Im vierten Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali geht es schließlich um die Befreiung - Kaivalya Pada.

Yoga Sutra

Kaivalya-Pada

Satz 34

purusha-artha-shunyanam gunanam-pratiprasavah kaivalyam svarupa-pratishtha va chitishaktiriti ||34||

पुरुषार्थशून्यानां गुणानांप्रतिप्रसवः कैवल्यं स्वरूपप्रतिष्ठा वा चितिशक्तिरिति ॥३४॥

puruṣa-artha-śūnyānāṁ guṇānāṁ-pratiprasavaḥ kaivalyaṁ svarūpa-pratiṣṭhā vā citiśaktiriti ॥34॥

Befreiung (Kaivalya) erfüllt das Ziel des wahren Selbst (Purusha), die Materie (Guna) wird überwunden. Dann zeigt sich die wahre Natur des Seins und die Kraft des absoluten Wissens. ||34||


puruṣa = (iic. von puruṣārtha) wahres Selbst, Drashtu
artha = Sinn, Ziel
śūnyānām = (g. pl. m. / g. pl. n. g. pl. f. von śūnya) Leere, Erfüllung
guṇānām = (g. pl. m. von guṇa) drei Grundeigenschaften der Materie
prati = (iic.) zurück, gegen
prasavaḥ = (nom. sg. m. von prasava) Schöpfung, Entwicklung
pratiprasavaḥ = überwinden, wiedereintauchen
kaivalyam = (acc. sg. n. / nom. sg. n. von kaivalya) geistige Befreiung, Kaivalya, Ziel des Yoga, Samadhi
svarūpa = (iic.) eigene Natur, eigenes Wesen
pratiṣṭḥā = (nom. pl. m. / acc. pl. f. / nom. pl. f. von pratiṣṭḥa) hervorstehen, erscheinen
= (conj.) oder
citi = (loc. sg. f. von cit) absolutes Wissen, Bewusstsein, das wahre Selbst, Drashtu
śaktiḥ = (nom. sg. f. / nom. sg. m. von śakti) Kraft
iti = (prep.) Ende

Hier erinnert Patañjali an den Anfang seines Yoga Sūtrāni. Wenn auf diese Weise Befreiung von den Prägungen in der Einheit aus Physis, Energie, Emotion und Gedanke eingekehrt ist, kann die wahre Natur des eigenen Daseins erkannt werden.

Die vier Ur-Wünsche des Menschen (Puruṣārtha) sind dabei die Pflichterfüllung (Dharma), Reichtum (Artha), Sex (Kāma) und Selbstverwirklichung (Mok.sa). Die Grundeigenschaften der Materie (Guṇa) sind Unruhe (Rajas), Trübsinn (Tamas) und Reinheit (Sattva). Wer also Kaivalya erfahren hat, unterliegt nicht mehr den normalen Gesetzen. Er ist glücklich, ohne dass es dafür einen äußeren Anlass geben müsste – grundlos glücklich.

Die Wirklichkeit, die immer besteht, zu suchen und in ihr zu verweilen, ist die einzige Errungenschaft. Alle anderen Errungenschaften (Siddhis) sind von der Art, wie sie in Träumen erlangt werden. Wer das Absolute erkannt hat, ist alles….ohne Anfang, Mitte, Ende; ohne Geburt und ohne Tod. Hier endet alle Furcht. Es ist unmöglich, Samadhi zu beschreiben, weil es den Geist übersteigt. Es kann nur erfahren werden.

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