusammen, bündelt ihre Kraft und ist notwendig zum gemeinsamen Vorankommen. So auch das Yoga, es bringt die verschiedenen Aspekte in Dir zusammen und führt so zu einer inneren Harmonie. Durch die Praxis des Yoga entsteht so eine Beziehung zu Dir selbst.

Zuhören - der Schlüssel

Was aber ist das Wichtigste in einer Beziehung? - wohl jeder Mann weiß darauf eine Antwort. Wie oft haben wir schon vernommen: "Hörst Du mir überhaupt zu?"
Zuhören mit Achtsamkeit ist vielleicht das wichtigste Fundament einer Partnerschaft. Wenn Yoga eine Beziehung zu uns herstellt, dann ist das Zuhören und die Achtsamkeit uns selbst gegenüber ein wichtiger Aspekt der Praxis. Wir können provokant sagen, die verschiedenen Körper-Positionen der Yoga-Praxis sind einzig dafür konzipiert, dass wir uns selbst besser zuhören können. Ein Muskel dehnt, Erschöpfung stellt sich ein, jetzt spricht unser physischer Körper laut zu uns. Wir können ihn wahrnehmen, ihm zuhören und achtsam mit ihm umgehen.

Annehmen - öffnet die Tür zum Yoga

Doch in einer Partnerschaft ist es mit Zuhören alleine nicht getan. Stell Dir ein Wesen vor, das maximale Liebe Dir gegenüber empfindet. Vielleicht Gott. Stell Dir vor, Du kommst nach Deinem Tod zu diesem Wesen. Vielleicht fällst Du vor ihm nieder, küsst ihm die Füße… - und Gott kickt Dich mit dem Fuß weg: "Du bist zu fett!". Würde das passen? Ein Wesen, das maximale Liebe für Dich empfindet, würde Dich so annehmen wie Du bist: dick, dünn, faul, fleißig, klug, dumm, groß, klein, schön, hässlich, ... alles wird mit Liebe angenommen.

Auch in einer Beziehung mit einem Lebenspartner ist das Annehmen essentiell. Durch ständiges Bewerten stirbt jede Beziehung. Im Umgang mit anderen Menschen ist uns das vielleicht klar, aber wie gehen wir mit uns um?

Können wir morgens in den Spiegel blicken und zu uns selbst sagen: "Ich liebe Dich!"? Yoga stellt diese harmonische Beziehung zu Dir her. Es bringt Dich in Harmonie mit Dir selbst.

Die eigene Erfahrung und die Praxis - das Fundament des Yoga

Doch der kurze Satz geht noch weiter: atha yoga-anuśāsanam. Anushasanam, die Einführung in die Erfahrung des Yoga. Anders als viele andere Philosophien ist Yoga nicht trockene Theorie, sondern basiert immer auf der eigenen Praxis und Erfahrung. Yoga ist hier ein wenig wie ein Apfel. Wir können Jahre damit zubringen einen Apfel zu analysieren, ihn zu erklären, die Nährstoffe darin aufzuschlüsseln, ihn zu beschreiben, doch wie ein Apfel schmeckt, das wissen wir dadurch noch lange nicht. Es gibt nur einen Weg das herauszufinden. Genauso ist es beim Yoga. Nur durch die eigene Praxis und Erfahrung können wir den Zustand des Yoga erleben.

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