Im vierten Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali geht es schließlich um die Befreiung - Kaivalya Pada.

Yoga Sutra

Kaivalya-Pada

Satz 29

prasankhyane-'py-akusidasya sarvatha vivekakhyateh dharma-meghas-samadhih ||29||

प्रसंख्यानेऽप्यकुसीदस्य सर्वथा विवेकख्यातेः धर्ममेघस्समाधिः ॥२९॥

prasaṁkhyāne-'py-akusīdasya sarvathā vivekakhyāteḥ dharma-meghas-samādhiḥ ॥29॥

Bei wirklich tiefer Erkenntnis entsteht sogar fortwährende Wunschlosigkeit und Unterscheidungskraft (Viveka) folgt. Das wird Dharma-Megha-Samadhi genannt. ||29||


prasaṁkhyāne = tiefe Erkenntnis
api = sogar
akusīdasya = kein Interesse, Wunschlosigkeit
sarvathā = auf jede Weise, zu allen Zeiten, fortwährend, immer
viveka = Unterscheidungskraft
khyāti = folgend aus
dharma = (iic.) Tugend, Kosmische Ordnung, Pflicht im Leben, Aufgabe im Leben
meghaḥ = (iic.) Wolke, Regenwolke
dharma-meghaḥ = Herabströmen des Dharmas
samādhiḥ = (nom. von samādhi) überbewusster Zustand, Samadhi, Ziel des Yoga,

Samādhi ist der Zustand, in dem wir uns als befreite Menschen wiederfinden. Samādhi ist die ekstatische Erfahrung des Yoga, in dem die Wahrnehmung völlig ungetrübt ist. Wenn ich diesen Satz von Patañjai lese, dann erinnere ich mich schmunzelnd an ein Gespräch, das ich am Ende einer Yoga-Stunde mithörte:

A: Hey, Achmed, wozu der Scheiß?
B: Samaadhi, Alder!
A: Samaadhi?
B: Mega-Samaadhi!
A: ?
B: Geiles Mega-Samaadhi!!
A: Ey Geil, Alder!

Dharma-Megha Samādhi können wir in der Tat etwas flapsig als "geiles Mega-Samaadhi" übersetzen. Megha sind wörtlich die Regen bringenden Gewitterwolken. In Deutschland assoziieren wir Gewitterwolken vermutlich nicht mit etwas Positivem. Stellen wir uns jedoch vor, wir leben in einem trockenen Land, in dem es seit Monaten nicht mehr geregnet hat. Alles ist staubig und verdorrt. Selbst das Wasser zum Trinken ist knapp, unsere Zunge klebt am Gaumen. Nun ziehen langsam am Horizont dicke, schwere Gewitterwolken auf. Dharma bedeutet, sein Versprechen zu halten oder seine Pflicht zu erfüllen. Es sind also Gewitterwolken, die ihr Versprechen halten und schweren reichen Regen bringen. Wenn diese schweren Regentropfen auf das trockene Land und auf uns prasseln, kann man das vermutlich am ehesten mit den Worten "Mega-Geil" beschreiben.

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