Yoga-Sutra 1 – Samadhi Pada: über die Erleuchtung

Von der Erleuchtung - Samadhi Pada - erzählt das Anfangs-Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali.

Yoga Sutra

Samadhi (समाधि, Samādhi) = Erleuchtung
Pada (पाद, Pāda) = Kapitel

Das erste Kapitel des Yoga-Sutra von Patanjali

Samadhi-Pada

Satz 11

anu-bhuta-vishaya-asampramoshah snritih ||11||

अनुभूतविषयासंप्रमोषः स्मृतिः ॥११॥

anu-bhūta-viṣaya-asaṁpramoṣaḥ smr̥tiḥ ॥11॥

Erinnerung (Smriti) entsteht aus der Vergangenheit (anubhuta), wenn die Erfahrung (vishaya) noch nicht verblasst ist (asampramosha). ||11||


anu = (prep / adv) aus, von
bhūta = (iic.) Erfahrenes, Vergangenes
viṣaya = (iic.) Gegenstand, Situation, Erfahrungen
a = nicht
saṁ = völlig
asaṁ = (acc. sg. m. von āsa) nicht völlig, nicht ganz
pramoṣaḥ = (m. von pramoṣa) Stehlen, Wegnehmen, Beseitigen, Verblassen
smr̥tiḥ = (nom. sg. f. von smr̥ti) Erinnerung

Smriti - Die Erinnerung

Als fünfte und letzte Möglichkeit die dem Zustand des Yoga im Wege steht nennt Patanjali die Erinnerung (Smriti). Sobald wir mit unseren Gedanken nicht mehr präsent sind kann keine unmittelbare Wahrnehmung mehr stattfinden. Smriti ist oft ein sehr hartnäckiges Hindernis bei der Selbsterkenntnis.

Stell Dir vor, Du gehst in einem Wald spazieren. Du setzt Dich auf eine Bank und lauscht den Vögeln, die Sonne scheint durch die Blätter des Waldes und Du tauchst ein in eine unmittelbare Wahrnehmung des Augenblicks. Es entsteht das ekstatisches mystisches Gefühl. Die spirituelle Erfahrung entsteht oder der Zustand des Yoga.

Leider hält dieser Zustand meist nicht lange an. Oft beginnt der Zerfall der unmittelbaren Selbstwahrnehmung (Yoga) mit der gegenständlichen Wahrnehmung (Pramana). Deine Sinne heften sich an die äußeren Objekte. Die Mystik des Augenblicks verschwindet.

Durch Vorstellung (Viparyaya) versuchst Du vielleicht noch die Erfahrung zu halten. Du phantasierst wie sie denn sein könnte. Doch egal wie sehr Du es Dir auch vorstellst, das ekstatische Gefühl der unmittelbaren Selbstwahrnehmung (Yoga) ist verschwunden.

Vielleicht beginnst Du auch zu konstruieren wie die Erfahrung zustande kam (Vikalpa). Welchen Winkel das Sonnenlicht haben muss und wie die Blätter fallen, oder Du Deinen Kopf halten sollst. Doch all dieses intellektuelle analysieren des erlebten entfernt Dich nur weiter vom entfernten.

Das Dösen (Nidra) lässt Dich weiter in einen unbewussten Zustand, entfernt von der unmittelbaren und klaren Wahrnehmung sinken.

Die Erinnerung (Smriti) schließlich kann dafür sorgen diese unmittelbare Erfahrung nicht wieder zu erleben. Vielleicht setzt Du Dich am nächsten Tag an genau die selbe Bank und wartest bis die Sonne erneut durch die Blätter scheint. Doch egal was Du wahrnimmst, Du vergleichst es sofort mit dem am Vortag erlebten. Dadurch wird die unmittelbare Mystik des Augenblicks unterbunden. Denn das Wesen einer direkten Selbsterfahrung ist, dass sie immer neu und anders ist. Ein Vergleich mit einer Erfahrung in der Vergangenheit ist das Ende jeder unmittelbaren Wahrnehmung.


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