Yoga-Sutra 1 – Samadhi Pada: über die Erleuchtung

Von der Erleuchtung - Samadhi Pada - erzählt das Anfangs-Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali.

Yoga Sutra

Samadhi (समाधि, Samādhi) = Erleuchtung
Pada (पाद, Pāda) = Kapitel

Das erste Kapitel des Yoga-Sutra von Patanjali

Samadhi-Pada

Satz 20

shraddha-virya-snriti samadhi-prajna-purvaka itaresham ||20||

श्रद्धावीर्यस्मृति समाधिप्रज्ञापूर्वक इतरेषाम् ॥२०॥

śraddhā-vīrya-smr̥ti samādhi-prajñā-pūrvaka itareṣām ॥20॥

Für wieder andere geht Glaube (Shraddha), Wille (Virya), Erinnerung (Smriti), objektive Betrachtung (Samadhi) und Weisheit (Prajna) voraus. ||20||


śraddhā = (nom. sg. f.) Glaube, Vertrauen, Gewissheit, Überzeugung
vīrya = (iic.) Energie, fester Wille, Kraft
smr̥ti = (iic.) Erinnerung, das daran denken, "mindfullness"
samādhi = (iic.) Ziel des Yoga, Erleuchtung, aber auch: richtige Wahrnehmung, balanciertes Denken, objektive Betrachtung
prajñā = (nom. sg. f.) Ahnung, Wissen, Weisheit, Abschätzungsvermögen
samādhi-prajñā = Ahnung vom Ziel des Yoga
pūrvaka = (iic.) vorangehen
itareṣā = für andere

Diese Idee ist um einiges älter als das Yoga-Sutra selbst, denn in ganz ähnlicher Formulierung finden wir das Konzept in Buddhas Reden wieder (1). Hier werden sie als die fünf inneren Sinnesorgane "pañc' indriyan" (pali) bezeichnet. Sie reflektieren fünf geistige Kräfte:

  • Glaube: Der Glaube motiviert den Menschen, er richtet sein Handeln nach einem Ziel aus und steht so an der Basis jeder Motivation und die ist die Grundlage für den Erfolg.
  • Wille: Wille erklärt sich von selbst. Ohne Fleiß kein Preis, so heißt es im Volksmund. Nach dem Finden der grundlegenden Motivation ist der Wille oder die Energie es umzusetzen die Basis für den Erfolg eines Vorhabens.
  • Erinnerung: Es geht um die ständige Erinnerung an das angestrebte Ziel und den Weg dorthin. Ohne Erinnerung vergessen wir die Praxis, verpassen die Augenblicke. Auf Pali, der Sprache Buddhas klingt das Wort als "sati". Die Praxis besteht darin fortwährend zu seinem gewählten Thema zurückzukehren. Heute heißt das "mindfulness".
  • Objektive Betrachtung: Vielleicht ein Wort über das man stutzt. Warum übersetze ich Samadhi mit objektiver Betrachtung? Samadhi ist vielen als der Zustand des Yogas bekannt. - Sozusagen das Ziel des Yoga. Wie kann uns Samadhi dabei helfen Samadhi zu erreichen? Wenn wir beachten, dass der Vers fast wörtlich aus dem einige Jahrhunderte älteren Reden Buddhas übernommen wurde, verstehen wir, dass Samadhi in diesem Kontext noch einen anderen Bedeutungsschwerpunkt hatte. Samadhi taucht überhaupt erstmals in Buddhas Reden auf. Das Wort stammt von samyak (korrekte, richtige, akkurate, u.a. ausgerichtete ) und adhi (Anmerken, Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten). Diese wiederum haben ihre Wurzeln als sama (balanciert, ausgeglichen, neutral) und dhi (Denken, Verstehen). Wir können Samadhi hier übersetzen als eine balancierte, richtige Sicht und Betrachten. Also im Sinne einer unabhängigen, objektiven Sicht. Wir nehmen die Welt objektiv, ohne Vorurteil war. Das ist die Basis für wissenschaftliche Beobachtung. Hier wird schnell klar, diese ist ein wichtiger Aspekt für das erreichen eines jeden Ziels. Wir müssen klar erkennen wo wir stehen und wohin wir wollen.
  • Weisheit: Doch für das Erreichen eines Zieles gehört auch das intuitive Verstehen und Vorahnen: Wie entwickeln sich die Dinge, wie sind sie voneinander abhängig und was ist die Position und die Lage der Dinge und ich im Universum. "Weisheit" gibt dieses gut wieder. Während Samadhi die Ausrichtung im Hier und Jetzt ist, behält Prajna die Übersicht über das große ganze: Zeit und Raum.

Diese fünf sind die Basis für jeden Erfolg, egal welches Ziel wir auch anstreben, sie balancieren sich gegenseitig perfekt aus:

  • Ohne Glaube verlieren wir die Richtung und das Ziel. Zu viel davon macht uns jedoch auch blind. Wir verlieren in in einer Scheinwelt unserer Vorstellung.
  • Ohne Wille kann man nicht praktizieren. Jedoch zu viel Ansporn ohne den anderen führt zu Verletzung und Verschwendung.
  • Ohne Erinnerung kommen wir nie zu unserer Praxis da wir sie ständig vergessen. Oder wir vergessen in der Praxis das Ziel der Übungen. Zu viel Erinnerung macht uns jedoch neurotisch. Wir stehen uns mit Konzepten, Erklärungen selbst im Weg.
  • Ohne objektive Betrachtung und konzentriertes Beobachtungsvermögen gibt kein Verstehen und damit kein Lernen. Zu viel Wissenschaftlichkeit ist jedoch der Feind des Glaubens und des Willens. Denn objektiv betrachtet verschwindet das Universum so wie so in „Pralaya“, im nichts. Der Platz des einzelnen Menschen im Kontext des gesamten Universums ist absolut nichtig.
  • Ohne Weisheit scheitern wir uns trotz alle unserem Wissen, Erinnerung, Wille und Glaube. Weisheit alleine reicht jedoch nicht aus. Die anderen vier sind nötig um ein konkrete Ziel zu erreichen.

(1) Sutta Nikaya 48.10, Anutara Nikaya 6.55

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